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Zweite Expertenbefragung des Deutschen Mittelstands-Barometers Aufschwung gefährdet? / Fachkräftemangel entwickelt sich zum Wachstumsrisiko

Geschrieben am 03.09.2007 - [Nächster Artikel]

Marburg (ots) - Die gute Nachricht vorweg: Das derzeitige
Stimmungshoch im Mittelstand wird auch in den kommenden Monaten
anhalten und zur weiteren Belebung auf dem Arbeitsmarkt führen - so
das Ergebnis der zweiten Expertenbefragung des Deutschen
Mittelstands-Barometers (DMB), dem Kooperationsprojekt der
Forschungsstelle mittelständische Wirtschaft (FMW), dem Bundesverband
mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der BDO Deutsche Warentreuhand
AG. Der anhaltende Wachstumskurs ist jedoch nach Einschätzung der
Experten durch einen zunehmenden Fachkräftemangel bedroht. Um den
Beschäftigungsboom nachhaltig zu stärken, sind Unternehmen und
Politik gemeinsam gefordert, das Ausbildungsniveau in den nächsten
fünf Jahren deutlich zu verbessern.

Die Stimmung im Mittelstand könnte derzeit kaum besser sein: Die
befragten Fachleute aus Mittelstandsverbänden und -unternehmen
bestätigen auch für die folgenden Monate eine stabile Konjunktur.
Dabei wird die wahrgenommene Geschäftssituation besonders in den
alten Bundesländern optimistisch gesehen: Gegenüber der ersten
Expertenbefragung im Frühjahr verbesserten sich hier die Werte um 3,7
Punkte. Die gute Geschäfts- und Stimmungslage führt nach Einschätzung
der Experten zu einer nachhaltigen Belebung auf dem Arbeitsmarkt.
Über 73 Prozent der Befragten erwarten, dass die Arbeitsplätze im
Mittelstand weiter ausgebaut werden. Damit wird der im Frühjahr in
der ersten Expertenbefragung erhobene Wert von rund 59 Prozent
deutlich übertroffen. Zugleich führt der Ausbau der Arbeitsplätze zu
einem steigenden Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Die
Personalsituation wird sich potenziell schon bald zum entscheidenden
Hemmfaktor für weiteres Wachstum und somit auch für den Erfolg der
Unternehmen entwickeln. Um geeignete Fachkräfte zu halten bzw. ihren
Bedarf zu decken, müssen Unternehmen in Zukunft verstärkt ihre
Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen und entsprechende Anreize für
ihre Mitarbeiter schaffen, wie z.B. durch die Einführung von
flexiblen Arbeitszeitmodellen oder Maßnahmen zur besseren
Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ausbildung: mangelhaft

Besonders kritisch sehen die Experten das derzeitige
Ausbildungsniveau. Mit einer Zustimmung von über 86 Punkten sind sich
die Befragten mehrheitlich einig, dass die Qualität der Ausbildung
eindeutig zu verbessern sei. Zwar besitzt das im internationalen
Vergleich einmalige duale Ausbildungssystem in Deutschland durchaus
Zukunftspotential und Akzeptanz. Doch werden speziell der Vermittlung
der substanziellen Grundkenntnisse während der Schulausbildung
gravierende Versäumnisse vorgeworfen. Demzufolge beklagen sich die
befragten Unternehmer verstärkt über die unzureichenden Fähigkeiten
ihrer Auszubildenden.

"Das derzeitige Ausbildungsniveau reicht nach Einschätzung der
Experten nicht aus, um in Zukunft genügend qualifiziertes Personal
hervorzubringen. Um so stärker werden Unternehmen in absehbarer Zeit
um die so genannten High Potentials kämpfen müssen", fasst Professor
Michael Lingenfelder von der Forschungsstelle für Mittelständische
Wirtschaft und Studienleiter des Deutschen Mittelstands-Barometers
die Ergebnisse zusammen und empfiehlt: "Damit der Mittelstand nicht
an Boden verliert und das Nachsehen gegenüber den Konzernen hat, muss
die Qualität der Ausbildung in Deutschland in den nächsten fünf
Jahren deutlich gesteigert werden." Hier ist besonders die Politik
aufgefordert, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und ein
fundiertes Ausbildungsniveau zu ermöglichen. Die unlängst von der
Koalition beschlossene nationale Qualifizierungsoffensive stellt
dabei einen ersten Schritt in die richtige Richtung dar.

