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Börsen-Zeitung: Alles richtig gemacht, Kommentar von Jürgen Schaaf zur Entscheidung der EZB, das Leitzinsniveau bei 4% zu lassen und ein zusätzliches Refinanzierungsgeschäft mit drei Monaten Laufzeit

Geschrieben am 06-09-2007

Frankfurt (ots) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine
wichtige Schlacht erfolgreich geschlagen - und das gleich an mehreren
Fronten. Nach der gestrigen Entscheidung des EZB-Rates, das
Leitzinsniveau im Euroraum unverändert bei 4% zu lassen und zugleich
ein zusätzliches Refinanzierungsgeschäft mit einer Laufzeit von drei
Monaten anzukündigen, hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mehrere
zentrale Botschaften ausgesandt.

Zum einen hat er klipp und klar gesagt, dass die Notenbank die
Funktionsfähigkeit des Geldmarktes unter allen Umständen ("at any
price") sicherstellen werde. Diese ist seit Anfang August erheblich
gefährdet, da sich Banken untereinander kaum mehr Geld ausleihen
angesichts der gestiegenen Ausfallrisiken durch die amerikanische
Hypothekenmarktkrise. Die zeitgleiche Ankündigung einer zusätzlichen
umfangreichen Finanzspritze der EZB untermauert diese Botschaft, den
Geldmarkt zu stützen. In dieser Situation hätte eine
Leitzinserhöhung, die vor vier Wochen eigentlich noch beabsichtigt
gewesen war, fatale Folgen haben können. Der Verzicht darauf ist
konsequent.

Zum zweiten hat der oberste Währungshüter eine scharfe Grenze
gezogen zwischen den Problemen am Geldmarkt und dem primären Mandat
der Notenbank: der Sicherung eines stabilen Preisniveaus. Es ist
Trichet gelungen, überzeugend darzulegen, dass die Sorgen der EZB vor
mittelfristigen Inflationsgefahren nicht gebannt sind. Die
Kreditkrise ist noch nicht außerhalb des Bankensektors angekommen.
Wenn der Interbankenmarkt wieder eigenständig und reibungslos
funktioniert, wird die EZB demnach den aufgeschobenen Zinsschritt
vollziehen. Der "tightening bias" bleibt also erhalten, wie es unter
Zentralbankbeobachtern heißt.

Natürlich weiß niemand, wann die Finanzkrise beendet sein wird.
Und in der Tat ist es ungewiss, ob sie sich nicht noch ausweiten
wird, weswegen Trichet auch gut daran getan hat, weder einen
konkreteren Termin für einen möglichen weiteren Zinsschritt zu nennen
noch weitere technische Eingriffe als Option zumindest
auszuschließen. Aber da die Zentralbanker ihre Urteile in Echtzeit
fällen und zugleich die Wirkungen ihrer Aktionen an derzeit
hochnervösen Märkten antizipieren müssen, hat die EZB zumindest
gestern alles richtig gemacht.

(Börsen-Zeitung, 7.9.2007)

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377
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