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FT: Kommentar von Alf Clasen - Auf Kim folgt Kim: Nach dem Machtwechsel in Nordkorea ist der Westen in Sorge und hofft auf den Einfluss Chinas

Geschrieben am 19-12-2011

Flensburg (ots) - von Alf Clasen

Kim Jong Il ist tot. Zumindest diese Meldung aus dem ansonsten
streng abgeschotteten Nordkorea scheint verlässlich zu sein. Und das
ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Diesem Mann, der sich von
seinem Volk "Geliebter Führer" nennen, dieses aber gleichzeitig
hungern, einsperren und foltern ließ, kann man nur grenzenlose
Verachtung entgegen bringen. Wie aber geht es nun weiter mit der
letzten Bastion des Stalinismus?

Auf Kim folgt Kim. Es mag sein, dass der in seiner Jugend in der
Schweiz sozialisierte Kim Jong Un ein moderneres Weltbild hat als
sein starrsinniger Vater. Doch wird der neue Staatschef selbst mit
seinen vier goldenen Sternen auf der Uniform nicht gegen den Willen
der mächtigen Militärs regieren können. Und so verfährt Kim Jong Un
erstmal nach guter alter Diktatorensitte: Er rasselt mit dem Säbel.
Der gestrige Raketentest war wohl nur ein kleiner Vorgeschmack und
soll der Welt und vor allem dem verfeindeten Bruder im Süden
signalisieren, dass der Machtwechsel keinen Wechsel in der
nordkoreanischen Politik zur Folge haben wird.

Das mit Atomwaffen bestückte Regime in Pjöngjang war unter Kim
Jong Il unberechenbar. Vielleicht wird es unter seinem Sohn in naher
Zukunft noch unberechenbarer. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein
Despot mit außenpolitischen Abenteuern von innenpolitischem Versagen
abzulenken versuchte. Der unerfahrene Kim Jong Un könnte sich dazu
veranlasst sehen, um seine Pfründe zu sichern. Eine
Horrorvorstellung.

Die Hoffnungen ruhen auf China. Kein anderes Land hat so großen
Einfluss auf Nordkorea wie der große kommunistische Bruder. Und die
Chinesen haben kein Interesse an einer destabilisierten koreanischen
Halbinsel - schon allein deshalb nicht, weil im Falle eines Krieges
amerikanische Soldaten an der eigenen Grenze stehen könnten. So wird
Peking die Kim-Dynastie stützen, sie aber auch in die Pflicht nehmen
und sie im Atomstreit vielleicht sogar zurück an den
Verhandlungstisch bringen.

Der einfache Nordkoreaner darf sich vorerst wenig Hoffnung auf ein
besseres Leben machen. Stattdessen nötigt ihn die
Propagandamaschinerie auch noch dazu, den gottgleichen "Geliebten
Führer" öffentlich zu beweinen. Ein Trauerspiel.



Pressekontakt:
Flensburger Tageblatt
Anette Asmussen
Telefon: 0461 808-1060
redaktion@shz.de


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