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Prognos: "Exzellente Langfristperspektiven" für die Kohle in Europa

Geschrieben am 12.09.2007 - [Nächster Artikel]

Essen (ots) - Der Energieträger Kohle hat in der Stromerzeugung
der EU-27 rein ökonomisch exzellente Langfristperspektiven, so lautet
die wesentliche Schlussfolgerung der Studie "The Future Role of Coal
in Europe", die im Sommer 2007 vom renommierten Prognos-Institut
fertig gestellt worden ist. (Wörtlich: "... coal has an excellent
longterm perspective and an excellent competitive position in power
generation in the European Union.") Diese Aussage gilt sowohl für die
Steinkohle als auch für die Braunkohle. Die Studie von Prognos war
2005 von EURACOAL, dem Brüsseler Dachverband der europäischen
Kohleindustrie, in Kooperation mit zahlreichen Unternehmen und
Verbänden der Kohle- und Stromwirtschaft Europas beauftragt worden,
um die künftigen Chancen und Risiken der Kohleverstromung in der EU
vor dem Hintergrund der großen aktuellen Herausforderungen in der
Klima- und Energiepolitik abzuschätzen. Prognos hat dazu eine
Untersuchung der Rolle der Kohle (Steinkohle und Braunkohle) in der
Stromerzeugung der EU-27 durchgeführt und im Rahmen verschiedener
Szenarien mögliche Entwicklungslinien mit dem Zielzeitpunkt 2030
analysiert. Diese Studie, zu der auch detaillierte Länderberichte
gehören, ist nicht nur hochaktuell, sondern auf europäischer Ebene in
ihrer Tiefe bisher einmalig.

Der Endbericht der Studie von Prognos sowie eine Kurzdarstellung
von EURACOAL können abgerufen werden unter www.euracoal.org.

Auf den ersten Blick scheint die Schlussfolgerung der
Prognos-Studie der gegenwärtig verbreiteten Einschätzung zu
widersprechen, dass die Kohle mit den Klimaschutzzielen in Europa und
insbesondere in Deutschland in Konflikt steht, weshalb sie künftig
eine rückläufige und langfristig nur noch begrenzte Rolle spielen
würde. Neue Kohlekraftwerke stoßen derzeit auf erhebliche
Widerstände. Diese Ansicht unterschätzt aber die technologischen
Möglichkeiten, die Kohlenutzung auch mit steigenden
Klimaschutzanforderungen in Einklang zu bringen. Und sie übersieht
die große faktische Bedeutung der Kohleverstromung in vielen
Mitgliedstaaten (so auch in Deutschland) und ihre enormen Vorteile
unter den Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit und der
Versorgungssicherheit in einem liberalisierten europäischen
Elektrizitätsmarkt. Vor allem besitzt Kohle in der Stromerzeugung
eine ausgezeichnete Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ihrem
Hauptkonkurrenten, dem Erdgas. Steinkohle und Braunkohle sind
überdies preisstabiler als das Erdgas und zu einem beträchlichen Teil
heimische Energieträger.

Die Prognos-Studie legt indessen auch dar, dass die optimistische
Prognose der Kohleperspektiven in der europäischen Stromerzeugung von
bestimmten Bedingungen abhängt, die nicht zwangsläufig erfüllt sein
müssen und die von der Politik konterkariert werden können.
Insbesondere würden sich die Kohleperspektiven deutlich
verschlechtern, wenn eine Situation eintritt mit gleichzeitig
anhaltend niedrigen Erdgaspreisen und hohen CO2-Preisen. Diese
Kombination erscheint jedoch recht unwahrscheinlich, zumal hohe
CO2-Preise auch den Erdgaseinsatz verteuern und generell im Trend von
steigenden Erdgaspreisen ausgegangen wird. Außerdem würde bei
niedrigen Erdgaspreisen die Nachfrage nach diesem Brennstoff rasch
steigen und kräftige Preiserhöhungen nach sich ziehen, die den
(temporären) Wettbewerbsvorteil wieder ausgleichen. Bei moderaten
Erdgaspreisen bleibt die Kohle wettbewerbsfähig, solange die
CO2-Preise nicht zu sehr steigen. Bei hohen Erdgaspreisen ist
Kohlestrom ohnehin wettbewerbsfähig, selbst wenn die CO2-Preise
relativ hoch sind. Bei sehr hohen CO2-Preisen wiederum kommen
marktgetrieben, so Prognos, längerfristig (nach 2020) allmählich
CO2-freie Kohlekraftwerke mit CCS-Technologie zum Durchbruch (CCS =
Abscheidung und Speicherung von CO2).

