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Börsen-Zeitung: Trügerische Ruhe, Marktkommentar von Thorsten Kramer

Geschrieben am 19-11-2010

Frankfurt (ots) - Am deutschen Aktienmarkt macht sich zusehends
Optimismus breit. Analysten begründen dies mit dem positiven
fundamentalen Umfeld, das insbesondere hierzulande ein sehr
angenehmes Klima für Aktieninvestments schafft. Die Konjunktur brummt
so sehr, dass mancher bereits von einem "deutschen Jahrzehnt" träumt.
Zugleich steigern viele Unternehmen ihre Gewinne so kräftig, dass
Analysten ihre Schätzungen für das neue Jahr weiter und weiter
anheben müssen - im Gegensatz übrigens zur Entwicklung in den meisten
anderen Ländern. Wen wundert es also, dass der Blick auf die Sektoren
des gehobenen Prime Standard an der Frankfurter Börse keinesfalls das
typische Muster einer Konsolidierungsbewegung zeigte, als Dax, MDax
und TecDax zuletzt an manchem Tag ein paar Zähler abgaben: Es standen
vor allem Aktien aus den Sektoren auf den Verliererlisten, die sich
bereits zuvor schwächer als der Gesamtmarkt entwickelt hatten. Dies
zeigt: Viele Investoren gehen immer noch davon aus, dass der deutsche
Aktienmarkt bis zum Jahresende noch weiter zulegen kann. Im Leitindex
Dax käme dann bereits die runde Marke von 7000 Punkten in Reichweite.

Aktien ohne Alternative

Anleger leiten die enorme Überschussliquidität dieser Tage vor
allem an die Börsen, weil es an attraktiven Alternativen mangelt. Mit
jedem Prozentpunkt, den die Aktienindizes steigen, wächst zugleich
der Druck auf noch unterinvestierte Anleger, endlich mehr Aktien ins
Portfolio zu nehmen, um die Renditechancen nicht komplett liegen zu
lassen. Das führt dazu, dass am Markt Chancen und Risiken ganz
offensichtlich sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Den jüngsten
Beleg dafür liefert das Tempo, mit dem der Markt die finanzielle
Schieflage in Irland abgehakt hat. Als sich abzeichnete, dass die
Regierung in Dublin einlenkt und finanzielle Hilfe von außen
akzeptieren würde, ging die Verunsicherung wieder spürbar zurück -
und der Dax kletterte auf ein Zweieinhalbjahreshoch. Investoren
sollten sich ihrer Sache allerdings nicht zu sicher sein: Die nächste
Phase der Unsicherheit steht bereits bevor. Womöglich wird ihnen das
bereits Mitte der neuen Woche bewusst, wenn in Deutschland der
vielbeachtete Ifo-Geschäftsklimaindex veröffentlicht wird. Der
Gesamtindex wird von 107,6 auf 107,5 Punkte moderat sinken,
prognostizieren Volkswirte. Die Erwartungskomponente des Index zeigt
dagegen schon deutlicher, dass auch in Deutschland die konjunkturelle
Dynamik in den kommenden Monaten nachlassen wird. Hier gehen die
Experten von einem Rückgang auf 104,7 Punkte aus. In der
Vergangenheit hatte der Ifo-Index an einem oberen Wendepunkt sehr
zuverlässig das Ende einer Hausse signalisiert. Dies ist Investoren
bewusst.

Die Verunsicherung wird aber ganz sicher dann zunehmen, wenn die
Schuldenkrise in der Peripherie der Eurozone wieder stärker in den
Fokus rückt. Dies wird geschehen, wenn nach Irland auch Portugal auf
Unterstützung des europäischen Rettungsfonds angewiesen sein sollte.
In einem Interview ließ der portugiesische Finanzminister Fernando
Teixeira dos Santos bereits durchblicken, dass das kleine Land am
südwestlichen Zipfel Europas schon sehr bald Hilfe benötigen könnte.
Dies würde Portugal verstärkt in den Fokus des Marktes rücken und
dann für alle noch einmal sehr deutlich werden lassen, dass es das
zentrale Problem des Landes ist, dass die Wirtschaft dort nicht
wettbewerbsfähig ist.

Aus Anlegersicht ist daran vor allem wichtig, dass Hilfsmaßnahmen
für Portugal direkt eine intensive Diskussion darüber auslösen
würden, ob auch Spanien, das ebenfalls enorme strukturelle Probleme
beheben muss, finanzielle Hilfe benötigt; und dies umso mehr, sollten
die in zwei Wochen anstehenden Einkaufsmanagerindizes für Spaniens
Industrie und Dienstleistungssektor eine weitere konjunkturelle
Abkühlung anzeigen. Davon, dass Spanien tatsächlich Hilfe benötigt,
geht auf Basis der vorliegenden Fakten derzeit zwar kaum jemand aus,
zumal das Land bereits Fortschritte gemacht hat. Allein in den mit
dieser Diskussion verbundenen Sorgen steckt allerdings das Potenzial,
am deutschen Aktienmarkt eine Korrektur auszulösen. Daraus folgt:
Anleger sollten sich nicht vom steigenden Optimismus treiben lassen.
2011 wird es wahrscheinlich mindestens genauso gute Gelegenheiten zum
Kauf von Aktien geben.

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de


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