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Börsen-Zeitung: Indizes neu gemischt / Kommentar zur Indexneuordnung der Deutschen Börse von Dietegen Müller

Geschrieben am 21-09-2018

Frankfurt (ots) - Wird der deutsche Technologieindex TecDax durch
die am Montag umgesetzte Indexneuordnung ein besseres Abbild der
deutschen Technologiewerte und damit als Investitionsobjekt
attraktiver? Die Frage wird am Markt unterschiedlich beantwortet. Neu
ist, dass im TecDax enthaltene Titel auch in anderen Indizes der
Dax-Familie vertreten sein können - und umgekehrt. Der ETF-Anbieter
Comstage begrüßt beispielsweise die Neuordnung der Dax-Familie und
meint, das Marktsegment werde damit für Investoren beliebter. Bisher
lässt sich die Zahl der ETF, die auf dem TecDax basieren, an einer
Hand abzählen. Indexstratege Uwe Streich von der LBBW ist dagegen
skeptisch, was die Erfolgsaussichten des neu geordneten TecDax als
Underlying für neue Anlageprodukte anbelangt. "Der Index verliert
durch die Neuordnung eher an Gewicht, da er durch den Einbezug von
Aktien aus anderen Indizes der Dax-Familie sein
Alleinstellungsmerkmal verliert."

Streich hält es auch für problematisch, dass einige wenige Titel
künftig ein großes Gewicht im TecDax haben werden und damit auch
seine Performance prägen. "Der TecDax wird eher zu einer
Einzelaktien-Story. Die vier Neuzugänge aus dem Dax haben jeweils
eine Anfangsgewichtung von 10% im Index, und die acht größten Aktien
erreichen einen Zwei-Drittel-Anteil an der Marktkapitalisierung",
sagt der Indexexperte. Dazu zählen auch Qiagen, Siemens Healthineers,
Sartorius und United Internet. Auch die Abgrenzung von
Technologietiteln ist im TecDax für Streich nicht überzeugend
umgesetzt worden. "Die Deutsche Börse behandelt
Beteiligungsgesellschaften weiterhin als Unternehmen, die in
'Classic'-Indizes enthalten sein können. Das führt dazu, dass die an
vielen Technologie-Start-ups beteiligte Gesellschaft Rocket Internet
nicht im TecDax enthalten sein kann, und stattdessen im MDax
enthalten ist."

Auch das Bankhaus Metzler verweist auf das große Gewicht einiger
weniger Titel im neuen TecDax. Dies mache den Index vermutlich besser
investierbar, aber marginalisiere die anderen Indexwerte. Am Ende
dürfte wohl entscheidend sein, wie groß das Interesse im Markt an
einem "deutschen Tech-Index" ist. Viele Investoren bevorzugen als
Tech-Benchmark breitere Sektorindizes. Es gibt zwar auch einen
Technologie-Index des Deutsche-Börse-Wettbewerbers Euronext, den Tech
40. Doch handelt es sich hierbei um ein Sammelsurium an Unternehmen
aus den verschiedensten Branchen. Auch hier war die Nachfrage auf
Seiten der Investoren bisher nicht überwältigend.

Dies führt zu zwei Erkenntnissen. Es ist schwierig, einen Index zu
schaffen, der von Investoren als Benchmark genutzt werden will. Und
die Abgrenzung eines Indexuniversums ist anspruchsvoll. Die
Sektorklassifizierung ist eine Wissenschaft für sich. So lässt sich
fragen, warum nun eine Deutsche Telekom mit ihrem großen Anteil an
traditionellem Kupferkabel-Geschäft im TecDax Einzug hält.

Befürworter dieses Schritts könnten im angelsächsischen Raum zu
finden sein. So gelten ab Handelsende am 28. September neue Global
Industry Classification Standards (GICS). Die Indexanbieter S&P Dow
Jones Indices und MSCI werden dann den bisherigen Telekom-Sektorindex
durch den Communication Services Sector ablösen. In diesem werden
auch Titel aus dem IT- oder Konsumgütersektor dazugehören. Dann
werden auch Marktschwergewichte wie Facebook oder Alphabet in dem
neuen Index enthalten sein, Seite an Seite mit traditionellen
Telekomunternehmen wie Verizon oder AT&T. Der neue Index wird also
auch zyklischer ausgerichtet sein - wohingegen im TecDax durch die
Telekom eher defensivere Qualität Einzug hält.

Für Investoren, aber auch Anbieter von börsengehandelten Fonds
(ETFs) sind die Folgen groß. Der Hedgefonds Winton hat berechnet,
dass durch die Reklassifizierung des Telekomindex allein im 22 Mrd.
Dollar schweren SPDR Technology ETF rund 4 Mrd. Dollar neu angelegt
werden müssen, wenn der Fonds weiterhin den IT-Sektor nach Definition
von MSCI und S&P abbilden soll. Die Indexanbieter nehmen jeweils die
größte Erlösquelle des Unternehmens als Basis für seine
Sektorzuordnung. Winton berechnet aber eigene Sektoren. So lasse sich
durch die Nutzung von künstlicher Intelligenz und der Auswertung von
Geschäftsberichten eine genauere Zuordnung machen. Winton meint,
damit aktuelle Branchentrends besser erfassen zu können und
unerwünschte Anlagerisiken auszuschalten. Die damit gewonnen
Erkenntnisse würden im Investmentprozess schon umgesetzt.

(Börsen-Zeitung, 22.09.2018)



Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de

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