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Leipzig (ots) - Von Stefan Poppitz Einmal befragt, mit welchem Tier er sich am ehesten identifiziere, antwortete Airbus-Chef Louis Gallois: Mit einem Kamel. Es sei nüchtern, besonnen und ausdauernd. Ein tierisch guter Glücksumstand für den kahlköpfigen Manager. Wenn er das Sanierungsprogramm Power8 für den in schwere Turbulenzen geratenen Luftfahrt-Konzern umsetzt, wird er diese Eigenschaften dringend benötigen. Und das auf unabsehbare Zeit. Was da gestern verkündet wurde, war lediglich der Start zu einer langen Reise - mit unsicherem Ausgang. Gemessen an den Hiobsbotschaften, die mehr oder weniger Berufene schon Wochen vorher über den Katalog der Grausamkeiten verbreiteten, legte die EADS-Spitze gestern eher eine Version light vor. Was nicht heißt, dass Sparmaßnahmen, die aufgrund des äußeren Drucks zunächst zurückgenommen wurden, für immer vergessen sind. Es ist nämlich ungewiss, ob Power8 die erhofften Effekte bringt. Doch Gallois ist nicht nur hartnäckig, er ist auch listig. Er gibt genug Zeit vor, damit die verabreichte bittere Pille verdaut werden kann, um dann je nach Wetterlage die nächsten Ziele anzugehen. Das alles wird die 10 000 Airbus-Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen müssen, wenig trösten. Sie büßen für gravierende Fehler von Management und Politik, aufgrund derer Airbus erst in die Krise getrudelt ist. Dreimal die Auslieferung des A380 verschoben, weil die Techniker nicht über genug Knowhow verfügten, 500 Kilometer Kabel in dem Mega-Jumbo unterzubringen. Dann quasi die Neukonstruktion des schon entworfenen A350, weil Airbus geglaubt hatte, den Kunden das Vorgängermodell mit nur geringen Änderungen andrehen zu können - als ob es nie eine Debatte über Klimaschutz und kerosinsparendes Fliegen gegeben hätte. Folge: Die Entwicklungskosten verdoppelten sich fast. Dazu ein ungünstiger Dollarkurs - das hat Milliardenlöcher in die Bilanz gerissen. Es konnte nur soweit kommen, weil es eine umfassende, betriebsübergreifende Koordination und Kommunikation im Konzern nicht gegeben hat. Ein generelles Problem für den europäischen Luft-Giganten, in dem Deutsche und Franzosen penibel auf die Einhaltung des Proporzes bei Posten und Verantwortung achten. Diese zähen, wenig entscheidungsfördernden Strukturen haben sich als Hemmschuh erweisen. Was sich aber kaum ändern lässt. Der EADS-Konzern war von Anfang an ein Kind europäischer Politik, um den Abstand vor allem zu den Amerikanern in der Luft- und Raumfahrt zu verkürzen. Ein Nachteil gegenüber den Boeing-Boys aus Übersee, die unbehelligt von politischer Einflussnahme aus ihren Fehlern gelernt haben und an Airbus vorbeigezogen sind. Die Grundsituation ist grotesk: Wo von Vernunft diktierte betriebswirtschaftliche Entscheidungen fällig waren, hatte wieder die Politik das letzte Wort. Auf Dauer geht das schief. Ob aber der beharrliche Gallois genug Kraft und Macht besitzt, so wenig wie möglich Staat und so viel wie möglich Wirtschaft durchzusetzen, ist fraglich. Zumal Paris von seinem Zugriff auf EADS aus freien Stücken nie lassen wird. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=6351 Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_6351.rss2
Pressekontakt: Rückfragen bitte an: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558
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