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Stromhandel unterliegt noch vielen Hürden

Geschrieben am 26.04.2007 - [Nächster Artikel]

Frankfurt am Main (ots) -

Sprachbarrieren, Lizenzprozeduren, Informationslücken -
Strommärkte leiden unter vielerlei Zugangsbarrieren / Deutschland
hat für Stromhändler die höchste Attraktivität

Innerhalb der Region Mittel- und Osteuropa bietet Deutschland die
besten Voraussetzungen für den Stromhandel. Das gilt sowohl für die
Marktgröße und -struktur als auch für die staatlichen
Rahmenbedingungen, stellt die neue Studie "Impediments to Electricity
Trading in Central and Eastern Europe" der Wirtschaftsprüfungs- und
Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) fest. Deutschland
und Österreich sind danach die offensten Strommärkte mit den
geringsten staatlichen Restriktionen der Region. Die Studie beruht
auf Befragungen von 39 europäischen Stromhandelsunternehmen, die in
Deutschland, Österreich, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien
und Ungarn aktiv sind.

Fazit der Untersuchung: Generell tun sich die osteuropäischen
EU-Neulinge schwerer mit einem freien Strommarkt als Österreich und
Deutschland. "Das ist nicht weiter erstaunlich - schließlich sind
diese Länder immer noch dabei, ihre planwirtschaftliche Vergangenheit
zu bewältigen", meint Christian Liebaug, Partner bei PwC im Bereich
Utilities & Regulation. Aber: "Sie sollten sich intensiv bemühen, die
Hindernisse gerade in der Energiewirtschaft möglichst schnell aus dem
Weg zu räumen. Denn ein über die Grenzen hinweg funktionierender
Strommarkt ist wesentlicher Baustein einer preiswerten und sicheren
Versorgung, von der die gesamte Wirtschaft profitiert."

Als besonders hoch empfinden die Stromhändler die bürokratischen
und regulatorischen Hürden in Polen und Ungarn. Beide Länder halten -
beabsichtigt oder nicht - zudem die Sprachbarriere hoch: Hier gibt es
die wenigsten Informationen zum Strommarkt in Englisch, der "lingua
franca" der Energiemärkte. Auch in Slowenien und Tschechien empfinden
die Unternehmen diesen Mangel als Marktzugangs-Hindernis. "Nur ein
freier, allen Marktteilnehmern zugänglicher Informationsfluss
gewährleistet jenes Maß an Transparenz, das für einen
funktionierenden Markt unabdingbar ist", ermahnt Liebaug die
Ministerien und Regulatoren, die in den einzelnen Ländern für die
Rahmenbedingungen verantwortlich sind.

Ungarn tut sich zudem damit hervor, dass es für den Stromhandel
Lizenzen verlangt, die aber nur schwer zu erlangen sind. In
Slowenien, der Slowakei und Tschechien stehen den Händlern ebenfalls
Lizenzprozeduren im Weg. Einige Länder fordern sogar, dass lokale
Töchter gegründet und ins Handelsregister eingetragen werden, ehe sie
ausländische Unternehmen zum Stromhandel zulassen. Nicht zuletzt
stehen Ungarn und Polen an der Spitze, wenn es um die
Transaktionskosten - also die Gebühren für Lizenzen, Strombörsen und
Abrechnung des Handels - geht. Deutschland und Österreich bieten hier
die günstigsten Bedingungen.

Erhebliche Unterschiede gibt es auch in den Abläufen der
jeweiligen Strommärkte. Hinderlich empfinden die Stromhändler zum
einen die unterschiedlich komplizierten Regeln des Zugangs zu den
Strombörsen (in Deutschland, Österreich, Polen und Slowenien) und
anderen Handelssystemen. Zum anderen weisen sie auf Mängel in der
zeitlichen Abstimmung des Informationsaustauschs zwischen
Stromerzeugern, Übertragungsnetzbetreibern, Börsen und
Clearingstellen hin, hier ist eine zentrale Voraussetzung für das
Funktionieren des Strommarktes unbefriedigend gelöst.

