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Westdeutsche Zeitung: Klinsmann = Von Olaf Kupfer

Geschrieben am 27-04-2009

Düsseldorf (ots) - Franz Beckenbauer hatte nach dem 0:1 in der
Fußball-Bundesliga gegen Schalke 04 noch ein letztes Bonbon übrig.
"Nach mir ist Jürgen Klinsmann der fleißigste Trainer, den ich beim
FC Bayern erlebt habe", hatte der Klubchef gesagt. Es klang
angesichts der verheerenden Bilanz des Trainers wie Hohn, und es gab
einen Eindruck davon, wie sehr die Bayern-Bosse im Misserfolg von
ihrem einstigen Heilsbringer abgerückt waren.
Klinsmanns Scheitern ist durchaus der Beweis, dass individuelle
Qualitäten wie Fleiß, guter Wille, Innovation, innere Überzeugung und
Eigenmotivation nicht zwingend zum kurzfristigen Erfolg eines
Gesamtprojekts führen. Die äußeren Einflüsse (Fans, Medien) hat der
Trainer unterschätzt, sich in seinen selbstbewussten Ankündigungen zu
sehr auf seine individuelle Gestaltungskraft, aber zu wenig auf die
ihm vorgegebene personelle Planung verlassen. Womit wir beim
wichtigeren Punkt wären: Klinsmanns Scheitern nach nur zehn Monaten
ist zuerst ein Eingeständnis der Münchner Führungsriege, sich im
Zwiespalt von Millioneninvestitionen und ausbleibendem
internationalen Erfolg in eine Idee verrannt zu haben, die nie zu
Ende gedacht war. In Spitzenkräfte wie Ribéry, Toni oder Klose hatten
die Bayern bereits ein Jahr zuvor investiert, jetzt sollte Klinsmann
sie alle auf ein höheres Niveau bringen. Eine Mannschaft, die der
Trainer vermutlich so nie zusammengestellt hätte. Der Kader weist
katastrophale Planungsfehler auf (kein Kahn-Ersatz, kaum Qualität in
der Außenverteidigung, nur drei Stürmer), für die der Trainer kaum
verantwortlich zu machen ist.
Wer Klinsmann holt, muss von seiner Philosophie überzeugt sein. Und
wer von seiner Philosophie überzeugt ist, muss sie stützen - jenseits
von kurzfristigen Ergebnissen. Dass dieser Mentalitätswandel den
konservativen Großkopferten zu keinem Zeitpunkt ins Mark übergegangen
ist, haben sie gestern bewiesen: die Bereitschaft, Klinsmann fünf
Spieltage vor Saisonende zu opfern, zeigt die akute Angst, die großen
Geldtöpfe der Champions League zu verpassen. Die Totalumkehr hin zu
konservativen Übungsleitern wie Heynckes und Gerland zeigt noch mehr:
Die Sehnsucht des FC Bayern, die Zeit zurückzudrehen. Mehr
Eingeständnis geht nicht.

Originaltext: Westdeutsche Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/62556
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Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de


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