(Registrieren)

Börsen-Zeitung: ... wäre da nicht die Inflation, Kommentar zur Zinspolitik der EZB von Jürgen Schaaf

Geschrieben am 30-09-2008

Frankfurt (ots) - Die internationalen Geldmärkte funktionieren
nicht mehr eigenständig. Der Finanzkrise fallen die Banken diesseits
wie jenseits des Atlantiks reihenweise zum Opfer. In den USA wird
gerade versucht, das wirtschaftspolitische Kriegsrecht einzuführen.
Und die Eurozone schlittert ziemlich sicher in die Rezession. Was
Wunder, dass die Forderungen nach Zinssenkungen im Euroraum lauter
werden und immer mehr Anhänger finden? Die Trennung zwischen
Funktionssicherung der Märkte und Geldpolitik, die die Europäische
Zentralbank (EZB) gebetsmühlenartig betont, sei nicht länger
aufrechtzuerhalten, schallt es aus den Banken.

Gerade der letzte Punkt ist Humbug. Die EZB kann als Kreditgeber
der letzten Instanz ("lender of last resort") die Wirtschaft nur so
lange mit Liquidität versorgen, wie es funktionsfähige Banken gibt.
Deren offenkundige Solvenzprobleme lassen sich wiederum nicht durch
einen niedrigen Leitzins beheben. Gefragt sind vielmehr echte
Kapitalspritzen von privaten oder öffentlichen Geldgebern. Damit hat
die Notenbank aber nichts zu tun.

Das heißt wiederum nicht, dass Geldpolitik im luftleeren Raum
stattfände. Im Gegenteil: Die Finanzkrise stellt einen Angebotsschock
biblischen Ausmaßes dar. Dieser geht nicht an dem Datenkranz vorbei,
der die Zinsentscheidungen der EZB bestimmt. Die Konjunktur bremst
deutlich ab - nicht zuletzt wegen der drohenden Kreditklemme.
Zumindest eine "technische Rezession", also zwei aufeinanderfolgende
Quartale mit einer schrumpfenden Wirtschaft, erscheint unvermeidlich.
Die Konjunkturdaten rechtfertigen inzwischen klar eine Zinssenkung.

Allerdings gibt es da noch ein nicht zu unterschätzendes Problem:
Die Inflationsgefahren lassen nicht so schnell nach, wie es der
konjunkturelle Abschwung nahelegt. Sowohl die Inflationserwartungen
als auch die Zuwächse bei den Lohnkosten bereiten den Währungshütern
nach wie vor Kopfschmerzen. Lediglich der Ölpreis, der deutlich
gesunken ist, gibt Anlass zur Hoffnung, dass die Teuerung im Euroraum
im Verlauf des nächsten Jahres wieder in den Zielkorridor von knapp
unter 2% eintaucht. Verlassen kann man sich darauf aber nicht. Für
Entwarnung ist es aus Sicht der Notenbank noch zu früh. Mit einer
Zinssenkung der EZB ist daher weder am morgigen Donnerstag noch im
November zu rechnen.

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

161687

weitere Artikel:
  • Der Raum Oslo ist Europaweit Führend im Bereich Wissensbasierter Arbeiter Oslo (ots/PRNewswire) - Norwegens Hauptstadt war der eindeutige Gewinner in einer neuen Erhebung, die von Eurostat, dem Statistischen Amt der EU, unter wissensbasierten europäischen Wirtschaftssystemen durchgeführt wurde. Die Erhebung misst den prozentualen Anteil der Arbeitskräfte in Wissenschaft und Technik (HRST - human resources in science and technology) unter der gesamten Arbeiterschaft und gilt als Gradmesser für die Entwicklung der wissensbasierten Wirtschaft in der EU. Eurostat zufolge "kann der Kern dieses Bevölkerungsanteils mehr...

  • Rheinische Post: Die McZahn AG ist insolvent Düsseldorf (ots) - Die McZahn AG hat gestern Insolvenzantrag gestellt. Das berichtet die "Rheinische Post" (Mittwochausgabe) unter Berufung auf das Amtsgericht Krefeld. Insolvenzverwalter ist Wolf-Rüdiger von der Fecht aus der Düsseldorfer Kanzlei Metzeler / van Betteray. Während die Staatsanwaltschaft Wuppertal noch immer gegen McZahn-Gründer Werner Brandenbusch ermittelt, berichtet die "Rheinische Post" über neue Vorwürfe gegen das Unternehmen. Angeblich hat das Unternehmen versucht, den Markennamen McZahn und Gelder auf einen Anteilseigner mehr...

  • WAZ: Türkische Brauerei in Dortmund soll 150.000 Hektoliter ausstoßen Essen (ots) - Die Pläne zum Bau einer türkischen Brauerei in der ehemaligen Bier-Metropole Dortmund nehmen immer konkretere Formen an. Wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ, Mittwochausgabe) berichtet, will die Maksem AG aus Lünen bis 2011 mindestens 15 Millionen Euro in den neuen Standort investieren. In fünf Jahren soll die Brauerei 150.000 Hektoliter Bier ausstoßen. Hauptzielgruppe sind in Deutschland lebende junge Türken zwischen 18 und 35 Jahre. Das Bier mit dem Markennamen Bey, benannt nach dem Istanbuler Stadtteil Beyoglu, mehr...

  • Biella Deutschland GmbH erweitert den Vertrieb von Office-Produkten Brügg, Schweiz (ots) - Die Biella Deutschland GmbH, eine Tochter der Biella-Neher Holding AG mit Sitz in der Schweiz, wird ihr Sortiment um Standard-Office-Produkte erweitern. Die Biella Group mit Fertigungsstandorten in der Schweiz, Polen, Ungarn sowie den Niederlanden zählt zu den bedeutenden europäischen Herstellern von Büroartikeln. Das Vertriebsteam der Biella Deutschland wird ab 1. Oktober 2008 mit Herrn Wolfgang Kleinholz, einem profunden Kenner der Branche, verstärkt. Die Biella Deutschland GmbH mit Sitz im westfälischen Oerlinghausen mehr...

  • stern-Umfrage: Jeder Zweite hält Acht-Prozent-Forderung der IG Metall für angemessen Hamburg (ots) - Eine breite Mehrheit der Deutschen hält die Forderung der IG Metall nach acht Prozent mehr Lohn für angemessen. In einer Umfrage für das Hamburger Magazin stern sagte dies über die Hälfte der Bürger (53 Prozent). 36 Prozent sind der Ansicht, die Forderung, mit der die IG Metall in die bevorstehende Tarifrunde geht, sei zu hoch. 5 Prozent der Befragten halten sie für zu niedrig. 6 Prozent äußerten keine Meinung. Die Tarifverhandlungen in der Metall-Branche beginnen an diesem Donnerstag in Darmstadt für das Tarifgebiet mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Wirtschaftsnews

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

DBV löst Berechtigungsscheine von knapp 344 Mio. EUR ein

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht