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Therapie von Lungenentzündungen: Die geteilte Nation

Geschrieben am 23-04-2007

Berlin/Lübeck (ots) - In der antibiotischen Behandlung von
Lungenentzündungen, die außerhalb des Krankenhauses erworben wurden,
bestehen große regionale Unterschiede: Wer in Berlin an einer solchen
ambulant erworbenen Lungenentzündung (Pneumonie) erkrankt, erhält
eine andere Therapie als beispielsweise ein Patient in Lübeck. Denn
welche Antibiotika zwischen Garmisch und Flensburg verabreicht
werden, ist von Region zu Region verschieden - besonders bei
Patienten im Krankenhaus. Die große Variabilität in der Versorgung
zeigte sich in einer Untersuchung des vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetzes Ambulant
Erworbene Pneumonie (CAPNETZ), die vom Institut für Sozialmedizin der
Universität Lübeck durchgeführt wurde. Daran beteiligt waren neun
klinische Zentren in Deutschland. Die Ergebnisse aus Lübeck
offenbaren darüber hinaus, dass die antibiotische Behandlung
keineswegs immer den Empfehlungen der in Deutschland gültigen
Therapieleitlinien folgt. Als problematisch erweist sich vor allem
der Einsatz von Antibiotika, die gegen viele verschiedene Keime
wirksam sind, sogenannte Breitband-Antibiotika. Sie werden oft zu
früh verabreicht - was jedoch das Risiko der Resistenzentwicklung
gegen diese Medikamente erhöht. Um die Versorgung der Patienten mit
ambulant erworbenen Pneumonien zu verbessern, muss sich die Therapie
stärker an den Empfehlungen der aktuellen Leitlinien orientieren.
Dieses Ziel verfolgt ein von der Bundesärztekammer unterstütztes und
vom CAPNETZ durchgeführtes Projekt zur Einführung der S3-Leitlinie.

EXPERTEN-STATEMENT

Was ist das Fazit Ihrer Untersuchung?
"Im Dienste einer besseren Versorgung der Patienten ist eine
Harmonisierung der Therapie in Anlehnung an die Leitlinien dringend
geboten." Prof. Torsten Schäfer

FORSCHUNGSDETAILS

Bundesweite Analyse
Ziel der Untersuchung des Kompetenznetzes Ambulant Erworbene
Pneumonie (CAPNETZ) war, die gängige Praxis der Antibiotikabehandlung
bei ambulant erworbenen Pneumonien zu bewerten und Faktoren zu
identifizieren, welche die Unterschiede in der Behandlung erklären
könnten. An der Studie beteiligten sich neun klinische Zentren in
Berlin, Bochum, Köln-Bonn, Lübeck, Lüdenscheid, Magdeburg,
Rothenburg, Ulm und Würzburg. Geprüft wurden die Daten von insgesamt
3.221 Patienten im Alter von 18 bis 102 Jahren (das
Durchschnittsalter lag bei 63,9 Jahren). Um die Fälle der einzelnen
Zentren vergleichen zu können, wurden sie nach einheitlichen
diagnostischen Kriterien ausgewählt. Die Behandlungsunterschiede
wurden unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht,
Erkrankungsschwere, chronischen Grunderkrankungen, Rauchen,
ambulanter oder stationärer Behandlung sowie Aufenthalt in einem
Pflegeheim ausgewertet. Dabei ergaben sich zwischen den neun Zentren
markante Behandlungsunterschiede. Besonders ausgeprägt waren diese
bei Krankenhauspatienten.

Dringender Handlungsbedarf

Aktuellen Schätzungen zufolge gehen bei ambulant erworbenen
Pneumonien 30 Prozent aller Todesfälle auf eine nicht angemessene
antibiotische Therapie zurück. Bedeutsam ist dabei vor allem der
Einsatz von Wirkstoffen mit Breitbandspektrum. "Derart potente
Antibiotika sollten nicht als erste Wahl eingesetzt, sondern
zurückgehalten werden, um sich keine Chancen zu verbauen", rät
Professor Torsten Schäfer vom Institut für Sozialmedizin des
Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Zudem besteht aufgrund des
breiten Wirkspektrums die Gefahr, Resistenzen zu züchten. Bereits
jetzt sind 40 Prozent aller Pneumokokken resistent gegen Antibiotika.
Problematisch ist zudem, dass in über der Hälfte der Fälle die
ursächlichen Keime unentdeckt bleiben: Deren Identifikation ist nur
in 30 bis 50 Prozent der Fälle zutreffend. Angesichts dieser Risiken
ist es umso wichtiger, dass die Therapie von ambulant erworbenen
Pneumonien den Leitlinien folgt. Doch die Ausrichtung an den
offiziellen Behandlungsempfehlungen ist laut Schäfer sehr gering.

Die Gründe für die regionalen Unterschiede in der antibiotischen
Behandlung sind laut Schäfer nicht nur auf soziodemographische oder
klinische Faktoren zurückzuführen. Die Ursachen sind auch in örtlich
unterschiedlichen Behandlungsempfehlungen und individuellen
Erfahrungen der behandelnden Ärzte zu suchen. Auch die regionalen
Marketing-Praktiken der pharmazeutischen Industrie könnten einen
Einfluss haben.

HINTERGRUND-INFO

Allgegenwärtige Gefahr
Die außerhalb eines Krankenhausaufenthalts, also ambulant
erworbene Pneumonie (Community Acquired Pneumonia, kurz CAP) ist die
häufigste, potenziell lebensbedrohliche Infektionskrankheit in den
westlichen Industrienationen. Bei 20 Prozent aller Infektionen
handelt es sich um CAP. Zur Häufigkeit in Deutschland liegen bislang
keine exakten Daten vor; sie dürften ähnlich sein wie in den USA:
zwischen sechs und acht pro 1.000 Patienten und Jahr. Die höchsten
Raten werden in den Wintermonaten erreicht. In den meisten Fällen
erfordert eine ambulant erworbene Pneumonie eine antibiotische
Therapie. Auf die Behandlung der CAP entfällt daher ein großer Anteil
der Antibiotika, die bundesweit verabreicht werden.

Originaltext: BM für Bildung und Forschung
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=23894
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_23894.rss2

Pressekontakt:
Prof. Dr. Torsten Schäfer
Institut für Sozialmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Campus Lübeck
Beckergrube 43-47
23552 Lübeck
Tel.: 0451 79925-32
Fax: 0451 79925-39
E-Mail: torsten.schaefer@uk-sh.de


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