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Kinderschutz braucht Impulse / Expertengespräch mit Bundesjustizministerin Zypries

Geschrieben am 22-11-2007

Karlsruhe (ots) - Die Stiftung Hänsel + Gretel blickt auf zehn
Jahre erfolgreiche Arbeit im Kinderschutz zurück, insbesondere im
Bereich der Prävention gegen sexuellen Missbrauch und im Opferschutz.
Anlässlich dieses Jubiläums lud der Bevollmächtigte des Landes
Baden-Württemberg beim Bund, Minister Prof. Wolfgang Reinhard MdL und
die Stiftung Hänsel + Gretel zu einem Expertengespräch am 21.
November in die Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund
ein. Der Veranstaltungsort war gleichsam ein Symbol für den Bogen der
Aktivitäten der Stiftung Hänsel + Gretel, die unter der
Schirmherrschaft von Ministerpräsident Günther H. Oettinger steht,
vom Engagement in Baden-Württemberg zu Projekten in ganz Deutschland.

Die Stiftung Hänsel + Gretel hat gemeinsam mit Experten die
Entwicklung des Kinderschutzes betrachtet und einen Ausblick auf die
Herausforderungen der Zukunft gewagt. Seit 10 Jahren arbeitet die
Stiftung unter dem Motto: "Aufklären, Wahrnehmen, Handeln" und fasst
so die Aufgaben des Kinderschutzes zusammen. Hänsel + Gretel ist
Impulsgeber einer fortdauernden Diskussion um den Kinderschutz und
Motor vieler Kinderschutzprojekte in Deutschland.

Moderatorin Juliane Hielscher eröffnete die Runde mit
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. "Erfolgreiche Prävention ist
der beste Opferschutz. Deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, dass
die Finanzierung des Dunkelfeld-Projekts der Charité auch in Zukunft
gesichert werden kann. Wirksamer Opferschutz heißt aber auch,
kindlichen Opfern in einem Strafverfahren die Aussage so erträglich
wie möglich zu machen. Fortbildung und gezielte Information helfen
bei Richterinnen und Richtern die Bereitschaft zu fördern,
Videovernehmungen öfter einzusetzen. Auf diese Weise kann dem
Missbrauchsopfer die erneute Konfrontation mit dem Peiniger erspart
werden", sagte Zypries.

Prof. Dr. Dr. Klaus Beier, Direktor des Instituts für
Sexualmedizin an der Charité Berlin, dankte für die wichtige
Unterstützung des Bundes für dieses Projekt und hoffte hinsichtlich
der wissenschaftlichen Bearbeitung des Themas auf die weitere
Förderung durch die Volkswagen Stiftung. Zudem plädierte Beier für
die Durchsetzung von "Chronikerprogrammen" für Pädophile und forderte
parallel einen veränderten kollektiven Umgang mit der pädophilen
Neigung: "Wenn Pädophilie nicht mehr - wie bisher - mit sexuellem
Kindesmissbrauch gleichgesetzt wird (also zwischen Phantasie und
Verhalten unterschieden wird), ist mit einer zunehmenden
Inanspruchnahme von professionellen Hilfestellungen durch die
Betroffenen zu rechnen. Allerdings muss zur Etablierung dieser
"Chronikerprogramme" die Unterstützung der gesellschaftlichen Kräfte
aus Politik, Gesundheitssystem (Krankenkassen) sowie Wirtschaft
(Pharmaindustrie) und Universitäten (Forschung) vorausgehen. Ein
erster wichtiger Schritt ist getan und unser Dank gilt Ihnen, Frau
Ministerin Zypries."

Heribert Rech, Innenminister des Landes Baden-Württemberg, sah
besonders durch das Internet große Herausforderungen für die Zukunft:
"Pädokriminelle haben einen abscheulichen Marktplatz für
digitalisierten sexuellen Missbrauch von Kindern geschaffen." Er
sagte weiter: "Könnte jedes dieser missbrauchten Kinder beim Klick
auf sein Bild schreien, es wäre unerträglich laut im Internet". Der
aktuelle Bundestagsbeschluss zur Speicherung von Verbindungsdaten und
die Möglichkeit zur Telefonüberwachung bei Kinderpornografiedelikten
sei der richtige Schritt, denn er erleichtere die zunehmend
schwierige Identifizierung der Täter. Genau wie Peter Vogt,
Staatsanwalt aus Halle, forderte Rech eine Harmonisierung des
internationalen Rechts.

