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BERLINER MORGENPOST: Von der Schulpflicht zum Bildungsvergnügen - Leitartikel

Geschrieben am 29-12-2011

Berlin (ots) - Berlins neue Arbeits- und Integrationssenatorin
Dilek Kolat spricht in einem ihrer ersten Interviews gleich ein
brisantes Thema an: die Verantwortung der Eltern für eine gute
Bildung. Mit dem Finger auf die Schulen zu zeigen und zu sagen, macht
mal, das reicht nicht. Die Sozialdemokratin fordert, dass Schulen mit
Eltern Vereinbarungen über die Pflichten von Vätern und Müttern
abschließen sollen, Pflichten, die eigentlich eine
Selbstverständlichkeit sein sollten: darauf zu achten, dass die
Kinder regelmäßig und pünktlich zur Schule gehen oder die
Hausaufgaben zu kontrollieren. Aber manchmal muss man offenbar auch
die Erziehungsberechtigten an ihre Erziehungspflichten erinnern.
Kolat vermeidet es dann aber, näher auf mögliche Konsequenzen
einzugehen. Heinz Buschkowsky, Bürgermeister von Neukölln, plädiert
schon seit Jahren für "Vertragsstrafen" für Eltern, um im Bild zu
bleiben. Wird regelmäßig die Schulpflicht verletzt, soll das
Kindergeld gekürzt werden. Für Kolats Parteifreund Buschkowsky, der
viel mit dem harten Leben in Neukölln zu tun hat, ist das Kindergeld
Teil eines Vertrags der Gesellschaft, die den Familien Kindergeld als
Ausgleich für die Kosten der Erziehung bezahlt. Wenn der Vertrag
gebrochen wird, solle als Sanktion auch die Kürzung des Kindergelds
möglich sein. Der Sozialdemokrat steht mit dieser Forderung nicht
allein. Der parteilose Ex-Senator und Buchautor Jörg Dräger, der im
CDU-Senat in Hamburg für die Bildung zuständig war, sieht ebenfalls
in der Kürzung des Kindergelds eine Chance, ständige
Schulpflichtverletzungen zu bestrafen. Rechtlich ist das bisher nicht
möglich. Deswegen geht der Staat den Umweg über ein Bußgeld, das bei
Schulschwänzen verhängt werden kann. Doch bei besonders hartnäckigen
Fällen, wo auch bei den Eltern kein Einsehen herrscht, könnte eine
Kürzung der Staatszuschüsse zum Leben etwa beim Kindergeld einen
Erfolg zeigen. Allerdings ist der bessere Weg der der Überzeugung.
Schulpflicht wurde im 16. Jahrhundert eingeführt, damit die Kinder
eine bessere Chance erhalten sollten, ihr Leben lebenswert zu
gestalten. Wer rechnen, lesen und schreiben konnte, konnte teilhaben
an der Welt, konnte aufsteigen - gesellschaftlich und auch
wirtschaftlich. Das gilt bis heute: Ohne die deutsche Sprache, ohne
Mathematikkenntnisse und ohne die Einhaltung gewisser Regeln, wie
eben pünktlich und verlässlich zu sein, haben es auch heute
Jugendliche schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden. Wenn nicht nur
die Kinder, sondern auch die Eltern das verstehen, würde deutlich,
dass die Schulpflicht etwas Positives ist. Voraussetzung dafür ist,
dass der Staat die Grundversorgung sicherstellt. Wenn Lehrer und
Eltern die Kinder motivieren, dann kann die Schulpflicht auch zum
Schulvergnügen werden. Die neue Berliner Integrationssenatorin ist
selbst ein Vorbild dafür: Dilek Kolat stammt aus der Türkei und
konnte kaum Deutsch, als sie zur Schule kam. Auch in Mathe musste sie
sich gegen die männliche Konkurrenz in der Oberstufe durchboxen. Dann
wurde Dilek Kolat Bankerin - und nun ist sie Senatorin für Arbeit,
Integration und Frauen.



Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST
Chef vom Dienst
Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de


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