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Leipzig (ots) - Intermezzo Von Thilo Boss Bewegt haben sich beide, das Gesicht gewahrt auch. Zumindest ist es nicht verloren gegangen. Weil sowohl das Telekom-Management als auch Verdi nach fünf Wochen Streik Erfolge vorzuweisen haben. Wer mehr und wer weniger, sei dahingestellt. Darauf kommt es im Prinzip auch gar nicht an. Auf jeden Fall hat Konzernchef René Obermann bei Europas größtem Telefon-Konzern die Auslagerung von 50000 Mitarbeitern in neue T-Service-Gesellschaften durchgedrückt. Und Europas größte Dienstleistungsgewerkschaft hat im Gegenzug Beschäftigungssicherungs-Garantien und eine sozialverträgliche Abfederung der Gehaltsreduzierung erfochten, womit zu Beginn des Arbeitskampfes noch niemand rechnen konnte. Und bei einer 38-Stunden-Woche wird sich auch keiner überarbeiten. Der Kapitalmarkt hat die Einigung honoriert. Die Telekom-Aktie legte nach Bekanntwerden des Bad Neuenahrer Kompromisses zu und sorgte damit dafür, dass der Dax seinen Rekordkurs halten konnte. Für die Anleger der einstigen Volksaktie, die kurz nach der Privatisierung von einer Bestnotierung zur nächsten schoss, um dann gnadenlos abzustürzen und seitdem vor sich hinzudümpeln, ist das gestrige Zwischenhoch jedenfalls ein schöner Erfolg auf dem Parkett gewesen - wenn auch ein kleiner. Langfristig wird die Einigung aber nicht ausreichen, damit das Papier an Attraktivität gewinnt. Denn der Streit um die Auslagerung, um mehr Arbeit für weniger Geld, wird ein Intermezzo bei der Neujustierung des Konzerns bleiben. Nur wenn es der deutsche Telekommunikationsriese nämlich schafft, Kosten- und Angebotsstrukturen nachhaltig zu verbessern, wird es keine weitere Debatte um Einsparungen und Personalkürzungen geben. Oder anders ausgedrückt: Die Telekom muss erfolgreicher werden, damit die Kunden nicht mehr scharenweise davonlaufen. Dazu gehört ein verbesserter Service und eine Unternehmensstrategie, die der Konkurrenz in Preis und Angebot stets eine Nasenlänge voraus ist. Der Telekommunikationsmarkt befindet sich schon seit langem in einer Konsolidierungsphase. Die Boom- und Goldgräber-Zeiten, als die Konzerne mit Milliarden für die UMTS-Lizenzen um sich schmeißen konnten, sind längst vorbei. Der Handy-Markt ist nahezu gesättigt, der Festnetzbereich auf dem absteigenden Ast. Der Verdrängungswettbewerb der Großen wird deshalb in Zukunft eher an Schärfe gewinnen als abnehmen. Doch hinter dem Streik steckt eigentlich mehr, als nur Kosten zu senken und Besitzstände zu wahren. Denn den Tarifparteien muss es künftig darum gehen, wie Mitarbeiter am Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens beteiligt werden können. Oder anders gesagt, wenn es der Firma gut geht, sollte sich dies auch für die Beschäftigten auszahlen. Auf Heller, Cent und Pfennig. Oder mit zusätzlichen Leistungen. Das stärkt die Motivation und schafft die nötigen Spielräume, damit Unternehmen von Branche zu Branche und von Geschäftslage zu Geschäftslage flexibel handeln können. Die vom Telekom-Management ins Spiel gebrachten Erfolgsboni sind eine mögliche Lösung, die von beiden zwar anvisiert worden ist, aber noch nicht konsequent angegangen wird. Leider. Das wäre ein wegweisender Abschluss mit Pilotcharakter gewesen.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=6351 Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_6351.rss2
Pressekontakt: Rückfragen bitte an: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558
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