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Unternehmen vernachlässigen Compliance

Geschrieben am 25-02-2010

Frankfurt am Main (ots) - PwC-Studie: Über die Hälfte der
deutschen Großunternehmen hat kein Programm zur
Kriminalitätsprävention / Compliance ist häufig nur oberflächlich
etabliert / Offene Unternehmenskultur ist die beste Prävention

Die meisten deutschen Großunternehmen verzichten noch immer auf
ein Compliance-Programm. Wie eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und
Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) und der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg aufzeigt, haben 56 Prozent
von 500 befragten Unternehmen keine konsistenten Richtlinien und
Methoden zur Abwehr von Wirtschaftskriminalität und Durchsetzung
ethischer und rechtlicher Standards etabliert. Bei mehr als jedem
zweiten dieser Unternehmen steht die Einführung eines
Compliance-Programms auch mittelfristig nicht auf der Agenda.

"Die Skepsis gegenüber dem Thema Compliance ist noch immer groß.
Doch viele Unternehmen überschätzen die Kosten und unterschätzen den
Nutzen eines Compliance-Programms", betont Steffen Salvenmoser,
ehemaliger Staatsanwalt und Partner bei PwC. So lehnen sechs von zehn
Unternehmen die Einführung von Kontroll- und Präventionsmechanismen
aus Sorge vor zuviel Bürokratie ab. Gut jedes zweite hält Compliance
schlicht für zu teuer.

Doch auch bei vielen Unternehmen, die über ein Compliance-Programm
verfügen, zeigt die Studie Verbesserungsbedarf auf. Häufig sind die
Programme zu eng auf bestimmte Delikte und Zielgruppen zugeschnitten.
Zudem fehlen oft die nötigen personellen Ressourcen.

Für die Studie "Compliance und Unternehmenskultur - Zur aktuellen
Situation in deutschen Großunternehmen" wurden von Mai bis Juni 2009
500 Großunternehmen in Deutschland befragt.

Personaldecke ist zu dünn

Wie viele Mitarbeiter mit dem Thema Compliance befasst sind, hängt
vor allem von der Größe der Unternehmen ab. Im Durchschnitt haben
Unternehmen zehn Beschäftigte, die für die Kontrolle und Durchsetzung
der internen Regelwerke zuständig sind.

Allerdings gibt es bei gut einem Drittel der Befragten mit mehr
als 1.000 Beschäftigten und bei etwa jedem achten Großunternehmen mit
über 5.000 Beschäftigten lediglich einen einzigen für Compliance
zuständigen Mitarbeiter. "Bei Unternehmen dieser Größenordnung ist
dies eindeutig nicht ausreichend. Unter diesen Voraussetzungen haben
Compliance-Bemühungen kaum Aussicht auf Erfolg", kritisiert
Salvenmoser. Von den befragten Unternehmen halten 61 Prozent ihre
Compliance-Ressourcen für ausreichend, während 22 Prozent die
vorhandene Ausstattung als "mittelmäßig" und 17 Prozent sogar als
"unzureichend" einstufen.

Die Compliance-Verantwortung liegt bei den meisten Unternehmen (69
Prozent) bei der Geschäftsführung, gut sechs von zehn Befragten haben
einen Compliance-Beauftragten. Wenn die Zuständigkeit für die
Regelüberwachung übertragen wird, liegt diese meist bei der
Rechtsabteilung (55 Prozent der Unternehmen), eine eigene
Compliance-Abteilung haben nur 29 Prozent der Befragten.

Kunden und Lieferanten bleiben außen vor

Compliance-Programme richten sich bei der großen Mehrzahl der
Unternehmen an Führungskräfte (92 Prozent) sowie die weiteren
Mitarbeiter (82 Prozent). Externe Personen sind demgegenüber weitaus
seltener eingebunden. Nur knapp jedes zweite Unternehmen (47 Prozent)
bezieht seine Lieferanten und Subunternehmer in das Regelwerk ein,
andere "Drittparteien" (beispielsweise Kunden) werden nur von 39
Prozent der Compliance-Programme angesprochen.