In diese Abschätzungen sind der politisch gewollte Ausbau der
erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung sowie verschiedene
Varianten für die künftige Kernkraftnutzung in Europa, aber auch die
trotz Zuwachs beim Stromverbrauch erwarteten Stromeinsparungen durch
die Trends zu rationellerer Energieverwendung bereits einbezogen. Aus
klimapolitischer Sicht könnte an allen diesen Hebeln noch weiter
gedreht werden, es kommt nicht allein auf die Kohle an. Vorausgesetzt
wird allerdings, dass die Klimapolitik kein striktes CO2-Mengenregime
für die Stromerzeugung oder andere regulative Beschränkungen der
Kohleverstromung vorsieht, sondern - unter sonst gleichen Bedingungen
- allein die Erzeugungskosten und die CO2-Preise über den Energiemix
der Stromerzeugung entscheiden und erforderliche Emissionsrechte von
den Stromerzeugern ggf. über den europäischen Emissionshandel oder
die internationalen Kyoto-Instrumente in hinreichendem Umfang
erworben werden können.

Die Studie hat im übrigen weder Zielwerte für die Kohleverstromung
gesetzt noch bekannte Branchenpositionen reproduziert, sondern anhand
eines unabhängig von dem Auftrag erstellten ökonomischen Modells des
Kraftwerksparks in der EU einen breit angelegten Szenarienmix mit
unterschiedlichen Einflussfaktoren und Rahmensetzungen durchgespielt,
um die jeweiligen Konsequenzen für den Energiemix und die Kosten der
Stromerzeugung aufzuzeigen. Im Einzelnen wurden von Prognos vier
Szenarien mit variierenden CO2-Preisen aufgestellt, wobei die Basis
stets die von der Europäischen Kommission für die EU-27
herausgegebene Prognose "EU energy and transport trends to 2030"
(update 2005) gewesen ist.

Die Szenarien im Überblick:

- "Base-Szenario": Dieses Szenario stimmt in seinen
Basisdaten sowie den Annahmen zum Energieverbrauch und
zur Preisentwicklung (unterstellt werden relativ hohe
Brennstoffpreise) völlig mit den "EU trends to 2030"
überein, wobei ein konstanter CO2-Preis von 5 Euro/t
zugrunde gelegt wird.
- "Policy 15/30/45-Szenario": Bei gleichem
Brennstoffpreispfad werden hier drei unterschiedliche
Niveaus verschärfter Klimapolitik, ausgedrückt durch
entsprechend erhöhte CO2-Preise, unterstellt.
- "Low price 15/30-Szenario": Das Low price-Szenario
variiert zwei Niveaus verschärfter Klimapolitik mit
geringeren Brennstoffpreisen (d. h. insbesondere
geringeren Gaspreisen).
- "Tech 30/45"-Szenario: Hier werden ein durch verschärfte
Klimapolitik beschleunigter technologischer Fortschritt
bzw. sogar regulatorische Maßnahmen in Richtung CCS
angenommen; Tech45 geht zugleich von einer klimapolitisch
begründeten Verlängerung der Kernenergienutzung aus.

Aus der Studie geht auch hervor, dass sich speziell die
CCS-Technologie erst bei hohen CO2-Preisen (um ca. 30 Euro/t)
wirtschaftlich zu rentieren beginnt, was zwar die Wettbewerbsposition
der Kohle nicht unbedingt beeinträchtigt, aber eine entsprechend
scharfe Klimapolitik mit steigenden Strompreisen und höherer
gesamtwirtschaftlicher Belastung voraussetzt. Würde das akzeptiert,
könnte eine aktive Technologieförderung die Kosten- und
Preissteigerungen des Stromsektors allerdings begrenzen. Der
Durchbruch von CCS kommt nach den Modellrechnungen von Prognos auch
unter diesen Bedingungen erst relativ spät, d. h. nach 2020, und er
kommt dann zunächst in sehr begrenztem Umfang und nur bei der
Braunkohle mit ihrer spezifisch höchsten CO2-Intensität. Eine
Einführung von CCS in der Breite ist daher im Zeitraum bis 2030
unwahrscheinlich. Daher bleibt in der Kohleverstromung die
Effizienzstrategie, die auf weitere Wirkungsgradsteigerungen setzt,
bis auf Weiteres vorrangig.

Welches Szenario der Prognos-Studie auch immer den künftigen
Realitäten am Besten entspricht: Speziell für die Stromerzeugung aus
Steinkohle bleiben die ökonomischen Perspektiven günstig, auch in
Deutschland. Bis 2020 nimmt der Steinkohleanteil an der deutschen
Stromerzeugung in allen Szenarien der Studie mehr oder weniger stark
zu - für die EU insgesamt gilt Vergleichbares. In 2030 wird der
Anteil der Steinkohle in einigen Szenarien sogar noch mehr gestiegen
sein oder sich zumindest auf dem gegenwärtigen Niveau bewegen.

Die Studie stützt die Einschätzung, dass die Kohle hierzulande wie
in Europa und weltweit auch in der absehbaren Zukunft der
Energieträger Nr.1 der Stromerzeugung bleibt.

Originaltext: GVSt Gesamtverband Steinkohle
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/54802
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_54802.rss2

Pressekontakt:
Gesamtverband Steinkohle
Andreas-Peter Sitte
Rüttenscheider Str. 1-3
45128 Essen
Tel.: 0201/801-4320
Fax: 0201/801-4262
E-Mail: andreas-peter.sitte@gvst.de
 
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