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Leipzig (ots) - Von Thilo Boss Im Prinzip konnte es sich jeder an seinen fünf Fingern abzählen: Wenn ein Vorstandschef immer wieder ausposaunt, er prüfe alle Optionen, auch den Verkauf der angeschlagenen Tochter, ist dies Indiz dafür, dass der Handel eigentlich schon beschlossene Sache ist. Im Fall Daimler und Chrysler scheint es so gewesen zu sein. Öffentlich ließ Dieter Zetsche alles offen, hinter den Kulissen zurrte er mit Finanzinvestor Cerberus alles fest - in weniger als sechs Monaten und weit vor Ablauf der selbst gesetzten Jahresfrist, die sich der Konzern zur Sanierung des US-amerikanischen Automobilbauers gesteckt hatte. Im Ergebnis regiert damit demnächst bei Chrysler in Detroit eine Heuschrecke, und in Stuttgart ist Zetsche eine große Last los. Und für mehr als fünf Milliarden Euro Bruttoeinnahmen endet jetzt eine strategische Irrfahrt des schwäbischen Konzerns und führt den Stern dahin zurück, wo er mit Edzard Reuter an der Spitze vor 20 Jahren startete: zum Kerngeschäft. Die Bilanz seit September '87 fällt allerdings niederschmetternd aus. Bei Deutschlands einstigem Muster-Unternehmen haben die Lenker und Denker mit konzeptionellen Schwenks in der Zwischenzeit Milliarden verbrannt. Während Reuter die Stuttgarter zum Technologiekonzern aufrüsten wollte, visionierte Nachfolger Jürgen Schrempp über die Welt AG. Bestand davon hat fast nichts mehr. Überlebt haben lediglich ein paar Beteiligungen, etwa bei EADS und bald auch bei Chrysler. Doch auf der Strecke geblieben sind namhafte Unternehmen wie AEG, MTU, Fokker oder Dornier. Jobverluste inklusive. Und wenn das nicht schon schlimm genug wäre, haben sich ganz nebenbei BMW und Audi auch noch zu ernsthaften Konkurrenten gemausert. Aber wie heißt es schon in der Bibel, wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein. Reuter und Schrempp hatten zumindest Visionen und waren auch irgendwie Kinder ihrer Zeit, in denen Management-Trends zwischen Diversifizierung und Rückbesinnung auf das Kerngeschäft Konjunktur hatten. Nichts anderes nämlich ist im Wesentlichen auch Schrempps Idee, nach der Autos mit Hilfe von Image und Blaupausen aus dem Ländle auf allen ökonomisch prosperierenden Erteilen produziert werden. Zusammen mit Chrysler und Mitsubishi wollte Zetsches Vorgänger so die Welt erobern. Die Frage, die dahinter steckt, ist in der Zeit der Globalisierung aktueller denn je: Kann ein Konzern mittlerer Größe allein existieren oder wird er irgendwann einmal selbst Opfer eines feindlichen Angriffs aus dem Ausland - wie es seinerseits Mannesmann mit Vodafone ergangen war? Die Antwort ist einfach: Ja, er kann. Bei den Autoproduzenten hat es BMW nach seinem Rover-Abenteuer eindrucksvoll vorgemacht, beim Stahl ThyssenKrupp, in der Energie RWE und in der Chemie Linde. Den Königsweg gibt es also nicht. Das zeigt zudem Toyota. Die Japaner schicken sich gerade an, nur durch organisches Wachstum den automobilen Olymp zu erklimmen. Die überwiegende Mehrzahl der Fusionen und Übernahmen jedenfalls schlägt fehl. Insofern macht Zetsches Rückbesinnung Sinn, wenn die Daimler-Leute wieder das machen, was sie am besten können: exklusive Autos bauen.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=6351 Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_6351.rss2
Pressekontakt: Rückfragen bitte an: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558
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