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Denker und Lenker von morgen: Mehr Angst um den Job als vor Terror und Klimawandel

Geschrieben am 12.06.2007 - [Nächster Artikel]

Frankfurt am Main (ots) -

Wie sehen sich Deutschlands Topmanager von morgen? / PwC befragte
326 Nachwuchsführungskräfte in ausführlichen Interviews / Ein
Viertel will Deutschland den Rücken kehren / Vier Typen zeichnen
sich ab: Globalisten, Macher, Netzwerker und Pragmatiker / Kaum
Hoffnung auf soziale Sicherungssysteme

Sie sind Deutschlands Zukunft, sollen Erfolg und Wachstum schaffen
und Unternehmen im 21. Jahrhundert führen. Doch welche Erwartungen,
Sorgen und Probleme haben die Manager von morgen? Wie erleben sie die
deutsche Gesellschaft? PricewaterhouseCoopers (PwC) hat insgesamt 326
Nachwuchsführungskräfte in ausführlichen Interviews befragt, wie sie
sich ihre persönliche, ihre berufliche und die gesellschaftliche
Zukunft vorstellen. Die Motivation hierzu: PwC stellt jedes Jahr rund
1.400 Hochschulabsolventen und Young Professionals ein und gehört zu
denjenigen Unternehmen in Deutschland, die mit Abstand den größten
Anteil an Akademikern beschäftigen: "Wir wollten wissen, was die
junge Generation der Nachwuchskräfte bewegt, um uns hierauf
einzustellen und die Ergebnisse mit dem Bild vergleichen, das die
Öffentlichkeit von jungen Managern hat", so Hans Wagener, Sprecher
des Vorstands von PwC in Deutschland. Das Ergebnis der Befragung: Den
typischen ambitionierten Nachwuchsmanager gibt es nicht, vielmehr
haben sich die Führungskräfte von morgen ein ganzes Portfolio von
Lebensstrategien zurechtgelegt, um mit den Erwerbs- und
Karriereanforderungen einer globalisierten Wirtschaftswelt und den
Unwägbarkeiten vieler gesellschaftlicher Entwicklungen erfolgreich
umzugehen.

Die Nachwuchsführungskräfte selbst bestimmen die Themen der
Befragung

Die vorliegende Studie ragt aus den herkömmlichen Meinungsumfragen
heraus. Statt der üblichen fünf- bis zehnminütigen Telefonabfrage
fand hier ein ausführliches, etwa halbstündiges Gespräch mit 308
Nachwuchsführungskräften aus deutschen Unternehmen statt. "Das
Außergewöhnliche an dieser Studie ist, dass zum ersten Mal in einer
solchen Studie die Fragen nicht von den Forschern, sondern von den
jungen Führungskräften selbst kamen", so Dr. Yvonne Fritzsche-Sterr,
Projektleiterin der Studie und ehemals Hauptautorin der
Shell-Jugendstudie. Der eigentlichen Befragung ging eine
Untersuchung voraus, die Auskunft darüber geben sollte, welche Themen
die Topmanager von morgen überhaupt interessieren, welche Fragen sie
an die Gesellschaft und welche Fragen sie sich selbst stellen. Zu
diesem Zweck fanden vorab 18 so genannte Tiefeninterviews mit jungen
Führungskräften statt. "Nicht wie üblich telefonisch, sondern in
vertrauter, häuslicher Umgebung. Die Befragten konnten hier den
Inhalt des persönlichen Gesprächs bestimmen, es wurden keine
Fragekomplexe einfach abgearbeitet", so Dr. Yvonne Fritzsche-Sterr.
Die persönlichen Gespräche von jeweils circa zwei Stunden bildeten
die Basis für die nachgelagerten Telefoninterviews. Bei den Befragten
handelte es sich um vielversprechende Berufseinsteiger mit weniger
als drei Jahren Berufserfahrung, meist in Trainee- oder
Assistenzpositionen sowie um jüngere Führungskräfte bis maximal 39
Jahre, die in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach noch mehr
Führungsverantwortung in Unternehmen übernehmen werden.

