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LVZ: Ausgang ungewiss

Geschrieben am 28.02.2007 - [Nächster Artikel]

Leipzig (ots) - Von Stefan Poppitz
Einmal befragt, mit welchem Tier er sich am ehesten identifiziere,
antwortete Airbus-Chef Louis Gallois: Mit einem Kamel. Es sei
nüchtern, besonnen und ausdauernd. Ein tierisch guter Glücksumstand
für den kahlköpfigen Manager. Wenn er das Sanierungsprogramm Power8
für den in schwere Turbulenzen geratenen Luftfahrt-Konzern umsetzt,
wird er diese Eigenschaften dringend benötigen. Und das auf
unabsehbare Zeit. Was da gestern verkündet wurde, war lediglich der
Start zu einer langen Reise - mit unsicherem Ausgang.
Gemessen an den Hiobsbotschaften, die mehr oder weniger Berufene
schon Wochen vorher über den Katalog der Grausamkeiten verbreiteten,
legte die EADS-Spitze gestern eher eine Version light vor. Was nicht
heißt, dass Sparmaßnahmen, die aufgrund des äußeren Drucks zunächst
zurückgenommen wurden, für immer vergessen sind. Es ist nämlich
ungewiss, ob Power8 die erhofften Effekte bringt. Doch Gallois ist
nicht nur hartnäckig, er ist auch listig. Er gibt genug Zeit vor,
damit die verabreichte bittere Pille verdaut werden kann, um dann je
nach Wetterlage die nächsten Ziele anzugehen.
Das alles wird die 10 000 Airbus-Mitarbeiter, die das Unternehmen
verlassen müssen, wenig trösten. Sie büßen für gravierende Fehler von
Management und Politik, aufgrund derer Airbus erst in die Krise
getrudelt ist. Dreimal die Auslieferung des A380 verschoben, weil die
Techniker nicht über genug Knowhow verfügten, 500 Kilometer Kabel in
dem Mega-Jumbo unterzubringen. Dann quasi die Neukonstruktion des
schon entworfenen A350, weil Airbus geglaubt hatte, den Kunden das
Vorgängermodell mit nur geringen Änderungen andrehen zu können - als
ob es nie eine Debatte über Klimaschutz und kerosinsparendes Fliegen
gegeben hätte. Folge: Die Entwicklungskosten verdoppelten sich fast.
Dazu ein ungünstiger Dollarkurs - das hat Milliardenlöcher in die
Bilanz gerissen.
Es konnte nur soweit kommen, weil es eine umfassende,
betriebsübergreifende Koordination und Kommunikation im Konzern nicht
gegeben hat. Ein generelles Problem für den europäischen
Luft-Giganten, in dem Deutsche und Franzosen penibel auf die
Einhaltung des Proporzes bei Posten und Verantwortung achten. Diese
zähen, wenig entscheidungsfördernden Strukturen haben sich als
Hemmschuh erweisen. Was sich aber kaum ändern lässt. Der EADS-Konzern
war von Anfang an ein Kind europäischer Politik, um den Abstand vor
allem zu den Amerikanern in der Luft- und Raumfahrt zu verkürzen. Ein
Nachteil gegenüber den Boeing-Boys aus Übersee, die unbehelligt von
politischer Einflussnahme aus ihren Fehlern gelernt haben und an
Airbus vorbeigezogen sind.
Die Grundsituation ist grotesk: Wo von Vernunft diktierte
betriebswirtschaftliche Entscheidungen fällig waren, hatte wieder die
Politik das letzte Wort. Auf Dauer geht das schief. Ob aber der
beharrliche Gallois genug Kraft und Macht besitzt, so wenig wie
möglich Staat und so viel wie möglich Wirtschaft durchzusetzen, ist
fraglich. Zumal Paris von seinem Zugriff auf EADS aus freien Stücken
nie lassen wird. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr.

Originaltext: Leipziger Volkszeitung
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=6351
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_6351.rss2

Pressekontakt:
Rückfragen bitte an:
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