"Es geht um die Übertragung enormer Datenmengen, die zu bestimmten
Zeiten verfügbar sein müssen, um den Marktteilnehmern rationale
Entscheidungen zu ermöglichen", erläutert Folker Trepte, Partner bei
PwC im Bereich CTS - Energy Trading & Risk Management. "Dieser
Austausch kann nur funktionieren, wenn er nach einem genauen
täglichen Zeitplan erfolgt, der die Erfordernisse aller Beteiligten
berücksichtigt." Freilich: "Der bestorganisierte Datenfluss nützt
nichts, wenn es an Vollständigkeit und Qualität der Daten mangelt.
Und hier signalisiert unsere Studie massive Probleme: Die Händler
erhalten wichtige Daten zur Stromerzeugung, zu Marktpreisen oder zu
grenzüberschreitenden Aktivitäten oft nur unvollständig und
unregelmäßig."

Die Befragung der Händler ergab, dass die deutsche Börse EEX und
die österreichische EXAA bereits als gut koordiniert angesehen
werden, während der slowenischen Borzen und vor allem der polnischen
Polpex noch erhebliches Entwicklungspotenzial zugeschrieben wird. So
halten die Stromhändler denn auch im gegenwärtigen Stadium den
Intraday-Handel, der einen extrem schnellen Datenfluss erfordert, nur
an den Börsen in Deutschland und Österreich für interessant. "Der
Intraday-Handel erfordert einen sehr gut entwickelten Marktplatz.
Dann ermöglicht er sehr schnelle Reaktionen auf die
Marktentwicklungen, zum Beispiel auf Engpass-Situationen", erklärt
Folker Trepte. "Er ist also ein wichtiges Instrument zum
kurzfristigen Ausgleich von Angebot und Nachfrage." Beim
grenzüberschreitenden Engpass-Management liegt Deutschland an der
Spitze vor Österreich und Tschechien. Erheblichen Verbesserungsbedarf
orten die Händler in Slowenien, Ungarn, der Slowakei und Polen.

Ebenfalls als wenig entwickelt beurteilen die
Stromhandelsunternehmen die Ausgleichsenergiemärkte der neuen
EU-Mitgliedsstaaten. Nur in Tschechien erscheint einem knappen
Drittel der Befragten die Preisbildung in diesem Feld marktgesteuert.
In den übrigen vier Ländern sehen sie gar keinen marktgemäßen Ansatz.
Zum Vergleich: In Österreich sind es 100 Prozent, in Deutschland fast
zwei Drittel der Händler, die den Ausgleichsenergiepreisen das
Attribut "marktorientiert" zubilligen.

Eine Grundvoraussetzung des effizienten Datenaustauschs sind nicht
zuletzt kompatible und zuverlässige IT-Systeme sowie einheitliche
Dateiformate. Das sind noch nicht einmal in allen nationalen Märkten
Selbstverständlichkeiten - vor allem Ungarn, Polen und die Slowakei
haben nach Beobachtungen der Stromhändler immer noch
Datenverarbeitungs-Probleme. "Soll der europäische Strommarkt
zusammenwachsen, müssten die nationalen Handelssysteme aber auch
grenzüberschreitend zu einer gewissen Abstimmung kommen", fordert
Folker Trepte. "Es ist unübersehbar: Auf dem Weg zu integrierten
Strommärkten gibt es noch einiges an Harmonisierungsbedarf."

Die Studie "Impediments to Electricity Trading in Central and
Eastern Europe" können Sie bei nachfolgendem Pressekontakt
bestellen.

Originaltext: PwC PriceWaterhouseCoopers
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=8664
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_8664.rss2

Pressekontakt:
Christiane Jungfleisch
Corporate Communications / Presse
Tel.: (069) 95 85 - 15 64
E-Mail: christiane.jungfleisch@de.pwc.com
 
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