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Umsatzeinbruch im deutschen Privatfunk

Geschrieben am 30-11-2009

München (ots) - Free TV-Sender rechnen für 2009 mit Erlöseinbruch
von 11 Prozent / Privatradios erwarten Rückgänge von rund 9 Prozent
für 2009 / Ende der Werbekrise erst 2011 in Sicht / Online-Umsätze
des privaten Rundfunks wachsen nur langsam

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise haben auch die deutsche
Rundfunkwirtschaft erreicht. Spätestens seit dem vierten Quartal 2008
ist die schwierige konjunkturelle Lage deutlich an den Ergebnissen
und Zahlen der Rundfunkbranche erkennbar. Auch für das Geschäftsjahr
2009 sind weitere Einschnitte zu erwarten. So rechnen die
Free-TV-Anbieter mit einem Umsatzverlust von 11 Prozent, die
Pay-TV-Anbieter von 1 Prozent. Die privaten Hörfunkanbieter erwarten
für 2009 ein Umsatzminus von rund 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Dagegen sehen sich die Teleshoppingkanäle mit einem Umsatzplus von 6
Prozent weiter im Aufwind.

Dies zeigt die Studie "Wirtschaftliche Lage des Rundfunks in
Deutschland 2008/2009", die im Auftrag von acht Landesmedienanstalten
unter Federführung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien
(BLM) durchgeführt wurde.

Privater Rundfunk 2008 noch in der Gewinnzone

Nach der kontinuierlichen Erholung der Rundfunkwirtschaft seit
2004 kam es 2008 zu erneuten Umsatzrückgängen: Die Vollerhebung aller
privaten Rundfunkveranstalter in Deutschland ergab, dass im
Geschäftsjahr 2008 die Erträge aus Werbespots um sieben Prozent auf
4,35 Mrd. Euro gesunken sind. Dieser Umsatzrückgang konnte durch
andere Erlösquellen teilweise aufgefangen werden, so dass der
Gesamtumsatz im Privatrundfunk 2008 nur um 3,3 Prozent auf 8,02 Mrd.
Euro gesunken ist. Gleichzeitig stiegen jedoch die Kosten um 2,2
Prozent, wodurch ein deutlicher Rückgang der Rentabilität verzeichnet
werden muss. Konnte in der letzten Erhebung zur wirtschaftlichen Lage
des Rundfunks für 2006 bei der Gewinnbetrachtung noch ein Plus von
1,14 Mrd. Euro ermittelt werden, sanken die Gewinne 2008 um 38
Prozent auf 713 Mio. Euro. Hierbei verloren vor allem die privaten
TV-Sender an Profitabilität: Der Kostendeckungsgrad verschlechterte
sich im privaten Fernsehen auf 109 Prozent. Im privaten Hörfunk
dagegen veränderte sich das Kostendeckungsniveau von 2006 kaum und
lag auch im Jahr 2008 bei stabilen 116 Prozent.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Rahmen des Workshops "Wer kann
noch bezahlen?" am 30. November 2009 in Düsseldorf vorgestellt
(Veranstalter: Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) und BLM).
Mit der Durchführung der Untersuchung und der Befragung aller
privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkunternehmen (Radio und
Fernsehen) in Deutschland wurden beauftragt: die Goldmedia GmbH
(Datenerhebung und Bericht Fernsehen), TNS Infratest (Daten-Erhebung
Hörfunk) sowie der Journalist Guido Schneider (Bericht Hörfunk).
Auftraggeber der Studie sind neben der BLM die Landesmedienanstalten
aus Baden-Württemberg (LfK), Berlin-Brandenburg (mabb), Hessen (LPR),
Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH), Nordrhein-Westfalen (LFM),
Rheinland-Pfalz (LMK) und Sachsen (SLM).

Wachstum der Diversifikationserlöse im Free-TV

2008 ging der Anteil aus klassischer Spotwerbung zugunsten
alternativer Erlösquellen auf 80 Prozent zurück. Damit konnten die
privaten Free-TV-Anbieter den Anteil der Diversifikationserlöse auf
20 Prozent steigern. Im Rahmen ihrer Diversifikationsstrategien
generieren die TV-Sender zunehmend Erlöse über digitale
Pay-TV-Kanäle, Teleshopping, (Online-) Games und Lizenzhandel. Durch
diese Erlösformen konnten die Free-TV-Anbieter 2008 mehr als 900 Mio.
Euro generieren. Die Bedeutung der Erlöse aus dem Bereich Call Media
bzw. Telefonmehrwertdienste nimmt dagegen stark ab. Seit 2006 haben
sich die Umsätze aus Call Media um 21 Prozent verringert.