Vier unterschiedliche Typen: Die jungdynamischen Globalisten

Die ausführlichen Gespräche mit den Befragten und die
anschließende Clusterbildung auf Basis der Antworten lassen eine
Typisierung der jungen Führungskräfte zu. 21 Prozent der Befragten
werden als "jungdynamische Globalisten" charakterisiert. Sie sind im
Durchschnitt knapp über 30 Jahre alt, halten die Probleme in
Wirtschaft und Gesellschaft grundsätzlich für lösbar, streben ins
Ausland und verzichten für den Weg nach oben ganz bewusst auf private
Bedürfnisse. Sie legen viel Wert darauf, schon früh
Auslandserfahrungen zu sammeln, um Sprachen und fremde Kulturen
kennen zu lernen und gehen davon aus, dass diese Erfahrungen für ihre
spätere Laufbahn nützlich sein werden: "Meine Partnerin wollte
Sicherheit und Standorttreue, ich wollte nach Mexiko. Nach drei
Jahren war Schluss. Ich bin froh, dass ich den Konflikt nicht mehr
ausfechten muss, das wäre auf jeden Fall eine Belastungsprobe
gewesen" (Analyst Privatbank, 30 Jahre).

Die konzentrierten Macher

Die "konzentrierten Macher" (22 Prozent) sind voller Optimismus,
schätzen die eigenen Karrierechancen durchweg positiv ein und sind
davon überzeugt, dass "die da oben" die anstehenden Probleme schon
lösen werden. Sie stellen die jüngste Gruppe unter den vier Typen mit
überdurchschnittlich vielen Berufseinsteigern (39 Prozent) dar, 62
Prozent sind jünger als 35 Jahre. Die Jungmanager von diesem Schlag
konzentrieren sich stark auf ihren Beruf, sind relativ unbesorgt und
legen deutlich weniger Wert auf den Ressourcenaufbau als ihre
Kollegen. "Ich will einen Job haben, der mir so viel Spaß macht, dass
ich sage, eine Stunde mehr bringt mich nicht um, ich sehe nicht auf
die Uhr" (Vorstandsreferentin Großkonzern, 38 Jahre).

Die erfahrenen Pragmatiker

Vom "alten Schlag" und ausgesprochen auf Deutschland konzentriert
sind die "erfahrenen Pragmatiker" (22 Prozent). Die Mehrheit ist
zwischen 35 und 39 Jahre alt, 75 Prozent sind Männer, 77 Prozent
haben einen Hochschulabschluss und ihr Slogan im Betrieb lautet: Wir
sind die Stützen, uns macht keiner so leicht etwas vor.
"Umweltpolitik hat sich als Wachstumschance für uns erwiesen. Warum
sollten wir nicht Weltmarktführer im Bereich grüne Energie werden?"
(Abteilungsleiter Elektronikkonzern, 37 Jahre)

Die aufgeschlossenen Netzwerker

Größte Gruppe bei der Typisierung sind mit 34 Prozent die
"aufgeschlossenen Netzwerker". Die Nachwuchsmanager gelten als
ausgesprochene Familienmenschen, sie pflegen Freundschaften und
Hobbies und leben nach der Devise: Um im Privatleben glücklich zu
werden, kann es erforderlich sein, auf einer Sprosse der
Karriereleiter freiwillig stehen zu bleiben. Falsch wäre allerdings
die Vermutung, die Mitglieder dieser Gruppe hätten sich vom
Unternehmen innerlich verabschiedet. Sie legen vielmehr großen Wert
auf Weiterbildung und schätzen ihre Karrierechancen ausgesprochen
positiv ein. "Ich habe so eine Gruppe von vielleicht 20 Bekannten aus
den unterschiedlichsten Bereichen. Da erfahre ich sehr früh alles
über neue Jobs oder auch über Schwierigkeiten von bestimmten Firmen.
Wenn es darauf ankommt, wird mir sicher jemand helfen können, ohne
dass ich staatliche Stellen in Anspruch nehmen muss. Das wäre
furchtbar für mich" (Teamleiter Fertigung, 36 Jahre).

