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Börsen-Zeitung: Auf der Suche nach Impulsen, Marktkommentar von Thorsten Kramer

Geschrieben am 15-01-2010

Frankfurt (ots) - Überraschend aufregend ist die Handelswoche am
asiatischen Devisenmarkt zu Ende gegangen. Dort wurde von einigen
Akteuren allen Ernstes das Gerücht herumgereicht, dass
Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Rücktritt vorbereitet. Der Euro
fiel daraufhin recht deutlich um mehr als 1 Cent unter 1,44 Dollar.
Was hierzulande im Devisenhandel lediglich ungläubige Blicke und
Schulterzucken hervorrief, veranlasste einen Sprecher der
Bundesregierung am Freitag schon in aller Frühe dazu, diese
Spekulationen als "absolut frei erfunden" bloßzustellen. Der Euro
pendelte derweil weiterhin um 1,44 Dollar, weil sich Investoren in
Europa um die Finanzlage Griechenlands sorgten.

An Europas Aktienmärkten blieben in der abgelaufenen Handelswoche
Hiobsbotschaften - seien sie nun wahr oder doch nur frei erfunden -
aus. Der gerne als Angstbarometer bezeichnete Volatilitätsindex VDax
rutschte deshalb auf den tiefsten Stand seit 20 Monaten. Die
Entwicklung belegt, dass die Anleger die Perspektiven für
Aktieninvestments auf Sicht der kommenden Wochen überwiegend
optimistisch beurteilen. Diejenigen, die bereits investiert sind und
hohe Buchgewinne erzielt haben, wollen deshalb nicht verkaufen. Und
diejenigen, die noch nicht ausreichend investiert sind, wollen ganz
offenbar weitere positive Nachrichten von Unternehmens- und
Konjunkturseite abwarten, ehe sie sich engagieren. Vor diesem
Hintergrund scheint es gut verständlich, dass die Aktienkurse
europäischer Konzerne aus dem Chipsektor am Freitag recht verhaltend
tendierten, obwohl der amerikanische Branchenführer Intel am Vortag
unerwartet gute Quartalszahlen veröffentlicht hatte.

Durch Banken verunsichert

Womöglich werden sich die Anleger in einigen Wochen über ihre
Zurückhaltung freuen, nämlich dann, wenn die Berichtssaison entgegen
den Erwartungen schwach verlaufen ist. Nach dem enttäuschenden
Auftakt durch den US-Industriekonzern Alcoa und einer Gewinnwarnung
der Société Générale streute vor dem Wochenende die Bilanz von J.P.
Morgan Chase jedenfalls weitere Zweifel. Deren Gewinn kletterte im
abgelaufenen Quartal zwar auf 3,3 Mrd. Dollar und lag damit oberhalb
der Prognosen, Anleger sorgten sich aber trotzdem um die Aussichten
für den Bankensektor, weil sich die Großbank gegen den Ausfall von
Immobilienkrediten mit einer auf 4,2 Mrd. Dollar erhöhten
Rückstellung wappnete. Vor einem Jahr lag die Summe bei gerade mal
653 Mill. Dollar. Marktteilnehmer blicken deshalb der neuen
Handelswoche, in der Citigroup, Bank of America, Morgan Stanley und
Goldman Sachs Quartalsberichte präsentieren, mit verständlicher
Skepsis entgegen.

Insgesamt legen in der neuen Woche rund 70 Unternehmen aus dem
S&P500 Geschäftszahlen vor. Die meisten Analysten halten allerdings
an der Überzeugung fest, dass die Zahlen für das Schlussquartal - wie
bereits in den zurückliegenden beiden Quartalen - in der Mehrzahl
positiv überraschen dürften. Dabei räumen sie vor allem
US-Unternehmen Potenzial ein, und zwar nicht zuletzt wegen der
Währungsentwicklung: Der Dollar notiert gegenüber dem Euro im Moment
etwa 12% tiefer als vor Jahresfrist. Hinzu kommen Basiseffekte, da
das Schlussquartal 2008 sehr schwache Zahlen geliefert hatte.

Der Ausblick entscheidet

Aus Investorensicht bekommt daher der Ausblick der Unternehmen
eine höhere Bedeutung, und hier lässt sich weiterhin nicht viel Gutes
erahnen. Viele Vorstandschefs dürften wegen der weiterhin
angespannten wirtschaftlichen Lage erneut auf eine konkrete Prognose
verzichten. Und diejenigen Konzerne, die einen Ausblick geben,
dürften belegen, dass maximal mit einer moderaten Belebung der
Nachfrage zu rechnen ist. Für den Aktienmarkt verspricht beides keine
neuen Impulse.

In Europa sehen die Perspektiven kaum besser aus. Die Erwartungen
an Unternehmen aus defensiven Sektoren liegen in der Nähe der
Höchststände der zurückliegenden Monate. Lediglich in zyklischen
Sektoren und im Finanzsektor wurden die Schätzungen bereits
revidiert. Allerdings trifft dies nicht auf die Sektoren in der
Breite zu, sodass positiv wie negativ Überraschungspotenzial besteht.
Dies deutet zumindest darauf hin, dass der Handel auch an Europas
Aktienmärkten schon bald wieder spannender wird.

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de


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