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Booz Allen Hamilton Studie: Europäische CEOs im internationalen Vergleich am stärksten gefährdet - Fluktuationsquote mit 15,4% auf Rekordhoch

Geschrieben am 22.05.2007 - [Nächster Artikel]

München (ots) -

- Mangelnde Umsetzung von Corporate Governance
- Rund ein Drittel aller europäischen Vorstandswechsel durch
Merger bedingt
- Zahl der Abgänge in Telekommunikationsbranche fast verdoppelt
- Druck von Investoren und Aufsichtsräten auf Unternehmenslenker
nimmt zu

Die jüngsten spektakulären Wechsel an der Spitze europäischer
Unternehmen, insbesondere in Deutschland, spiegeln einen
grundsätzlichen Wandel in der Beziehung zwischen CEO, Aufsichtsrat
und Investoren wider. Zusätzlich fordern vor allem zahlreiche
Übernahmen und Merger sowie stetig steigende Anforderungen an die
Unternehmenslenker ihren Tribut. Dies belegt die aktuelle CEO
Succession-Studie der internationalen Strategie- und
Technologieberatung Booz Allen Hamilton. Weltweit nahmen 14,3% aller
CEOs ihren Hut (2005: 15,5%). Diese gemilderte Entwicklung gilt
allerdings nur für USA und Asien. In Europa dagegen stiegen die
Zahlen auf das Rekordniveau von 15,4%. Auch im deutschsprachigen Raum
kletterte die Wechselquote von 9,7% (2005) auf 10,7% im abgelaufenen
Jahr. "Im vergangenen Jahr hat sich ein Trend zu vermehrten Wechseln
an der Unternehmensspitze abgezeichnet. Dieser setzt sich aktuell
weiter fort", sagt Dr. Klaus-Peter Gushurst, Senior Partner bei Booz
Allen.

Drei Gründe nennt die Booz Allen-Studie: Der Leistungsdruck
insbesondere auf deutsche CEOs wächst. Darüber hinaus nehmen
hierzulande Merger und damit die Unsicherheit bei den Top-Managern
zu. Weiterhin sind sie gezwungen, immer mehr internationale
Kontrollstandards anzuwenden: "Allerdings wird die Schwäche vieler
deutscher Unternehmenslenker bei der strikteren Umsetzung von
Corporate Governance dazu führen, dass künftig mehr international
erfahrene Führungskräfte entsprechende Positionen in deutschen
Konzernen besetzen", so der Experte Dr. Gushurst weiter. Die
intensivere Auseinandersetzung mit globalen Governance- und
Compliance-Themen ist in Zukunft unabdingbar und wurde im
deutschsprachigen Raum bislang unterschätzt.

Übernahmen treiben Wechselhäufigkeit

Den jüngsten internationalen Unternehmensübernahmen, so ein
markantes Ergebnis der Studie, fallen immer mehr CEOs zum Opfer.
Demnach nahm 2006 die Zahl jener Topmanager auffällig zu, die
aufgrund eines Mergers, einer Übernahme oder eines Buy outs gehen
mussten. Ihr Anteil an den personellen Wechseln betrug 2006 weltweit
22%, 4% mehr als im Jahr zuvor. Ein Vergleich verdeutlicht die
Dynamik: Noch 2003 lag die Rate bei 11%. In Europa erreichten durch
Merger beeinflusste Wechsel mit 27,3% aller Abgänge den höchsten
Stand seit Beginn der Untersuchung 1995. Auch in Deutschland,
Österreich und der Schweiz machte die Rate in nur einem Jahr einen
Sprung von 17% auf 22%. "Die Fluktuation wird durch die zunehmende
Aktivität von Kapitalanlagegesellschaften und anderen Investoren
weiter steigen", so Dr. Gushurst. "Dabei fungieren insbesondere
Private-Equity-Player und Hedgefonds für ehemalige Vorstandschefs als
attraktive Alternative zur Position eines CEOs."