Fünf (Über-) Lebensstrategien künftiger Top-Manager

Die Befragung zeigt auf, dass die Wirtschaftselite von morgen über
kein gemeinsames Zukunftsbild verfügt, es lassen sich nicht einmal
ansatzweise übergreifende Konzepte oder Zukunftsvorstellungen dieser
Generation herausfiltern. Es werden jedoch auf Basis der Auswertung
fünf biografische Strategien deutlich, die die Nachwuchsmanager
verfolgen, um mit dem wachsenden Erwerbs- und Karrieredruck zurecht
zu kommen. Zwei davon haben offensiven Charakter: Zahlreiche
Jungmanager setzen mit dem Aufbau von Ressourcen in Berufs- und
Privatleben sowie einer klaren Auslandsorientierung auf den Aufbau
ihrer eigenen Erfahrungen und Kapazitäten. Damit wollen die Befragten
ihre Chancen vergrößern und sich gegen Rückschläge absichern. Zwei
Strategien sind defensiv ausgerichtet: Diese Nachwuchsführungskräfte
nehmen zeitweilig Einschränkungen im Privatleben hin und reduzieren
ihr Engagement auf das Überschaubare und Machbare im eigenen
Lebenskreis. Die Anhänger dieser Strategien konzentrieren die
vorhandenen Ressourcen auf die Bewältigung der beruflichen
Herausforderung. Die fünfte Strategie beruht auf dem Glauben an den
Fortschritt und an die eigene Leistungsfähigkeit und spiegelt das
Selbstbewusstsein wieder, das den Führungsnachwuchs trotz aller Angst
und allem Leistungsdruck auszeichnet.

Rückzug ins Private: Gesellschaftliches Engagement hat keine
Priorität mehr

Auffällig ist dabei, dass die Jungmanager gesellschaftliche
Probleme sehr wohl registrieren, diesen jedoch kaum mehr direkte
Einflüsse auf das eigene Leben zuschreiben. Stattdessen setzen die
Manager von morgen auf ihre eigene Fähigkeiten und Netzwerke und
erwarten kaum noch Unterstützung aus den sozialen Sicherungssystemen.
"Immer früher haben die Leute Angst, nichts zu kriegen und müssen
sich immer mehr rein hängen, mindestens zehn Praktika und drei
Auslandsstationen haben - und dann beklagt man sich, dass die Jugend
heute so unpolitisch ist" (Unit-Leiter Werbeagentur, 32 Jahre).

Ängste: Arbeitslosigkeit, die Alterspyramide und die staatliche
Rente

Die Nachwuchsmanager wurden im Rahmen der Studie nach der
Wichtigkeit verschiedener gesellschaftlicher Probleme befragt -
hierbei zeigte sich, dass der Grad der gefühlten persönlichen
Betroffenheit ausschlaggebend für das Ranking der einzelnen Nennungen
war. Arbeitslosigkeit gilt hier selbst in einer leistungsstarken und
gut ausgebildeten Gruppe wie den Nachwuchskräften als das drängendste
Problem, 89 Prozent der Befragten halten es für sehr wichtig. Die
Überalterung der Gesellschaft (88 Prozent) sowie die Probleme der
gesetzlichen Rentenversicherung (87 Prozent) und die
Staatsverschuldung (82 Prozent) stehen ebenfalls auf der Liste der
Nennungen ganz oben. "Arbeit, Veränderungen in der Arbeitswelt, das
ist ja viel unmittelbarer und betrifft mich im Moment eher als die
Frage von Terrorismus oder Klima" (Trainee Großbank, 26 Jahre).

Optimismus: Nord-Süd-Konflikt gilt als leicht lösbar

Deutlich weniger Gewicht auf der Skala der gesellschaftlichen
Probleme werden dagegen den negativen Auswirkungen der EU-Erweiterung
(58 Prozent) oder dem Nord-Süd-Konflikt (46 Prozent) beigemessen.
Hier sind die jungen Manager weitgehend optimistisch: Den
Nord-Süd-Konflikt hält jeder Zweite für lösbar oder gar leicht
lösbar, 56 Prozent der Befragten sind hinsichtlich der Bewältigung
der Folgen der EU-Erweiterung äußerst optimistisch.

