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LVZ: Rückbesinnung

Geschrieben am 14.05.2007 - [Nächster Artikel]

Leipzig (ots) - Von Thilo Boss
Im Prinzip konnte es sich jeder an seinen fünf Fingern abzählen: Wenn
ein Vorstandschef immer wieder ausposaunt, er prüfe alle Optionen,
auch den Verkauf der angeschlagenen Tochter, ist dies Indiz dafür,
dass der Handel eigentlich schon beschlossene Sache ist. Im Fall
Daimler und Chrysler scheint es so gewesen zu sein. Öffentlich ließ
Dieter Zetsche alles offen, hinter den Kulissen zurrte er mit
Finanzinvestor Cerberus alles fest - in weniger als sechs Monaten und
weit vor Ablauf der selbst gesetzten Jahresfrist, die sich der
Konzern zur Sanierung des US-amerikanischen Automobilbauers gesteckt
hatte. Im Ergebnis regiert damit demnächst bei Chrysler in Detroit
eine Heuschrecke, und in Stuttgart ist Zetsche eine große Last los.
Und für mehr als fünf Milliarden Euro Bruttoeinnahmen endet jetzt
eine strategische Irrfahrt des schwäbischen Konzerns und führt den
Stern dahin zurück, wo er mit Edzard Reuter an der Spitze vor 20
Jahren startete: zum Kerngeschäft.
Die Bilanz seit September '87 fällt allerdings niederschmetternd aus.
Bei Deutschlands einstigem Muster-Unternehmen haben die Lenker und
Denker mit konzeptionellen Schwenks in der Zwischenzeit Milliarden
verbrannt. Während Reuter die Stuttgarter zum Technologiekonzern
aufrüsten wollte, visionierte Nachfolger Jürgen Schrempp über die
Welt AG. Bestand davon hat fast nichts mehr. Überlebt haben lediglich
ein paar Beteiligungen, etwa bei EADS und bald auch bei Chrysler.
Doch auf der Strecke geblieben sind namhafte Unternehmen wie AEG,
MTU, Fokker oder Dornier. Jobverluste inklusive. Und wenn das nicht
schon schlimm genug wäre, haben sich ganz nebenbei BMW und Audi auch
noch zu ernsthaften Konkurrenten gemausert.
Aber wie heißt es schon in der Bibel, wer ohne Fehler ist, der werfe
den ersten Stein. Reuter und Schrempp hatten zumindest Visionen und
waren auch irgendwie Kinder ihrer Zeit, in denen Management-Trends
zwischen Diversifizierung und Rückbesinnung auf das Kerngeschäft
Konjunktur hatten. Nichts anderes nämlich ist im Wesentlichen auch
Schrempps Idee, nach der Autos mit Hilfe von Image und Blaupausen aus
dem Ländle auf allen ökonomisch prosperierenden Erteilen produziert
werden. Zusammen mit Chrysler und Mitsubishi wollte Zetsches
Vorgänger so die Welt erobern. Die Frage, die dahinter steckt, ist in
der Zeit der Globalisierung aktueller denn je: Kann ein Konzern
mittlerer Größe allein existieren oder wird er irgendwann einmal
selbst Opfer eines feindlichen Angriffs aus dem Ausland - wie es
seinerseits Mannesmann mit Vodafone ergangen war?
Die Antwort ist einfach: Ja, er kann. Bei den Autoproduzenten hat es
BMW nach seinem Rover-Abenteuer eindrucksvoll vorgemacht, beim Stahl
ThyssenKrupp, in der Energie RWE und in der Chemie Linde. Den
Königsweg gibt es also nicht. Das zeigt zudem Toyota. Die Japaner
schicken sich gerade an, nur durch organisches Wachstum den
automobilen Olymp zu erklimmen. Die überwiegende Mehrzahl der
Fusionen und Übernahmen jedenfalls schlägt fehl. Insofern macht
Zetsches Rückbesinnung Sinn, wenn die Daimler-Leute wieder das
machen, was sie am besten können: exklusive Autos bauen.

Originaltext: Leipziger Volkszeitung
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=6351
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_6351.rss2

Pressekontakt:
Rückfragen bitte an:
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Telefon: 0341/218 11558
 
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