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LVZ: Zur Telekom/Einigung

Geschrieben am 20.06.2007 - [Nächster Artikel]

Leipzig (ots) - Intermezzo
Von Thilo Boss
Bewegt haben sich beide, das Gesicht gewahrt auch. Zumindest ist es
nicht verloren gegangen. Weil sowohl das Telekom-Management als auch
Verdi nach fünf Wochen Streik Erfolge vorzuweisen haben. Wer mehr und
wer weniger, sei dahingestellt. Darauf kommt es im Prinzip auch gar
nicht an. Auf jeden Fall hat Konzernchef René Obermann bei Europas
größtem Telefon-Konzern die Auslagerung von 50000 Mitarbeitern in
neue T-Service-Gesellschaften durchgedrückt. Und Europas größte
Dienstleistungsgewerkschaft hat im Gegenzug
Beschäftigungssicherungs-Garantien und eine sozialverträgliche
Abfederung der Gehaltsreduzierung erfochten, womit zu Beginn des
Arbeitskampfes noch niemand rechnen konnte. Und bei einer
38-Stunden-Woche wird sich auch keiner überarbeiten.
Der Kapitalmarkt hat die Einigung honoriert. Die Telekom-Aktie legte
nach Bekanntwerden des Bad Neuenahrer Kompromisses zu und sorgte
damit dafür, dass der Dax seinen Rekordkurs halten konnte. Für die
Anleger der einstigen Volksaktie, die kurz nach der Privatisierung
von einer Bestnotierung zur nächsten schoss, um dann gnadenlos
abzustürzen und seitdem vor sich hinzudümpeln, ist das gestrige
Zwischenhoch jedenfalls ein schöner Erfolg auf dem Parkett gewesen -
wenn auch ein kleiner.
Langfristig wird die Einigung aber nicht ausreichen, damit das Papier
an Attraktivität gewinnt. Denn der Streit um die Auslagerung, um mehr
Arbeit für weniger Geld, wird ein Intermezzo bei der Neujustierung
des Konzerns bleiben. Nur wenn es der deutsche
Telekommunikationsriese nämlich schafft, Kosten- und
Angebotsstrukturen nachhaltig zu verbessern, wird es keine weitere
Debatte um Einsparungen und Personalkürzungen geben. Oder anders
ausgedrückt: Die Telekom muss erfolgreicher werden, damit die Kunden
nicht mehr scharenweise davonlaufen. Dazu gehört ein verbesserter
Service und eine Unternehmensstrategie, die der Konkurrenz in Preis
und Angebot stets eine Nasenlänge voraus ist.
Der Telekommunikationsmarkt befindet sich schon seit langem in einer
Konsolidierungsphase. Die Boom- und Goldgräber-Zeiten, als die
Konzerne mit Milliarden für die UMTS-Lizenzen um sich schmeißen
konnten, sind längst vorbei. Der Handy-Markt ist nahezu gesättigt,
der Festnetzbereich auf dem absteigenden Ast. Der
Verdrängungswettbewerb der Großen wird deshalb in Zukunft eher an
Schärfe gewinnen als abnehmen.
Doch hinter dem Streik steckt eigentlich mehr, als nur Kosten zu
senken und Besitzstände zu wahren. Denn den Tarifparteien muss es
künftig darum gehen, wie Mitarbeiter am Erfolg und Misserfolg eines
Unternehmens beteiligt werden können. Oder anders gesagt, wenn es der
Firma gut geht, sollte sich dies auch für die Beschäftigten
auszahlen. Auf Heller, Cent und Pfennig. Oder mit zusätzlichen
Leistungen. Das stärkt die Motivation und schafft die nötigen
Spielräume, damit Unternehmen von Branche zu Branche und von
Geschäftslage zu Geschäftslage flexibel handeln können. Die vom
Telekom-Management ins Spiel gebrachten Erfolgsboni sind eine
mögliche Lösung, die von beiden zwar anvisiert worden ist, aber noch
nicht konsequent angegangen wird. Leider. Das wäre ein wegweisender
Abschluss mit Pilotcharakter gewesen.

Originaltext: Leipziger Volkszeitung
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=6351
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_6351.rss2

Pressekontakt:
Rückfragen bitte an:
Leipziger Volkszeitung
Redaktion

Telefon: 0341/218 11558
 
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