Online-Umsätze im Rundfunk noch marginal

Die Online-Umsätze steigen hingegen nur langsam. Im Jahr 2008
betrugen sie insgesamt 252 Mio. Euro und stellen damit lediglich
einen Anteil von 3,3 Prozent des Gesamtumsatzes privater
Fernsehsender dar. Im privaten Hörfunk sowie beim Lokal-TV ist der
Anteil noch geringer: 2008 generierten die deutschen Radios
Online-Umsätze von 4,6 Mio. Euro, was einem Gesamtumsatzanteil von
nur 0,7 Prozent entspricht. Bei den Regional-TV-Anbietern beliefen
sich die Erlöse auf nur eine halbe Mio. Euro (0,6 Prozent des
Lokal-TV-Gesamtumsatzes). Nach Schätzung der Hörfunkbranche werden
sich die Online-Umsätze in den nächsten fünf Jahren jedoch auf 6,5
Prozent erhöhen. Alle Fernsehanbieter zusammen rechnen für 2013 mit
einem Gesamtumsatzanteil von knapp neun Prozent (Lokal-TV: sechs
Prozent).

Konjunktureller Aufschwung erst wieder 2011

Das Ende des konjunkturellen Abschwungs wird vom Großteil der
privaten Fernsehanbieter in Deutschland (46 Prozent) für 2011
erwartet. Jeweils ein Fünftel prognostiziert das Ende der Krise für
2010 und für 2012. Die wenigsten glauben (15 Prozent), dass dieser
Zeitpunkt erst im Jahr 2013 oder noch später liegt. Hinsichtlich
dieser Frage fallen vor allem die Einschätzungen aus dem
Pay-TV-Bereich auf: Fast alle Anbieter prognostizieren das Ende des
Konjunkturabschwungs in 2011.

Beschäftigung im Rundfunk insgesamt gesunken

Trotz Zuwächsen bei den privaten Rundfunkunternehmen ist die
Gesamtbeschäftigung in der Rundfunkbranche seit 2005 wieder leicht
rückläufig (2005: 75.537 Beschäftigte; 2008: 74.914 Beschäftigte).
Öffentlich-rechtliche und private Anbieter zeigen hier
unterschiedliche Entwicklungen: Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
hält der kontinuierliche Beschäftigungsrückgang seit 2003 an
(Rückgang um 2,4 Prozent). Im privaten Rundfunk dagegen war vor allem
in der Zeit der Konjunkturkrise zwischen 2000 - 2003 ein sehr starker
Personalabbau zu beobachten, seitdem aber wuchs die Beschäftigtenzahl
wieder kontinuierlich um insgesamt zehn Prozent an.

Position des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch Werbekrise
weiter gestärkt

Die Position des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat sich im
Verhältnis zum privaten Rundfunk durch die Krise weiter verbessert.
ARD, ZDF und Deutschlandradio verfügten in 2008 über Erträge von 8,6
Mrd. Euro, der private Rundfunk insgesamt über 6,5 Mrd. Euro. Damit
hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk dank Gebühren und Werbung auch
25 Jahre nach Einführung des Privatfunks in Deutschland ein
Übergewicht im dualen Rundfunksystem.

Wirtschaftlichkeit des privaten Rundfunks - Faktenvergleich 2006
und 2008

Im Vergleich zu 2006 hat sich 2008 die wirtschaftliche Situation
der privaten Rundfunkunternehmen insgesamt verschlechtert. Bei
Betrachtung der einzelnen Veranstaltertypen zeigt sich allerdings ein
differenziertes Bild:

