(Registrieren)

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Uli Hoeneß

Geschrieben am 21-04-2013

Bielefeld (ots) - Wenn Ulrich Hoeneß explodiert, und er tut es
oft, hinterlässt er verbrannten Rasen. Davon wissen selbst
Bayern-Fans ein Lied zu singen. »Für die Scheißstimmung seid ihr doch
zuständig und nicht wir«, polterte er vor fünf Jahren auf der
Mitgliederversammlung des großen FC. »Was glaubt ihr eigentlich, was
wir das ganze Jahr machen, um euch für sieben Euro ins Stadion zu
lassen. Euch finanzieren doch die Leute in der Loge.« Hoeneß durfte
das. Denn alle, Freund und Feind, waren sich sicher: Der Uli hat das
Herz am rechten Fleck. Dass er die Kleinen beschimpfte, war eher die
Ausnahme. Viel häufiger wetterte er gegen den Fifa-Präsidenten Sepp
Blatter, weil dieser die Korruption im Fußball förderte statt sie
auszurotten. In den vergangenen Jahren hat der Saubermann den Kampf
gegen Korruption und Steuerhinterziehung auch im
politisch-gesellschaftlichen Bereich geführt - so etwa im Herbst bei
Günther Jauch. Das Podest, auf dem Hoeneß zuletzt stand, war so hoch,
dass sogar der Fußballkaiser neidisch werden konnte. Natürlich, er
verdiente gutes Geld. Aber dafür rieb er sich auf, kämpfte und litt
mit seinem Club. Sein Vermögen investierte er in eine Würstlfabrik -
also in heimische Arbeitsplätze. Und der Uli half, wenn Not am Mann
oder Finanzen knapp waren - sogar beim fußballerischen Gegenstück zu
den Münchner Bayern, beim FC St. Pauli. Noch führt die
Staatsanwaltschaft erst Ermittlungen. Doch wie sie auch ausgehen: Der
Aufprall aus der Höhe ist in jedem Fall superhart. Hoeneß weiß es,
hat auf das Deutsch-Schweizerische Steuerabkommen gehofft. Es hätte
ihm ermöglicht, die Schuld, verzinst mit jährlich sechs Prozent, zu
begleichen, ohne dass sein Name bekannt geworden wäre. Doch auch wenn
es Hoeneß noch so schmerzt: Es ist gut, dass große Steuervergehen
immer seltener anonym bleiben. Wenn es stimmt, dass der
Bayern-Manager mehrere hundert Millionen Euro in der Schweiz geparkt
hat, dann muss er nun auch Fragen nach der Herkunft dieser enormen
Summe beantworten. Über eines darf sich Hoeneß nicht beklagen: Dass
die Öffentlichkeit zu früh den Stab über ihn bricht. Immerhin
ermittelt die Staatsanwaltschaft seit mehreren Monaten. Sogar Bayerns
Ministerpräsident wusste Bescheid. Doch alle hielten still. Soviel
Rücksicht ist dem früheren Postmanager Klaus Zumwinkel nicht zuteil
geworden. Die Zeit, die jetzt beginnt, wird für Hoeneß härter als die
Nacht von Belgrad. Damals, 1976, verschoss er als Nationalspieler mit
dem Elfmeter gegen die Tschechen die Europameisterschaft. Doch auch
wenn es einem menschlich um »den Uli«, der sich selbst angezeigt hat,
leid tut: Steuerhinterziehung ist kriminell. Sie muss bestraft werden
- unabhängig vom Ansehen der Person.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

459467

weitere Artikel:
  • Neue OZ: Kommentar zu Museen Osnabrück (ots) - Zeit für Reformen Bewegliche Bausteine statt starrer Zeitschiene: Das Frankfurter Museum für Angewandte Kunst macht Ernst, auch stellvertretend für andere Museen. Denn alle Hüter der Museumsschätze wissen seit Jahren, dass die gute, alte Sammlungspräsentation zuweilen wirkt, als wäre sie aus der Zeit gefallen. Reform ist dringend gefragt. Das Frankfurter Haus hat sie jetzt umgesetzt. Bravo. Traditionalisten unter den Kuratoren werden bemäkeln, dass dieser Wandel der allgemeinen Sucht nach Events und damit mehr...

  • Vorsicht Buch: Hier wird geschmökert! (BILD) Frankfurt am Main (ots) - Pro-Buch-Kampagne "Vorsicht Buch!" liefert zum UNESCO-"Welttag des Buches" repräsentative Umfrageergebnisse zu Lesegewohnheiten Was haben S-Bahn, Badewanne, Bett und das "stille Örtchen" gemeinsam? Sie gehören zu den beliebten Orten, an denen sich die Menschen dem Bücherlesen widmen. Genauere Antworten auf die Fragen, wo genau in Deutschland gelesen wird, welche Unterschiede es dabei zwischen den Geschlechtern gibt sowie zwischen den Bundesländern bestehen, bietet jetzt eine Umfrage, die von der mehr...

  • Vorhang auf für ein neues Volkstheater: Hamburger Engelsaal gründet Theatergenossenschaft Hamburg (ots) - Der Hamburger Engelsaal fügt seiner langjährigen und erfolgreichen Geschichte ein neues Kapitel hinzu. Das älteste Privattheater der Hansestadt gründet eine Kulturgenossenschaft und bietet Theaterinteressierten damit die Möglichkeit, sich über das Zeichnen von Anteilen als Förderer direkt am Bühnenbetrieb zu beteiligen. "Wir bieten Theaterfreunden mit der Engelsaal-Genossenschaft ab sofort eine neue Möglichkeit, Kultur in Hamburg zu unterstützen", sagt Karl-Heinz Wellerdiek, Prinzipal des Hamburger Engelsaals. mehr...

  • MDR sucht den "Hier ab vier"-Chor 2013 (BILD) Leipzig (ots) - Auch in diesem Jahr veranstaltet das MDR FERNSEHEN in seiner Nachmittagssendung "Hier ab vier" wieder einen großen Chor-Wettbewerb. 2012 gewann der Frauenchor Stadtroda aus Thüringen. Und wer singt sich diesmal ins Finale? Gewinnerchor singt bei "Musik für Sie" Sie singen leidenschaftlich und gut in einem Amateur-Chor? Dann machen Sie mit und bewerben Sie sich jetzt für den "Hier ab vier"-Chor 2013. Das große Live-Finale der Aktion findet am 26. September in der MDR-Senderzentrale in Leipzig statt. mehr...

  • PSY: Nach "Gangnam Style" ein neuer Mega-Hit Baden-Baden (ots) - Gute Aussichten für den König des Spaßpop: Mit seinem neuen Mega-Hit "Gentleman" legt PSY in dieser Woche den besten Neueinstieg der deutschen Single-Download-Charts von media control hin. Doch damit nicht genug. Auf Platz zwölf startet "Gentleman" deutlich stärker als sein beliebter Vorgänger vor knapp einem halben Jahr: "Gangnam Style" debütierte im September 2012 auf Position 50, kletterte dann kontinuierlich nach oben und führte drei Wochen die digitale Hitliste an. Insgesamt verweilte der Song über mehrere mehr...

Mehr zu dem Thema Alles rund um die Kultur

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

Pinocchio erreicht Gold in Deutschland mit Top-3-Hit "Klick Klack" - "Mein Album!" erscheint am heutigen Tag - Neue Single "Pinocchio in Moskau (Kalinka)" folgt am 17. März

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht