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Stuttgarter Zeitung: IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel über die geplanten Streiks und Lohndumping: Kollateralschäden in der Bauindustrie möglich

Geschrieben am 09.06.2007 - [Nächster Artikel]

Stuttgart (ots) - STUTTGART. Der geplante Streik bei
Baugewerbebetrieben in Niedersachsen und Schleswig-Holstein wird auch
die Bauindustrie treffen. "Es kann dort zu Kollateralschäden kommen,
wo die Industrie und das Handwerk gemeinsame Baustellen haben", sagte
der Vorsitzende der Baugewerkschaft (IG Bau), Klaus Wiesehügel, im
Interview der "Stuttgarter Zeitung" (Samstagausgabe). Es werde nicht
gehen, dass die eine Hälfte der Baustelle streike, während die andere
Hälfte weiterarbeite. "Das werden die Kollegen aus der Industrie
nicht machen. Aus Solidarität werden sie mitstreiken", kündigte
Wiesehügel an. Rechtlich sei das gedeckt, da die Friedenspflicht
gegenüber allen Unternehmen aufgehoben sei.
Die IG Bau will die Arbeitgeberverbände in Niedersachsen und
Schleswig-Holstein zwingen, die Schlichtungsvereinbarung
anzuerkennen. Von den Arbeitsniederlegungen könnten auch Baustellen
in den anderen Bundesländern betroffen sein. Ein bundesweiter
Flächenstreik sei aber nicht geplant, so Wiesehügel. Es bleibe bei
dem Regionalbezug.
Der Vorsitzende zeigt sich bereit für Gespräche mit den abweichenden
Baugewerbeverbänden, lehnt Veränderungen am Schlichtungsergebnis
jedoch ab. "Das geht schlichtweg nicht, weil dann die Zusicherung der
anderen Verbände inklusive Ostdeutschland neu eingeholt werden
müsste", sagte er. Jede Veränderung würde bundesweit gelten. "Dann
käme der Nächste, dem das Ganze nicht gefällt. So etwas kann ich
nicht zulassen." Ein Flächentarifvertrag mit der Bauindustrie und dem
Bauhandwerk könne sich nur auf die Mehrheit der Beteiligten stützen.
Der Hauptgeschäftsführer des niedersächsischen Verbandes, Hans Espel,
der eine neue Öffnungsklausel gefordert hatte, nehme sich zu wichtig,
kritisierte Wiesehügel. "Wir haben einen Schlichtungsspruch für ganz
Deutschland gemacht, der von allen Beteiligten unterschrieben wurde.
Jetzt kann nicht ein Hauptgeschäftsführer, der ein erbitterter Gegner
der Flächentarifverträge ist, unerfüllbare Forderungen an uns
richten."

Mit Blick auf immer mehr Fälle von Lohndumping im
Reinigungsgewerbe warf der Gewerkschaftsvorsitzende den Politikern
vor, die Ausbeutung von Arbeitnehmern zu fördern. "Die Verkommenheit
bei den Unternehmern ist ein Produkt von Politik", betonte er. "Sie
werden geradezu ermuntert, Arbeit zu niedrigsten Löhnen anzubieten,
weil es im Grunde eine soziale Tat sei." Wenn politisch die Richtung
Niedriglohn eingeschlagen werde und "solche dummen Parolen wie
,Sozial ist, was Arbeit schafft' geprägt werden, dann ist das ein
Signal an die Arbeitgeber, wonach Arbeit für jeden Preis zu haben
ist". Das sei besonders in den Bereichen zu spüren, wo die
Gewerkschaften nicht so durchsetzungsstark seien. Wiesehügel: "Die
Politik ist ein großes Stück dafür verantwortlich, dass Deutschland
zum Lohndumpingland geworden ist."

Originaltext: Stuttgarter Zeitung
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=48503
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_48503.rss2

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