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Booz Allen Hamilton Untersuchung zum internationalen Gasmarkt: Wachstumsprognosen zu optimistisch

Geschrieben am 03.05.2007 - [Nächster Artikel]

München (ots) -

Über ein Drittel des für Europa prognostizierten Gasverbrauchs
steht zur Diskussion / Investitionen in Gasinfrastruktur von bis
zu 400 Mrd. Euro in Frage gestellt / Aktuelle CO2-Diskussion hat
wesentlichen Einfluss auf zukünftiges Nachfragewachstum / Anbieter
und Kunden können Markt nur gemeinsam stabilisieren

Die bislang optimistischen Vorhersagen zum Gasverbrauch in Europa
müssen nach einer Analyse der internationalen Strategie- und
Technologieberatung Booz Allen Hamilton weitaus differenzierter
betrachtet werden: Für 2030 sind bis zu 37% des europäischen
Gasverbrauchs, das entspricht 350 Milliarden Kubikmeter, an zu eng
gefasste Szenarien geknüpft. Deren Eintritt ist im Augenblick alles
andere als sicher. Diese 37% entsprechen einem jährlichen
Umsatzvolumen von 75 bis 80 Mrd. Euro, dem fünffachen Wert der
geplanten durchschnittlichen jährlichen Investitionssumme in den
europäischen Gasmarkt. Die Erwartungen zeigen große nationale
Differenzen, die auf unterschiedlichste Faktoren zurückgehen. Der
prognostizierte Gasverbrauch, an den auch entsprechende Investitionen
geknüpft sind, tritt vor allem in Ländern mit aggressiven
Expansionsplänen bei der Nutzung von Gas nicht ein. Hierzu zählen
insbesondere Deutschland, Italien und Großbritannien. "Die
optimistischen Wachstumsprognosen für Gas in Europa sind trotz des
unbestritten großen Potenzials im Vergleich zu anderen fossilen
Rohstoffen überzogen", sagt Dr. Walter Wintersteller, Geschäftsführer
und Energieexperte bei Booz Allen Hamilton.

Gas gegenüber anderen Rohstoffen benachteiligt

Das größte Problem ist laut der Analyse die Wirtschaftlichkeit von
Gas im Vergleich zu alternativen Brennstoffen. "Der Gaspreis ist an
den Ölpreis gebunden - und sein derzeit hohes Niveau macht sowohl die
Errichtung als auch den Betrieb der Gaskraftwerke unrentabel", so
Wintersteller. Der Betrieb von Gaskraftwerken wird durch die
Wettbewerbsfähigkeit der variablen Kosten, in die neben dem
Brennstoff vor allem auch die Kosten für Emissionen von
Treibhausgasen eingehen, bestimmt. Obwohl bei der Verbrennung von Gas
deutlich (ca. 50%) weniger CO2 als bei der Verbrennung von Steinkohle
entsteht, ist Gas bei derzeitigen Preisprognosen stark benachteiligt.
Erst bei einem Anstieg der CO2-Kosten auf über 45 Euro pro Tonne, das
entspricht mehr als dem Zwei- bis Dreifachen der derzeitigen mittel-
und langfristigen Markterwartungen, sind die Kosten der
Stromerzeugung durch Gas gleichauf mit denen der Stromversorger.

Investitionen in Gasinfrastruktur ohne Grundlage

Angesichts der enormen Bandbreite bei den Prognosen zum Gasabsatz
sind langfristige Investitionen in die europäische Gas-Infrastruktur
- bis zu 400 Mrd. Euro in den nächsten 25 Jahren - in Frage gestellt.
So ergibt die Studie, dass davon nicht allein neue Projekte, wie die
Ostsee-Pipeline oder die Erdgaspipeline Nabucco von der Türkei bis in
das Verteilerzentrum der österreichischen OMV betroffen sind. Die
Rentabilität zahlreicher Flüssiggasterminals, die Europa Zugang zu
neuen Gasquellen, wie zum Beispiel in Qatar oder Nigeria ermöglichen,
wäre ebenfalls nicht mehr gesichert.

Verbrauchsprognosen der Industrie unsicher, Privatnachfrage
stagniert

Die Verbrauchsprognosen energieintensiver Branchen wie der
Papier-, Stahl- oder Chemieindustrie stehen nach Analyse des Booz
Allen Hamilton-Experten ebenfalls zur Diskussion. "Nach unseren
Schätzungen könnte ein Viertel der prognostizierten Gasnachfrage aus
diesem Marktsegment bis 2030 nicht realisiert werden", erklärt
Wintersteller. Denn bei Industriekunden stehen niedrigere
Energiekosten ganz oben auf der Management-Agenda. So kann es sein,
dass der Gasverbrauch durch energiesparende Produktionsverfahren
gesenkt und der gesamte Energiemix durch neue Prozesse völlig
umgestellt wird. Die zukünftige Nachfrage der Haushaltskunden ist
hingegen überwiegend stabil, denn sie haben nur wenige Alternativen
zu Gas. Viele Verbraucher fürchten zudem schlicht die Kosten, die mit
der Umstellung auf ein anderes Heizungssystem verbunden wären. Neben
dem Trend zur Nutzung erneuerbarer Energien spricht die Tatsache,
dass viele Privathaushalte in Europa gar nicht an ein Gasnetz
angeschlossen sind, für wenig oder gar kein Wachstum der Nachfrage
nach Gas.

Gemeinschaftliches Vorgehen von Produzenten und Verbrauchern

Booz Allen Hamilton empfiehlt eine engere Kooperation zwischen
Anbietern und Verbrauchern, etwa durch Joint Ventures zum Bau
gasbasierter Stromwerke. Erste Projekte, wie ein 800 MW Gaskraftwerk
der Gazprom in Zusammenarbeit mit Soteg in Eisenhüttenstadt, sind
bereits angekündigt. Gasproduzenten erlangen dadurch direkten Zugang
zum Strommarkt und profitieren vom Know-how etablierter
Stromerzeuger. Diese können dadurch einen Teil des Risikos,
unrentable Kraftwerke gebaut zu haben, abgeben. Ein wesentlicher
Treiber für die Wettbewerbsfähigkeit von Gas und damit essenziell für
die Erreichung des bislang prognostizierten Verbrauchsanstieges ist
die Gestaltung der CO2-Regelungen für Gas im Vergleich zu allen
anderen fossilen Brennstoffen. Die staatlichen Institutionen können
durch verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen einen
wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die erforderlichen
Investitionen in die Gasinfrastruktur und die Stromerzeugung
realisiert werden.

Booz Allen Hamilton ist mit mehr als 19.000 Mitarbeitern und Büros
auf sechs Kontinenten die weltweit führende Strategie- und
Technologieberatung. Das Unternehmen befindet sich im Besitz seiner
rund 300 aktiven Partner. Sechs Büros sind im deutschsprachigen Raum:
Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, München, Wien und Zürich. Der Umsatz
beläuft sich weltweit auf 4 Mrd. USD, im deutschsprachigen Raum auf
229 Mio. Euro (Client Billings der Booz Allen Hamilton Gesellschaften
im deutschsprachigen Raum).

Originaltext: Booz Allen Hamilton
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=44015
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_44015.rss2

Pressekontakt:
Robert Ardelt
Marketing & Communications
Tel.: 089 / 54 52 5 529 oder 0173/922 77 529
Fax: 089 / 54 52 5 602
Email: ardelt_robert@bah.com
Internet: www.boozallen.de
 
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