(Registrieren)

Börsen-Zeitung: An Gewinnmitnahmen denken, Kommentar zum deutschen Aktienmarkt von Christopher Kalbhenn

Geschrieben am 13-02-2015

Frankfurt (ots) - Dieses Mal hat der Dax deutlich weniger Anläufe
benötigt. Der Index, der sich an der 10.000er-Schwelle insgesamt vier
Mal die Zähne ausgebissen hatte, ehe der Durchbruch gelang, war bei
der Marke von 11.000 Punkten bereits beim zweiten Versuch
erfolgreich. Bis auf einen Rekord von 11.015 Zählern stieg das
deutsche Standardwertebarometer am Freitag. Angesichts der
Meldungslage ist das aber nicht weiter verwunderlich. Am Donnerstag
war in Minsk die Einigung auf eine Waffenruhe für die Ostukraine
gelungen, wodurch nun die Möglichkeit besteht, dass diese extrem
brisante Krise als Belastungsfaktor wegfallen könnte. Zudem hatte
sich die schwedische Notenbank im Sog der EZB ebenfalls zu
Negativzins und Anleihekäufen durchgerungen und damit untermauert,
dass die globale Geldpolitik insgesamt gesehen nach wie vor mit
Bleifuß fährt. Am Freitag kamen dann noch die vor allem in
Deutschland und Spanien positiv überraschenden
Bruttoinlandsproduktdaten des Euroraums hinzu, begleitet von
aufkeimenden Hoffnungen, dass auch in der Griechenland-Krise eine
glimpfliche Lösung gelingen wird.

Viel Positives eingearbeitet

Die weitere Entwicklung wird nun davon abhängen, ob Letzteres auch
Wirklichkeit wird und zudem die Minsker Vereinbarung hält. Beides
unterstellt, könnte der Dax, unterstützt von der sich verbessernden
konjunkturellen Entwicklung im Euroraum und den bald beginnenden
Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank, in der Tat in der
nächsten Zeit auch noch etwas deutlicher über die Schwelle von 11.000
Zählern steigen. Allerdings werden die Bäume nun auch nicht in den
Himmel wachsen. In die Kurse ist mittlerweile eine ziemlich lange
Liste guter Nachrichten eingearbeitet worden, so dass sich die Frage
stellt, wie gut der "News-flow" noch werden kann.

Gleichzeitig hat die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis
(KGV) auf Basis der Konsensschätzungen für das Jahr 2015 von 14 einen
Bereich erreicht, auf dem zwar noch nicht unbedingt das Ende der
Fahnenstange erreicht sein muss, negative Nachrichten aber für
deutlichere Rückschläge sorgen könnten. Investoren sollten daher
darüber nachdenken, bei weiteren Kursavancen damit zu beginnen,
schrittweise Gewinne mitzunehmen.

Dies gilt umso mehr, als sich durchaus auch jenseits der
geopolitischen Krisenherde Belastungsfaktoren abzeichnen. So steht
die Leitzinswende in den USA bevor. Die Folge wird unter anderem ein
- wenn auch moderater Anstieg - der Anleiherenditen sein, wodurch
Festverzinsliche ihren Nachteil gegenüber Dividendentiteln ein Stück
weit wieder loswerden. Zudem kann es im unmittelbaren Umfeld der
ersten Leitzinserhöhung zu Verunsicherung und stärkeren
Marktschwankungen kommen.

Zu bedenken ist ferner, dass die Schätzungen für die
Unternehmensgewinne sinken. Dazu trägt der globale Disinflationstrend
bei. Gewinne sind nominale Größen, so dass die weltweit sinkenden
Teuerungsraten in Form von Abwärtsrevisionen in die Prognosen
eingehen. Im Zentrum stehen die USA. Helvea-Baader wies kürzlich
darauf hin, dass die Erwartungen für die Gewinne je Aktie der S&P
500-Unternehmen dieses Jahres, die vor drei Monaten noch zweistellig
waren, nun bei nur noch 2,9% liegen. Das Wertpapierhaus befürchtet,
dass der Druck von der Preis- und zusätzlich von der Währungsseite
die Fähigkeit der Unternehmen, die Erwartungen der Anleger zu
erfüllen, weiterhin beeinträchtigen wird.

Auch die DZ Bank verwies am Freitag auf die US-Risiken. Der harte
Dollar setzt den großen börsengelisteten US-Unternehmen zu. Die
Gesellschaften im S&P 500 erzielten jeden dritten Dollar Umsatz
außerhalb der USA und litten deutlich stärker unter der Aufwertung
des Greenback als die amerikanische Wirtschaft insgesamt, die nur
jeden zehnten Dollar im Ausland umsetze. Der Dollar werde vermutlich
auch in den kommenden Monaten weiter zulegen, was sich erneut negativ
auf die Gewinnmargen der Auslandsumsätze der Unternehmen auswirken
würde.

