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Die WHO empfiehlt Entwicklungsländern die Einführung eines neuen Impfstoffes gegen Lungenentzündung

Geschrieben am 23.03.2007 - [Nächster Artikel]

Genf, Schweiz (ots/PRNewswire) -

- Die WHO gibt dem routinemässigen Einsatz des
Pneumokokkenkonjugat-Impfstoffes in den Entwicklungsländern
Priorität, um Millionen von Leben retten zu können

Die von der Weltgesundheitsbehörde WHO heute herausgegebenen neuen
Leitlinien befürworten die Einführung von
Pneumokokkenkonjugat-Impfstoffen in die Impfprogramme der
Entwicklungsländer. Begonnen werden soll mit dem derzeit zugelassenen
7-valenten Impfstoff PCV7.

Pneumokokken-Infektionen sind die weltweit führende, durch eine
Impfung zu vermeidende Todesursache bei Kindern. Die WHO schätzt,
dass ca. 1,6 Millionen Menschen, darunter bis zu eine Millionen
Kinder unter fünf Jahren, jährlich an einer durch Pneumokokken
verursachten Lungenentzündung, Hirnhautentzündung bzw. Blutvergiftung
sterben (1). In Bevölkerungsgruppen mit hoher Kindersterblichkeit ist
Lungenentzündung die führende infektiöse Todesursache und für ca. 20
% bis 25 % aller Todesfälle bei Kindern verantwortlich (2).

In Anbetracht der schweren Belastung durch
Pneumokokken-Infektionen bei Kleinkindern und der Sicherheit und
Wirksamkeit des PCV7-Impfstoffes in dieser Altersgruppe betrachtet
die WHO dessen Integration in die nationalen Impfprogramme als
vorrangig, insbesondere in Ländern, in denen die Sterblichkeit der
unter 5-Jährigen bei über 50 pro 1000 Lebendgeburten bzw. bei über
50.000 Todesfällen im Kindesalter liegt.

"Pneumokokken-Infektionen sind jedes Jahr für bis zu einer Million
Todesfälle im Kindesalter verantwortlich, ein Grossteil davon in den
Entwicklungsländern", sagte Dr. Adenike Grange, Präsidentin der
International Pediatric Association. "Diese Entscheidung ist ein
entscheidender Schritt für die Einführung eines sicheren und
wirksamen Pneumokokken-Impfstoffes in den Entwicklungsländern."

Dr. Orin Levine, Geschäftsführer von PneumoADIP, einer
nichtstaatlichen Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die
Zeitspanne zwischen dem Einsatz eines Impfstoffes in den
Industrieländern und seiner Einführung in den Entwicklungsländern zu
verkürzen, sagte dazu: "GAVIs PneumoADIP(3) begrüsst es, dass die WHO
sich so stark durch entsprechende Leitlinien für den Einsatz von
Pneumokokken-Impfstoffen einsetzt, um die Lungenentzündung in den
Entwicklungsländern zu bekämpfen. Gemeinsam mit der Finanzierung
durch die GAVI und der Vorabkaufverpflichtung für Impfstoffe (Advance
Market Commitment) trägt die Stellungnahme der WHO dazu bei, dass der
Pneumokokken-Impfstoff schneller als bisher zu den Kindern gelangt,
die ihn am dringendsten benötigen."

Normalerweise brauchen neue Impfstoffe fünfzehn Jahre und länger,
bis sie in den Entwicklungsländern verfügbar sind. Dank dieser
Empfehlung besteht die Aussicht, dass der
Pneumokokken-Konjugatimpfstoff jetzt - nur acht Jahre nach seiner
Einführung in den USA - in Afrika routinemässig eingesetzt werden
kann.

Eine HIV-Infektion erhöht das Risiko einer Pneumokokken-Infektion
bei Kindern und Erwachsenen erheblich. Nachdem gezeigt werden konnte,
dass der Pneumokokken-Konjugatimpfstoff bei HIV-infizierten Kindern
sicher und wirksam ist, empfiehlt die WHO, dass Länder mit einer
hohen HIV-Prävalenz, die Einführung von PCV7 vorrangig betreiben.
Darüber hinaus sollten auch Bevölkerungsgruppen mit hoher Prävalenz
anderer grundlegender Krankheiten, die das Risiko einer
Pneumokokken-Infektion erhöhen, z.B. Sichelzellenanämie, gezielt
geimpft werden.