Auch bei der Kommunikation der ethischen und rechtlichen
Grundsätze sowie Handlungsanweisungen zeigen sich Defizite. Zwar
nutzen 85 Prozent der Befragten unternehmensinterne
Kommunikationswege wie Meetings und Rundschreiben, und 65 Prozent
verfügen über ein Compliance-Handbuch. Externe Adressaten sprechen
jedoch selbst die Unternehmen, die diese Zielgruppe in ihrem
Compliance-Programm identifiziert haben, nur in zwei von drei Fällen
an. Damit kennt jeder dritte unternehmensexterne Geschäftspartner
nicht die Regeln, an die er sich halten soll.

Defizite zeigt die Studie auch bei der inhaltlichen Ausrichtung
der Compliance-Programme auf. So bleibt der Umgang mit Spenden und
Sponsoring bei 30 Prozent der Befragten ungeregelt und gut jedes
dritte Unternehmen befasst sich nicht mit wettbewerbswidrigen
Absprachen. Zudem haben gut 30 Prozent der börsennotierten Befragten
keine expliziten Regeln und Vorkehrungen zur Abwehr von
Insiderhandel.

Compliance-Vereinbarungen und Programme sind nur dann sinnvoll,
wenn ihre Einhaltung auch überwacht und dokumentiert wird. Bei knapp
neun von zehn Unternehmen gibt es mindestens einmal jährlich einen
Compliance-Report für die Geschäftsleitung, sieben von zehn Befragten
haben zudem ein internes Monitoring. Demgegenüber hat erst jedes
vierte Unternehmen seine Mitarbeiter dazu befragt, in wie weit sie
das Compliance-Programm kennen und unterstützen. Einer unabhängigen
externen Prüfung haben sich bislang 35 Prozent der Befragten
unterzogen.

Compliance braucht offene Unternehmenskultur

Ein wesentlicher Faktor für die Wirksamkeit von
Compliance-Programmen ist die Unternehmenskultur. Unternehmen mit
einer positiven Unternehmenskultur, d.h. starkem Zusammenhalt unter
den Mitarbeitern, hoher informeller Sozialkontrolle und niedriger
Toleranz gegenüber Regelverstößen, decken deutlich seltener Fälle von
Wirtschaftskriminalität auf als andere Befragte. Dabei ist
bemerkenswert, dass Betriebe mit positiver Unternehmenskultur
häufiger Kontroll- und Präventionsmechanismen etabliert haben.

Beispielsweise verfügen 38 Prozent der befragten Unternehmen mit
positiver Unternehmenskultur über ein Anti-Korruptionsprogramm,
während dies nur auf 21 Prozent der Befragten mit
unterdurchschnittlicher Unternehmenskultur zutrifft. Dennoch wurden
14 Prozent dieser Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren Opfer
von Korruption, jedoch nur neun Prozent der Befragten mit positiver
Unternehmenskultur.

"Das so genannte Kontrollparadox - wer mehr kontrolliert, findet
auch mehr Verstöße - trifft auf Unternehmen mit einer
überdurchschnittlichen Unternehmenskultur gerade nicht zu. Dies ist
ein Beleg dafür, dass Compliance-Programme wirksam sind, wenn sie von
allen Beteiligten konsequent umgesetzt werden und die
Rahmenbedingungen im Unternehmen stimmen", kommentiert Claudia
Nestler, Partnerin bei PwC im Bereich Forensic Services.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.pwc.de/de/crimesurvey

Redaktionshinweis:

Die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist
in Deutschland mit rund 9.000 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen
von rund 1,37 Milliarden Euro eine der führenden Wirtschaftsprüfungs-
und Beratungsgesellschaften. An 29 Standorten arbeiten Experten für
nationale und internationale Mandanten jeder Größe.
PricewaterhouseCoopers bietet Dienstleistungen an in den Bereichen
Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance),
Steuerberatung (Tax) sowie Deals und Consulting (Advisory).

Originaltext: PwC PriceWaterhouseCoopers
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/8664
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_8664.rss2

Pressekontakt:
Claudia Barbe
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Presseabteilung
Tel.: (069) 95 85 - 3179
E-Mail: claudia.barbe@de.pwc.com


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