Performance-getriebene Wechsel haben damit seit 1995 um 318%
zugenommen. Nur 46% aller Veränderungen im Top-Management erfolgten
wirklich geplant, die niedrigste Rate über den gesamten
Untersuchungszeitraum der Studie. Die Wahrscheinlichkeit, langfristig
als CEO zu bestehen, hängt also immer stärker von der Leistung ab.
Beispiel USA: Noch 1995 war der Anteil der CEOs, die sich über sieben
Jahre im Amt hielten, bei schlecht wirtschaftenden CEOs etwa gleich
so hoch wie bei überdurchschnittlich wirtschaftenden. Jeweils rund
60% beider Performance-Gruppen erfreuten sich einer hohen
Verweildauer. Deutlich anders 2006: Von CEOs mit
überdurchschnittlicher Performance blieb rund jeder Zweite über
sieben Jahre im Job. Von Kollegen, die unterdurchschnittlich
wirtschafteten, konnte dagegen nur rund jeder Vierte seinen Posten so
lange halten.

Riskanteste Branche für CEOs: Telekommunikation

Die größte Wechselhäufigkeit besteht international im
Telekommunikationssektor (23,5%). Die Zahl der Abgänge hat sich dort
gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt. Im deutschsprachigen Raum
schnellte der Anteil der Wechsel sogar von 17% (2005) auf 50% (2006).
Global folgen in der Liste der gefährlichsten Branchen die Versorger
und der Gesundheitssektor mit jeweils 17,8%. Die
Informationstechnologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz
liegt erneut (17%) auf dem zweiten Platz. Auf Rang drei folgen
Banken, Versicherungen und andere Finanzdienstleister (15%).

Veränderte Rollen für Aufsichtsrat und CEO

Dass der Druck auf CEOs in Europa besonders hoch ist, belegt die
Verweildauer der Unternehmenslenker im Amt. Sie verkürzte sich in
Europa auf 5,7 Jahre und damit auf die kürzeste Frist seit 1998. Im
deutschsprachigen Raum sank der Wert von 8,3 auf 4,7 Jahre.

Die Berufung Externer als CEOs (Outsider) ist stark
zurückgegangen. Sie stieg von 1995 bis 2003 weltweit rasant von 14%
auf 30%. 2006 ist die Quote wieder auf 18% gesunken. Offenbar legen
Aufsichtsräte stärker Wert auf eine geregelte Nachfolge aus den
eigenen Reihen - geeignete Kandidaten werden gezielt und langfristig
aufgebaut.

Wer es als CEO bei der Umsetzung der Grundsätze für eine gute und
verantwortungsvolle Unternehmensführung nur bei Lippenbekenntnissen
belässt, das ist das Resümee der Studie, scheitert langfristig.
"Corporate Governance- und Compliance-Regeln greifen mittlerweile
nachhaltig. Anfangs eher geschaffen, um einzelne, extreme Fälle von
Missmanagement einzudämmen, verändern sie nun schrittweise
Führungskultur und -strukturen auf globaler Ebene", so Dr. Gushurst.
Zudem hätten die bekannten Fälle insbesondere in Deutschland die
Sensibilität hierfür deutlich erhöht und bei vielen Unternehmen
entsprechende Diskussionen ausgelöst.

