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Börsen-Zeitung: Gewitterfront im Anmarsch, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

Geschrieben am 30-08-2013

Frankfurt (ots) - Geht es nach der Statistik, müssen die Anleger
in den kommenden Wochen auf der Hut sein. Denn der September ist im
langjährigen Durchschnitt der schwächste Börsenmonat des Jahres.
Allerdings taugt die Statistik nicht wirklich zu einer zuverlässigen
Prognose für das Abschneiden des Aktienmarktes im Spätsommer - und im
oftmals ebenfalls ungemütlichen Herbst. Derzeit muss sie auch erst
gar nicht bemüht werden, um eine vorsichtigere Haltung zu empfehlen.
Denn es braut sich auch so schon genug potenzielles Unheil zusammen,
das für eine Phase stärkerer Verunsicherung und erhöhter Volatilität
sorgen könnte.

Ebenso brisant wie unberechenbar ist die geopolitische Situation.
Nach der Eskalation der Lage in Ägypten droht nun ein militärischer
Schlag gegen das Assad-Regime in Syrien. Dies wird in der nächsten
Zeit die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer dämpfen. Darüber
hinaus meldet sich die Euro-Schuldenkrise zurück. In Italien hat die
Regierungskoalition Risse gezeigt. Die Partei Silvio Berlusconis hat
gedroht, die Koalition platzen zu lassen, falls der ehemalige
Ministerpräsident nach seiner Verurteilung aus dem Parlament entfernt
wird, der Streit um die Immobiliensteuer konnte nur durch deren
Abschaffung gelöst werden. In Portugal hat zudem das
Verfassungsgericht Sparmaßnahmen, d.h. vorgesehene Entlassungen von
Staatsbediensteten, vor dem Wochenende für rechtswidrig erklärt.

US-Geldpolitik im Fokus

Von noch größerer Tragweite ist die US-Geldpolitik. Seitdem die
Federal Reserve angekündigt hat, ihre Anleihenkäufe zu reduzieren,
geht die Furcht um, dass die langfristigen Zinsen stark steigen und
die Aktienmärkte eine ihrer Hauptantriebskräfte verlieren könnten.
Vor allem die Schwellenländer bekommen die Verunsicherung in Form von
Kapitalabflüssen zu spüren, die dort die Währungen und Anleihen unter
Druck setzen. Sie geraten dadurch zunehmend in Bedrängnis, wie die am
Freitag bekannt gewordenen Überlegungen eines Beraters des indischen
Finanzministeriums, gemeinsam mit anderen Schwellenländern an den
Devisenmärkten gegen den Verfall der Emerging-Markets-Währungen zu
intervenieren, belegen.

Allerdings gibt es auch Ermutigendes. In den Industrienationen,
vor allem in Japan und in den USA, zieht die Konjunktur an, und
selbst im Euroraum war zuletzt eine wirtschaftliche Verbesserung
festzustellen. Die Bewertung der Aktienmärkte auf Basis der
Gewinnprognosen für das nächste Jahr ist günstig. Gleichzeitig sind
Anleihen angesichts magerer Renditen keine zufriedenstellende
Alternative, und die Leitzinsen der Industrieländer werden noch lange
auf niedrigem Niveau verharren, so dass die Sorgen vor stark
anziehenden Bondrenditen wahrscheinlich überzogen sind. Dennoch ist
Vorsicht geboten. Denn ob die Hoffnung, dass die Weltwirtschaft im
nächsten Jahr spürbar stärker wachsen wird, sich erfüllt, ist
gegenwärtig noch höchst ungewiss. Die Schwellenländer waren in den
zurückliegenden Jahren der Motor des globalen Wachstums und haben
damit die Schwäche der von der Finanzkrise gebeutelten etablierten
Volkswirtschaften kompensiert bzw. diesen erhebliche positive Impulse
gegeben. Nun aber stottert dieser Motor. Das Wachstum der
Schwellenländer geht weiter zurück, und die seit Mai anhaltende
Schwäche ihrer Finanzmärkte hat einige Regierungen dazu veranlasst,
ihre Wachstumsprognosen zu reduzieren. Dass wie zuletzt in Brasilien
und Indonesien die Leitzinsen erhöht werden müssen, um den Fall der
Währungen zu bremsen, bessert die Aussichten gewiss nicht. Auf
Impulse der Schwellenländer können die Industrieländer auf absehbare
Zeit nicht setzen.

Besondere Risiken gehen von China aus. Das Wachstum des Landes
sinkt schneller als erwartet. Die Regierung muss einen sehr
schwierigen Balanceakt vollziehen. Einerseits muss sie die schnell
gestiegene Verschuldung des Privatsektors eindämmen, um das Risiko
einer Finanzkrise zu reduzieren, andererseits muss sie versuchen,
nicht zu stark zu bremsen, um einen konjunkturellen Einbruch zu
vermeiden. Davon gehen wiederum Risiken für Schwellenländer wie
Indonesien aus. Das Land ist mittlerweile sehr abhängig von der
chinesischen Nachfrage geworden und hat ein hohes
Leistungsbilanzdefizit. In dieser Gemengelage ist zu befürchten, dass
der September seinem schlechten Ruf an den Börsen wieder einmal
gerecht werden könnte. Angesichts der Gewitterfront, die auf die
Aktienmärkte zuzieht, sehen zumindest die Aussichten auf deutlich
steigende Notierungen in den kommenden Wochen nicht besonders gut
aus.



Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de


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