Die Unternehmer wissen um die Bedeutung von gut ausgebildetem
Fachpersonal und sind tendenziell bereit, für die weitere
Qualifizierung ihrer Mitarbeiter Sorge zu tragen. Mit über 88 Punkten
stimmen die befragten Experten überwiegend der Aussage zu, dass
umfassende Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen unabdingbar sind, um
langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten.
"Der Mittelstand wünscht zum einen, dass sich die Politiker ihrem
Auftrag stellen und eine gute Wissensgrundlage beim Nachwuchs
schaffen. Für die Aus-, Weiter-, und Fortbildung ihrer Mitarbeiter
nehmen sich die Unternehmer zum anderen durchaus selbst in die
Pflicht. Eine kontinuierliche Weiterbildung und Innovationsfähigkeit
der Mitarbeiter - Stichwort Lebenslanges Lernen - wird in Zukunft
durch zunehmend verkürzte Produkt- und Technologielebenszyklen noch
stärker abverlangt werden", schätzt Professor Lingenfelder die
künftige Entwicklung ein.

Weitere Wachstumsstörer

Wie zuvor in der Frühjahrsbefragung bestätigen auch die Ergebnisse
der zweiten Expertenbefragung, dass überbordende Bürokratie und
Regulierungswut in Deutschland als maßgebliche Störfaktoren für
weiteres Wachstum empfunden werden. "Das seit längerem in die Kritik
geratene deutsche Arbeitsrecht und seine Regularien dürfen nicht
weiter zu Stolpersteinen des Wirtschaftswachstums werden. Stattdessen
müssen positive Beispiele wie das 'Mittelstandsentlastungsgesetz'
künftig noch stärker Schule machen und den Arbeitsmarkt beflügeln",
kommentiert Professor Lingenfelder die Studienergebnisse. Als weitere
Wachstumsstörer sehen die Experten das Unternehmerbild in der
Öffentlichkeit. Hier zeichnet sich ein von der guten Stimmungslage
abweichendes Bild ab: Insgesamt wird das Unternehmerbild in der
Öffentlichkeit vor allem in den neuen Bundesländern ausgesprochen
schlecht bewertet.

Zum Studiendesign

Für die zweite Expertenbefragung des DMB wurden über 130
Mittelstandsexperten aus ganz Deutschland befragt. Zu diesen zählen
Vertreter des größten Mittelstandsverbandes, dem Bundesverband
mittelständische Wirtschaft (BVMW), und assoziierter Fachverbände
sowie mittelständische Unternehmer. Kern der Studie bilden bei den
unterjährigen Expertenbefragungen wie auch bei der umfassenden
Unternehmerbefragung des DMB am Jahresende die Einschätzungen zur
Stimmungs- und Geschäftslage mittelständischer Unternehmer. Dabei
berücksichtigt das DMB auch psychologische Aspekte wie
Gründungsklima, Freude am Unternehmertum und Unternehmerbild in der
Öffentlichkeit als maßgebliche Determinanten für den wirtschaftlichen
Erfolg.

Die Studienergebnisse sind im Internet unter
http://www.fmw-online.com/dmb_2007_exp_02.html

Das Deutsche Mittelstands-Barometer

Die Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft der
Philipps-Universität Marburg (FMW) erhebt branchenübergreifend,
regional und überregional wichtige Themen- und Problemfelder des
deutschen Mittelstands. Das Deutsche Mittelstands-Barometer ist ein
Kooperationsprojekt zwischen der FMW, dem Bundesverband
mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der BDO Deutsche Warentreuhand
AG. Die ursprünglich als Marburger Mittelstands-Barometer initiierte
Untersuchung startete 2004 in Zusammenarbeit mit dem BVMW und hat in
den letzten drei Jahren in Medien, Politik und der Wirtschaftspraxis
deutliche Akzente gesetzt.

Originaltext: Deutsches Mittelstands-Barometer
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/66382
Pressemappe via RSS : feed://www.presseportal.de/rss/pm_66382.rss2

Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. rer.pol. Michael Lingenfelder
Tel. 06421/28 23 762
Fax: 06421/28 26 598
Philipps-Universität Marburg
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre
Universitätsstrasse 24
35037 Marburg
 
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