Gewinnrückgang denkbar

Die Gewinnschätzungen für den S&P 500 selbst befänden sich schon
seit geraumer Zeit im Sinkflug. Ursache für diese Bewegung sei der
Fall der Rohölpreise, der die Gewinne der großen Energiekonzerne
drücke. Inzwischen gingen die Analysten aber dazu über, die
Gewinnerwartungen für 2015 auch wegen der Dollar-Stärke zu
reduzieren. Wenn der Revisionstrend in den kommenden Wochen anhalte,
werde das Gewinnwachstum, bezogen auf das Gesamtjahr 2015,
möglicherweise sogar erstmalig seit 2009 wieder negativ ausfallen.



Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

560962

weitere Artikel:
  • WAZ: Anleger haben keine Alternative. Kommentar von Frank Meßing zum Aktienboom Essen (ots) - Optimisten unter den Börsen-Gurus hatten für 2015 bereits vorausgesagt, dass der Dax in diesem Jahr über die 11000-Punkte-Marke klettern würde. Dass der Rekord schon Mitte Februar erreicht würde, war indes nicht zu erwarten. Krieg in der Ukraine, Griechenland vor der Pleite und Deflationsgefahr im Euroraum sprechen eigentlich nicht für ein Kursfeuerwerk. Anleger in Deutschland lassen sich offenbar nicht so sehr von diesen globalen Einflüssen leiten. Sie mag stattdessen beflügeln, dass weltweit unglaublich viel Geld mehr...

  • WAZ: Die billigen Zeiten sind längst vorbei. Kommentar von Michael Kohlstadt zu den Spritpreisen Essen (ots) - Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er ist es besonders dann, wenn die Dinge angenehm zu sein scheinen. Wie zum Beispiel die niedrigen Spritpreise, die seit Monaten die Geldbeutel aller Autofahrer schonen. Seit Monaten sind die Kurse für Benzin und Diesel im Keller. Auch Besitzer einer Ölheizung hätten in diesem Winter hemmungsloser als sonst die Thermostate aufdrehen können. So günstig war der Schmierstoff der Weltwirtschaft zur Überraschung vieler schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr. Jetzt ziehen die Preise mehr...

  • Personalisierte Gesundheitsversorgung: Allheilmittel oder Büchse der Pandora? Verfolgen Sie, wie Fachleute aus aller Welt die Auswirkungen der Genetik und Digitaltechnologie auf unsere Gesundheit disk Chertsey, England (ots/PRNewswire) - ASTELLAS INNOVATION DEBATE(TM) 2015 i-Gene: Was DNA und die Datenrevolution bedeuten Royal Institution of Great Britain, Donnerstag, 29. Januar 2015, 18:30 Uhr Vorsitzender: Jonathan Dimbleby Hauptredner: George Freeman, Abgeordneter im britischen Parlament, Minister für Biowissenschaften Beobachten Sie Astellas Innovation Debateerneut auf: https://www.youtube.com/watch?v=3cgGwsuFuPQ Jonathan Dimbleby hatte den Vorsitz von Astellas Innovation Debate: mehr...

  • Mainstream Renewable Power schließt die Finanzierung über eine Investition von ca. 760 Mio. USD in drei großen Windfarmen in Südafrika ab Dublin (ots/PRNewswire) - Das globale Wind- und Sonnenenergieunternehmen Mainstream Renewable Power kündigt heute den erfolgreichen Abschluss der Finanzierungsverträge für 3 Windfarmen in Südafrika mit einer Gesamtkapazität von 360 Megawatt an. Die Windfarmen, die sich in Südafrikas nördlicher Kap-Region befinden, stellen eine Investition von etwa 760 Mio. USD dar, und in diesem Monat soll mit dem Bau begonnen werden. (Logo: http://photos.prnewswire.com/prnh/20141010/709908 ) Die Schulden für die Projekte wurden von mehr...

  • Green Franchise Award: Bewerben Sie sich jetzt! Berlin (ots) - Auch in diesem Jahr vergibt der Deutsche Franchise-Verband e.V. (DFV) wieder den Green Franchise Award an ein Franchisesystem, das in den Bereichen Ökonomie, Ökologie, Kultur und/oder Soziales vorbildlich aufgestellt ist und langfristig nachhaltig agiert. Alle deutschsprachigen Franchisesysteme können sich für diese Auszeichnung bis Freitag, den 27. März 2015 online unter: http://goo.gl/PXr7yH bewerben. "Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema, auch besonders in der Franchisewirtschaft. Wir freuen uns deshalb mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Wirtschaftsnews

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

DBV löst Berechtigungsscheine von knapp 344 Mio. EUR ein

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht