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WAZ: Ein doppelt trauriger Abschied - Kommentar von Jens Dirksen

Geschrieben am 23-08-2011

Essen (ots) - Loriot war ein Genie, weil er Komik und Haltung
miteinander verbinden konnte. Unter allen Preußen war er der
liebenswerteste, weil er deren Tugenden in den Dienst des Lachens
gestellt hat. Die Lücke, die er hinterlässt, wird auf Dauer bleiben.
Er wird uns fehlen. Aber genau genommen hat er uns längst gefehlt.
Sein 85. Geburtstag vor drei Jahren und der 80. zuvor, das waren noch
einmal Anlässe für das Fernsehen, sich seiner grandiosen
Alltagsdramen zu erinnern, in denen das Publikum der 70er- und
80er-Jahre ja nicht nur Grund zum Lachen sah, sondern auch sich
selbst. Aber man fühlte sich nicht nur auf den Arm genommen, sondern
auch in denselben - Humor mit menschlichem Antlitz. Und der passt
schon eine ganze Weile nicht mehr in die Zeit. Das liegt nicht am
Privatfernsehen mit seiner Trivialisierung, seiner Verflachung des
Humors zur Comedy allein. Der Wandel der Komik spiegelt auch ein
gesellschaftliches Klima, das bis ins Lachen hinein bestimmt ist vom
Konkurrenzdenken. Das Lachen über sich selbst ist etwas aus der Mode
gekommen. An seine Stelle ist das Verlachen getreten, das dazu dient,
den anderen, den Verlachten zu erniedrigen, sich von ihm abzugrenzen.
Dabei kann das Lachen eine Gemeinschaft fast genauso
zusammenschweißen wie gemeinsames Leid. Wir haben doppelt Grund, um
Loriot zu trauern.



Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de


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