Privates Fernsehen

- Die privaten TV-Veranstalter erwirtschafteten zusammen einen
Überschuss von 629 Mio. Euro (2006: 1,06 Mrd. Euro).
- Die Gruppe der 12 bundesweiten werbefinanzierten Vollprogramme
erwirtschaftete 2008 zusammen ein Betriebsergebnis von 622 Mio.
Euro (2006: 1,07 Mrd. Euro); dies entspricht einem
Kostendeckungsgrad von 120 Prozent (2006: 135 Prozent).
- Die Gruppe der 33 bundesweiten Free-TV-Spartenprogramme erzielte
mit einem Kostendeckungsgrad von 119 Prozent im Gegensatz zu
2006 ebenfalls Gewinne in Höhe von 135 Mio. Euro.
- Die 61 Pay-TV-Programme dagegen erwirtschafteten 2008 einen
Fehlbetrag in Höhe von insgesamt 159 Mio. Euro, sie erreichten
lediglich einen Kostendeckungsgrad von 87 Prozent. 2006 lagen
sie mit einem Plus von 46 Mio. Euro und einem Kostendeckungsgrad
von 104 Prozent noch in der Gewinnzone.
- Die 15 Teleshopping-Kanäle erreichten 2008 mit einem
Gesamtumsatz von 1,45 Mrd. Euro einen Kostendeckungsgrad von 103
Prozent und verbesserten damit ihre defizitäre
Wirtschaftssituation aus dem Jahr 2006 (Kostendeckung: 97
Prozent).
- Die 10 landesweiten TV-Fensterprogramme konnten ihre Umsätze auf
61 Mio. Euro ausweiten und vergrößerten damit ihre Gewinne auf
insgesamt zwei Mio. Euro. Sie erzielten 2008 einen
Kostendeckungsgrad von 103 Prozent.
- Trotz steigender Umsätze auf rund 91 Mio. Euro erwirtschafteten
die 127 Anbieter von Lokal- und Ballungsraum-TV weiter Verluste.
Ihr Kostendeckungsgrad sinkt auf 92 Prozent (2006: 97 Prozent).

Privater Hörfunk

- Die privaten Hörfunkveranstalter erwirtschafteten zusammen einen
Überschuss von 84,5 Mio. Euro (2006: 97,3 Mio. Euro).
- Die 14 bundesweiten Hörfunkanbieter blieben 2008 mit einem
Betriebsergebnis von minus 1 Mio. Euro (2006: minus 4,1 Mio.
Euro) in der Verlustzone, konnten ihren Kostendeckungsgrad
jedoch von 89 Prozent (2006) auf 98 Prozent (2008) verbessern.
- Die 51 landesweiten Hörfunkprogramme erzielten 2008 mit 62,3
Mio. Euro den mit Abstand höchsten Überschuss aller
Angebotstypen im Privatradio. Ihr Kostendeckungsgrad erreichte
aufgrund von Umsatzrückgängen aber nur noch 119 Prozent. ( 2006:
123 Prozent). Auch das Betriebsergebnis fiel 2006 mit 74 Mio.
Euro höher aus als 2008.
- Die 131 Lokalradioprogramme arbeiteten 2008 profitabler als
2006. Ihr Betriebsergebnis belief sich auf 27,3 Mio. Euro, ihr
Kostendeckungsgrad lag bei 116 Prozent. Im Jahr 2006 konnten die
Lokalradios lediglich einen Überschuss von 21 Mio. Euro
erwirtschaften, was einem Kostendeckungsgrad von 113 Prozent
entsprach.
- Die 8 Angebote des digitalen Hörfunks waren 2008 mit einem
Betriebsergebnis von minus 4,1 Mio. Euro hoch defizitär. Ihr
Kostendeckungsgrad betrug lediglich 32 Prozent. Im Jahr 2006
erzielte der digitale Hörfunk ein Minus von 5 Mio. Euro bei
einem Kostendeckungsgrad von 38 Prozent.

Eine ausführliche Zusammenfassung der Ergebnisse ist abrufbar
unter ww.blm.de. Der vollständige Ergebnisbericht der Untersuchung
mit umfassenden Darstellungen der einzelnen Sparten in Fernsehen und
Hörfunk sowie detaillierten Länderberichten erscheint Ende 2009 unter
dem Titel "Wirtschaftliche Lage des Rundfunks in Deutschland 2008/09"
im VISTAS Verlag, Goltzstraße 11, 10781 Berlin.

Diese Informationen finden Sie auch im Internet unter: www.blm.de

Originaltext: BLM Bayerische Landeszentrale für neue Medien
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/62483
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_62483.rss2

Pressekontakt:
Dr. Wolfgang Flieger, Tel.: (089) 63808-313, wolfgang.flieger@blm.de


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