Ulm (ots) - Natürlich fällt auch wieder das Wort von der "Abzocke". Doch jetzt ist nicht das angebliche Spritkartell der Ölkonzerne gemeint, sondern der Lebensmittel-Einzelhandel und die plötzlich gestiegenen Preise für Milch und Butter. Größer könnte die Vernebelung der Verbraucher nicht sein. So ärgerlich für diese jede Preissteigerung auch sein mag - sie spiegelt jetzt nur wieder, was sich auf dem Weltmarkt verändert hat. Das ist erstaunlich genug für jeden, der sich noch an die Milchseen und Butterberge erinnert, die der EU-Steuerzahler seit Jahrzehnten milliardenschwer und klaglos finanziert. Weil die Asiaten die Milch als Nahrungsmittel entdecken, ist jetzt alles anders. Darüber freut sich der Bauer zu Recht. Üppig war das, was er trotz aller Subventionen letztlich für die Rohware bekam, ja nicht gerade. Mit gestiegenen Preisen erfährt der Nährstand zudem eine marktwirtschaftliche Perspektive, die ihm lange versagt blieb. Der Verbraucher braucht deshalb nicht gleich zu verzagen. Lebensmittel liegen in Deutschland preislich immer noch deutlich unter EU-Schnitt. Dafür ist der Wettbewerb im Einzelhandel hier überdurchschnittlich hart. Das wird den Preisschub im Zaum halten. Unvermutete Folgen drohen aber aus der Energiepolitik: In dem Maße, wie der Bauer als Lieferant von Biomasse geködert wird, fällt er als Milchproduzent aus. Die jetzige Preiserhöhung wird vermutlich nicht die letzte sein.