Aufschlussreich ist eine Analyse der internationalen Fälle, in
denen dem Ausscheiden Konflikte mit dem Aufsichtsrat vorangehen. Ihre
Zahl stieg global von 2% in 1995 auf 11% in 2006. In Europa wurden
2006 sogar 22% aller Wechsel durch solche Konflikte beeinflusst. Wie
die Studie zeigt, ordnen sich Selbstverständnis und Aufgabenteilung
aller an der Unternehmensführung beteiligten Kräfte neu. Investoren
beanspruchen aktiv gemanagte Aufsichtsratsmandate und wollen in
strategische Entscheidungen eingebunden werden. Die bislang eher
homogene, konsensorientierte Struktur in Aufsichtsräten bricht auf,
plurale Interessen treffen aufeinander. Mandatsträger sind
herausgefordert, Unternehmensstrategie und -performance zu
diskutieren und ggf. durch aktive Vorschläge zu korrigieren. Für
Aufsichtsräte erfordert dies eine engere Auseinandersetzung sowie
einen Dialog mit wichtigen Bezugsgruppen wie Kunden, Partnern,
Lieferanten und Mitarbeitern. Noch eine markante Zahl aus der Studie:
In Europa nahm die Zahl der Aufsichtsräte, die zuvor CEO waren,
zwischen 1995 und 2006 von 61% auf 23% ab!

Neuer Typus des Unternehmenslenkers

Für CEOs sind weitere, neue Fähigkeiten gefragt. "In erster Linie
müssen sie künftig multilaterale Kräfte wie Investoren, Mitarbeiter
und Politik stärker in ihre Arbeit integrieren", so Dr. Gushurst. Sie
bilden ein wichtiges Sensorium, um Chancen und Risiken für das
Unternehmen früh zu erkennen und es strategisch entsprechend
auszurichten. "Entscheidend für das Firmenwohl wie auch für eine
konstruktive Zusammenarbeit der lenkenden Kräfte ist", so Dr.
Gushurst weiter, "eine klare Aufgabenteilung. Die Erarbeitung der
Unternehmensstrategie ist und bleibt originäre Aufgabe des CEO." Er
sei gut beraten, den Aufsichtsrat bereits stärker bei der Planung
einzubeziehen. Zudem muss das Thema Governance und Compliance durch
den CEO und Aufsichtsratschef permanent auf der Tagesordnung bleiben.
"In Zukunft wird die Vertrauensbildung und aktive Zusammenarbeit
zwischen CEO und Aufsichtsrat erheblich an Gewicht gewinnen", betont
Dr. Gushurst.

Das laufende Jahr wird spannend: "Wir sind beim Selbstverständnis
der Unternehmensführer und der Aufgabenverteilung der CEOs
international an einem Wendepunkt", sagt Dr. Gushurst. "Jetzt muss
mit Bedacht und Weitsicht der richtige Weg eingeschlagen werden."

Zur vorliegenden Untersuchung

Booz Allen Hamilton untersuchte in der Studie "CEO Succession
2006" die 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen sowie
die Entlassungsgründe von 357 CEOs. Für den deutschsprachigen Raum
wurden ergänzend die 300 größten Unternehmen in dieser Region
analysiert. Es flossen sowohl die Performance der Unternehmen zum
Zeitpunkt der Ablösung als auch die Art und Weise des Ausscheidens
des CEO ein. Aussagen über Trends und Entwicklungen beziehen sich auf
die bereits vorgelegten Booz Allen-Studien zu CEO-Ablösungen aus den
Jahren 1995, 1998, sowie die jährlichen Studien ab 2000.

Über Booz Allen Hamilton

Booz Allen Hamilton ist mit mehr als 19.000 Mitarbeitern und Büros
auf sechs Kontinenten die weltweit führende Strategie- und
Technologieberatung. Das Unternehmen befindet sich im Besitz seiner
rund 300 aktiven Partner. Sechs Büros sind im deutschsprachigen Raum:
Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, München, Wien und Zürich. Der Umsatz
beläuft sich weltweit auf 4 Mrd. US$, im deutschsprachigen Raum auf
229 Mio. Euro.

Originaltext: Booz Allen Hamilton
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=44015
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_44015.rss2

Pressekontakt:
Harald Ehren
Marketing & Communications
Tel.: +49/89 / 54 52 5 260
Fax: +49/89 / 54 52 5 602
Email: ehren_harald@ne.bah.com
 
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