"HIV-infizierte Kinder haben ein 40-Mal höheres Risiko, an einer
Pneumokokken-Infektion zu erkranken als HIV-negative Kinder und es
konnte gezeigt werden, dass der Impfstoff bei diesen gefährdeten
Kindern wesentlich zur Verhütung beiträgt", sagte Dr. Thomas Cherian,
Koordinator des "Expanded Programme on Immunization Plus, WHO
Department of Immunization, Vaccines and Biologicals".

Die im PCV7-Impfstoff enthaltenen Serotypen decken 65 % bis 80 %
der mit der invasiven Pneumokokken-Infektion einhergehenden Serotypen
bei Kleinkindern in den westlichen Industrieländern ab. Trotz des
Fehlens einiger wichtiger Serotypen, die Erreger von
Pneumokokken-Infektionen in den Entwicklungsländern darstellen, kann
der PCV7-Impfstoff in diesen Ländern wesentlich zur Verringerung der
Sterblichkeit und Morbidität beitragen. Die Sicherheit und
Wirksamkeit von PCV7 und anderer Formulierungen des
Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs sind unter zahlreichen Bedingungen,
in Industrie- und Entwicklungsländern und bei HIV-infizierten
Säuglingen nachgewiesen worden.

"Infolge dieser Empfehlung gehen wir davon aus, dass ab dem Jahre
2008 durch Pneumokokken-Impfungen in den GAVI-Ländern Leben gerettet
werden können. Die GAVI-Länder kennen jetzt die Empfehlung der WHO
und haben die Möglichkeit, den Impfstoff über GAVI zum Preis von 0,10
USD bis 0,30 USD pro Dosis zu erstehen", sagte Dr. Orin Levine. "In
Anbetracht der Tatsache, dass Impfstoffe mit 10 bis 13 Serotypen erst
ab dem Jahre 2010 weitgehend verfügbar sein werden, empfiehlt die WHO
den Ländern, mit den vorhandenen Impfstoffen damit zu beginnen, die
lebensrettenden Impfungen durchzuführen und erst dann darüber zu
entscheiden, eventuell auf einen anderen Impfstoff umzustellen, wenn
dieser auch verfügbar ist", sagte Dr. Orin Levine.

Die WHO-Empfehlung sowie die WHO-Präqualifikation von PCV 7
schaffen die Voraussetzung für die Einführung dieses Impfstoffes
mithilfe der GAVI ab 2008 in den ärmsten Ländern der Welt. Die
Präqualifikation ist ein Verfahren der WHO, das die Sicherheit und
Wirksamkeit aller von den UN-Agenturen gekauften Impfstoffe
sicherstellt.

Die Einführung eines jeden neuen Impfstoffes erfordert eine
besonders sorgfältige Überwachung und der Pneumokokkenimpfstoff macht
da keine Ausnahme. Die WHO fordert alle Länder auf, invasive
Pneumokokken-Infektionen dementsprechend zu beobachten, um eine
Grundlage für die Bewertung und Überwachung der Impfung zu haben,
einschliesslich des Auftretens und des Ausmasses eventueller
Ersatzkrankheiten ("replacement disease"). Dies ist besonders wichtig
für Entwicklungsländer, die als erste den Impfstoff in ihre
nationalen Programme aufnehmen und in Ländern mit hoher HIV-Prävalenz
bzw. anderen Erkrankungen, die bekanntermassen das Risiko einer
Pneumokokken-Infektion erhöhen.

Pneumokokken-Infektionen betreffen Menschen jeden Alters. Das
Risiko einer schweren Erkrankung ist in den ersten 24 Lebensmonaten
besonders hoch. Wenn PCV7 erst einmal in die
Routine-Kinderimpfprogramme integriert worden ist, kann auf
individuellem und kollektivem Niveau ein maximaler Schutz erreicht
werden, wenn auch zuvor nicht geimpften Kindern im Alter zwischen 12
und 24 Monaten und gefährdeten Kindern im Alter von 2 bis 5 Jahren
eine einzelne Nachimpfung verabreicht wird.

Andere, in der Entwicklung befindliche Pneumokokken-Impfstoffe,
die zusätzliche Serotypen gegen Stämme der Krankheit enthalten,
welche in den Entwicklungsländern häufig zum Tod bzw. zur Invalidität
führen, befinden sich in fortgeschrittenen Testphasen und werden in
den Entwicklungsländern voraussichtlich zwischen 2009 und 2011
verfügbar sein. Die Einführung des 7-valenten Impfstoffes bedeutet
hingegen, dass Leben ab sofort gerettet werden können. Der von Wyeth
hergestellte Impfstoff ist wirksam, gut verträglich und kann über
bestehende Impfsysteme verabreicht werden. Kontrolldaten aus den USA
(4) zeigen, dass der "Herdenimmunitäts"-Effekt (x) aufgrund der
regelmässigen Impfung gegen Pneumokokken im Kindesalter doppelt so
viele Fälle verhindert, wie die direkte Wirkung der Impfung allein
und sowohl gefährdete Erwachsene als auch Kinder schützt.