Mehr als 25 Prozent aller Befragten planen eine Karriere im
Ausland

Die kommende Generation von Führungskräften sieht ihre Zukunft
nicht mehr unbedingt in Deutschland. Mehr als 25 Prozent der
Nachwuchsmanager planen eine Karriere außerhalb Deutschlands.
Elementare Voraussetzungen hierfür bringt der Nachwuchs ohnehin mit:
Neben der Muttersprache sprechen die Befragten durchschnittlich zwei
Fremdsprachen, gerade einmal fünf Jungmanager gaben an, nur die
Muttersprache zu beherrschen. 93 Prozent der Nachwuchskräfte haben
das Abitur, drei von vier Befragten können ein abgeschlossenes
Studium vorweisen: "Wir haben mittlerweile Bewerber, die waren in
China, Nairobi und Islamabad, sind super qualifiziert und haben mit
Anfang dreißig bereits unglaublich viel erlebt. Das war früher noch
nicht mal im Traum denkbar oder notwendig" (Direktor
Personalentwicklung Großkonzern, 39 Jahre).

Wirtschaftsstandort Deutschland: Mehrheit der Nachwuchskräfte
zuversichtlich

Die naheliegende Vermutung, die Nachwuchskräfte orientierten sich
in Richtung Ausland, da sie der wirtschaftlichen Entwicklung oder der
politischen Stabilität in Deutschland nicht trauten, trifft nicht zu:
Eine deutliche Mehrheit der zukünftigen Führungsgeneration blickt
voller Zuversicht auf den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Beachtliche 51 Prozent der Befragten geben der gegenwärtigen
Wirtschaftslage die Note "gut bis sehr gut", nur sechs Prozent stufen
sie als "schlecht" ein. Ähnlich verhält es sich mit der Beurteilung
der Stabilität des demokratischen Systems in Deutschland: 84 Prozent
halten das System für ausgesprochen gesund. Die Einschätzung der
Wirtschaftslage oder der politischen Stabilität spielt dabei für die
persönliche Lebensplanung meist keine Rolle.

Balance zwischen Arbeit und Privatleben

Für ihr berufliches Fortkommen sind die Nachwuchskräfte bereit,
erhebliche Einschränkungen im Privatleben in Kauf zu nehmen - dennoch
spielen Familie und persönliche Beziehungen eine bedeutende Rolle.
Die Vorstellung, dass beruflicher Erfolg Defizite im privaten Bereich
wettmache, findet offensichtlich keinen breiten Konsens mehr. Der
Wunsch nach einer sogenannten "Work-Life-Balance", einem
Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben, wird von der Mehrzahl
der Nachwuchsführungskräfte als wichtig angesehen. "Ich kenne einen
Kollegen, der hat einen Burn-out mit Mitte dreißig. Es ist
erschreckend, so etwas zu sehen. Das ist ja kein Beinbruch, der
morgen wieder weg ist" (Trainee Servicebereich Automobilunternehmen,
24 Jahre).

Die YES-Studie "Wie die Manager von morgen die Zukunft der
Gesellschaft sehen" von PwC können Sie ab 13. Juni 2007 kostenfrei
herunterladen unter: www.pwc.de

Hinweis für die Redaktion:

Die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist
in Deutschland mit 8.100 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von
rund 1,2 Milliarden Euro eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und
Beratungsgesellschaften. An 28 Standorten arbeiten Experten für
nationale und internationale Mandanten jeder Größe. PwC bietet
Dienstleistungen an in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und
prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie
in den Bereichen Transaktions-, Prozess- und Krisenberatung
(Advisory).

Originaltext: PwC PriceWaterhouseCoopers
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=8664
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_8664.rss2

Pressekontakt:
Oliver Heieck
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Corporate Communications
Tel.: (069) 9585 - 1074
E-Mail: oliver.heieck@de.pwc.com
 
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