Bei der aktuell sehr präsenten und begrüßenswerten Diskussion um
die "Frühen Hilfen" darf man aber nicht die engagierte Arbeit der
kommunalen und freigemeinnützigen Beratungsstellen vergessen, die in
der Vergangenheit die tragende Säule des Kinderschutzes waren. Es
geht darum, "Frühe Hilfen" mit bestehenden Angeboten zu vernetzen,
ausreichende finanzielle Ressourcen für Therapie und soziale
Hilfestellung und die Vernetzung für einen lückenlosen Kinderschutz
anzubieten, sagt Barbara Schäfer-Wiegand, 1. Vorsitzende Stiftung
Hänsel + Gretel.

Dazu gehören nach Ansicht von Dr. Sylvester von Bismarck auch
Kinderschutzgruppen oder -ambulanzen in Krankenhäusern. "Leider
werden viel zu häufig Anzeichen von Missbrauch und Vernachlässigung
entweder nicht erkannt oder nicht weiterverfolgt, weil es an
Strukturen fehlt, die sich professionell mit der Abklärung von
Verdachtsfällen befassen und dabei die interdisziplinäre Vernetzung
innerhalb und mit Fachleuten außerhalb des Krankenhauses nutzen. Ich
plädiere daher für die Einrichtung von Kinderschutzgruppen in allen
Krankenhäusern - und im Zweifelsfall muss Kinderschutz vor
Datenschutz gehen."

Iris Hölling von Wildwasser e.V. Berlin möchte das Thema sexuelle
Gewalt verstärkt in der Medienöffentlichkeit sehen, "allerdings unter
der Vorrausetzung, dass Medien sensibel mit denjenigen umgehen, die
sexuelle Gewalt erlebt haben". Es sollten mehr nützliche
Informationen vermittelt und über Unterstützungsangebote für
Betroffene informiert werden, so Hölling, auch wenn dies keinen
Sensationsbericht verspreche. "Der alltäglich vorkommenden sexuellen
Gewalt in ganz "normalen" Familien muss gesellschaftspolitisch
Rechnung getragen werden. sagt Iris Hölling weiter.

In Ihrem Schlusswort lobte Barbara Schäfer-Wiegand die Entwicklung
des Kinderschutzes in Deutschland, vor allem auch den Einsatz und die
tägliche Arbeit der vielen Beratungseinrichtungen und Initiativen.
Diese Entwicklung ist auch der Ansporn für unsere Stiftung, weiterhin
Impulsgeber zu sein, wir alle dürfen nicht Müde werden in unserem
Engagement für Kinder. Die Stiftung Hänsel + Gretel ist der Meinung,
dass nach 10 Jahren Arbeit im nationalen Kinderschutz unter vielfach
veränderten europäischen Gegebenheiten der Zeitpunkt gekommen ist,
über den nationalen Tellerrand hinauszuschauen. Es erscheint uns
dringend erforderlich, eine Aufarbeitung der Lage und der Ziele des
Kinderschutzes auf europäischer Ebene zu initiieren. Allein am
Beispiel der Verfolgung der Nutzer von Kinderpornographie im Internet
erweist sich die nationale Betrachtungsweise als nicht ausreichend.
Wir fordern unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich für eine
Europäische Kinderschutzkonferenz einzusetzen.

Originaltext: Hänsel + Gretel
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/38843
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_38843.rss2

Pressekontakt:
Stiftung Hänsel+Gretel
Jerome Braun
Veilchenstr. 23
D-76131 Karlsruhe
Tel. 0721-9431922
Mobil: 0171-5285321
Mail:j.braun@haensel-gretel.de
www.haensel-gretel.de


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