(x) "Herdenimmunität" bezeichnet hier die Resistenz einer
Bevölkerung gegen die Ausbreitung eines ansteckenden Erregers
aufgrund der Immunität eines hohen Bevölkerungsanteils. Die US-Studie
legt nahe, dass der Herdenimmunitäts-Effekt bei der
Pneumokokken-Impfung besonders stark ist.

Quellenhinweise

(1). World Health Organization. Pneumococcal vaccines. Wkly
Epidemiol Record 2003;14:110-19

(2). Williams BG, Gouws E, Boschi-Pinto C et al. Estimates of
worldwide distribution of child deaths from acute respiratory
infections. Lancet Infect Dis 2002;2:25-32

(3). Pneumococcal Vaccines Accelerated Development and
Introduction Plan - funded through a US$30 million grant from the
GAVI Alliance

(4). Centers for Disease Control and Prevention. Direct and
Indirect Effects of Routine Vaccination of Children with 7-Valent
Pneumococcal Conjugate Vaccine on Incidence of Invasive Pneumococcal
Disease - Unites States, 1998-2003. MMWR 2005;54:893-897.

Redaktionelle Hinweise:

Die Pneumokokken-Infektion wird durch das Bakterium Streptococcus
pneumoniae hervorgerufen. Wenn diese Bakterien in die Lungen
eindringen, verursachen sie die verbreiteste Art der bakteriellen
Lungenentzündung. Die Bakterien können auch in den Blutstrom
eindringen (Sepsis bzw. Blutvergiftung) und/oder in das Gewebe und
die Flüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark umgeben
(Meningitis bzw. Hirnhautentzündung).

Der WHO zufolge sind Pneumokokken-Pneumonien und -Meningitiden
jedes Jahr für 800.000 bis eine Million Todesfälle von Kindern
verantwortlich, wobei über 90 Prozent der Kinder, die durch
Pneumokokken-Pneumonien zu Tode kommen, in den Entwicklungsländern
sterben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das Organ der Vereinten
Nationen, das sich speziell mit Gesundheitsfragen befasst. Die WHO
wurde am 7. April 1948 gegründet und hat sich in ihrer Verfassung die
Verwirklichung des höchstmöglichen Gesundheitszustandes für alle
Menschen zum Ziel gesetzt. Gesundheit wird in der Verfassung der WHO
als ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen
Wohlbefindens definiert und nicht nur als die Abwesenheit von
Krankheit oder Gebrechlichkeit.

Ziel von PneumoADIP (Pneumococcal Vaccines Accelerated Development
and Introduction Plan) ist es, die Zeitspanne zwischen dem Einsatz
neuer Impfstoffe in den Industrieländern und ihrer Einführung in den
Entwicklungsländern durch Verringerung der Bedarfsunsicherheit und
der Bereitstellung einer erschwinglichen, nachhaltigen
Impfstoffversorgung zu verkürzen. Dieser neuartige Ansatz wird von
der GAVI-Allianz finanziert. PneumoADIP hat seinen Sitz an der Johns
Hopkins Bloomberg School für öffentliche Gesundheit. PneumoADIP hat
es sich zur Aufgabe gemacht, die Überlebenschancen und die Gesundheit
von Kindern weltweit durch schnelle Bewertung und Verfügbarmachung
neuer, lebensrettender Pneumokokken-Impfstoffe zu verbessern.

Für weitergehende Informationen besuchen Sie bitte die folgende
Website: www.preventpneumo.org oder wenden Sie sich an:

Hans Kvist Christina Chalé
Director, Communications Consultant
GAVI's PneumoADIP Ruder Finn Communications
Mobiltelefon: +1-410-736-8243 Büro: +44(0)7-462-8938
E-Mail: hkvist@jhsph.edu E-Mail: cchale@ruderfinn.co.uk

Originaltext: pneumoADIP
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=56690
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_56690.rss2

Pressekontakt:
Hans Kvist, Director Communications, GAVIs PneumoADIP, Mobiltelefon:
+1-410-736-8243, E-Mail: hkvist@jhsph.edu, Christina Chalé,
Consultant, Ruder Finn Communications, Büro: +44(0)7-462-8938,
E-Mail: cchale@ruderfinn.co.uk
 
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