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Weiter Flaute am Forschungsstandort Deutschland

Geschrieben am 01.02.2007 - [Nächster Artikel]

Essen (ots) -

- Querverweis: Grafiken werden über obs versandt und sind unter
http://www.presseportal.de/grafiken abrufbar -

Stifterverband stellt neueste Daten zu Forschung und Entwicklung
(FuE) in der deutschen Wirtschaft vor:

- FuE-Aufwendungen der Wirtschaft stiegen 2005 kaum
- Plandaten für 2006 und 2007 lassen Zuwächse erwarten
- EU-Innovationsziel rückt in weite Ferne: Anteil der
FuE-Aufwendungen am BIP ist auf 2,46 Prozent gesunken
- Deutschland international nur auf Platz 9
- FuE-Personal steigt um 1,2 Prozent auf 302.000 Beschäftigte

Deutsche Unternehmen haben ihre FuE-Aufwendungen im Jahr 2005 kaum
gesteigert. Dies ist das Ergebnis der neuesten Erhebung des
Stifterverbandes zu Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft.
Danach wendete der Wirtschaftssektor im Jahr 2005 insgesamt 46,7
Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung (FuE) auf. Das waren
1,5 Prozent oder 670 Millionen Euro mehr als 2004. Erst für 2006
(48,8 Mrd. Euro) und 2007 (50,4 Mrd. Euro) planten bzw. planen die
Unternehmen wieder größere Aufwendungen für FuE.

Der Vizepräsident des Stifterverbandes, Jürgen Hambrecht (BASF),
der die Zahlen am Donnerstag in Berlin vorstellte, sagte dazu:
"Deutschland kann sich mit dieser Entwicklung nicht zufrieden geben,
denn der Einsatz von FuE macht sich langfristig bemerkbar. Wer sich
heute bei Forschung und Entwicklung zurückhält, kann morgen nicht mit
voller Kraft für wettbewerbsfähige Innovationen sorgen." Hinzu kommt:
Der FuE-Standort Deutschland steht und fällt mit der Entwicklung im
Kraftfahrzeugbau, der gut ein Drittel der FuE-Aufwendungen
bestreitet. 2005 investierte dieser Wirtschaftszweig mit 15,1 Mill.
Euro 4,1 Prozent weniger in FuE als in 2004. Die Chemieindustrie mit
8,4 Mill. Euro (+ 4,4 Prozent) und die Elektrotechnik mit 8,8 Mill.
Euro (+ 4,0 Prozent) konnten ihre FuE-Aufwendungen in 2005 hingegen
steigern. Der Maschinenbau investierte mit rund 4,1 Mill. Euro 1,9
Prozent weniger als im Jahr 2004.

Der Anteil der Bruttoinlandsaufwendungen für FuE am
Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von 2,49 Prozent (2004) auf 2,46
Prozent im Jahr 2005. Damit liegt Deutschland im internationalen
Vergleich nur auf Platz neun. "Vom viel beschworenen 'Lissabon'-Ziel,
drei Prozent des BIP für FuE einzusetzen, haben wir uns in
Deutschland wieder weiter entfernt", betonte Hambrecht.

Um das Drei-Prozent-Ziel im Jahr 2005 zu erreichen, hätten 67,2
Mrd. Euro für FuE aufgewendet werden müssen. Tatsächlich sind aber
nur 55,2 Mrd. Euro aufgewendet worden, zwölf Mrd. Euro zu wenig.

Neben den stagnierenden FuE-Aufwendungen in der Wirtschaft konnte
auch der Staat seine Forschungsfinanzierung 2005 kaum steigern.
Immerhin ist der Anteil des Staates 2005 erstmals nicht weiter
abgesenkt worden. Er lag 2005 bei rund 30 Prozent. 1995 waren es noch
rund 38 Prozent gewesen.

Hambrecht forderte eine deutliche Verbesserung der
Rahmenbedingungen für private Forschungsinvestitionen in Deutschland:
"Die Zeit drängt, denn Innovationen werden immer häufiger dort
entwickelt werden, wo der Schritt von der Idee zum Produkt einfach
gelingt und wo die Kunden sich für neue Produkte und Verfahren
begeistern."

Hintergrund:

Traditionell berichtet der Stifterverband am Anfang eines Jahres
über den Stand von Forschung und Entwicklung des Wirtschaftssektors.
In einer umfangreichen Erhebung befragt er alle zwei Jahre 30.000
Unternehmen in Deutschland. Die Daten fließen in die amtliche
nationale und internationale Statistik.

Die Daten im Einzelnen

Anteil Wirtschaft / Staat an FuE

Bei der Durchführung von FuE ist der Anteil des Staates und der
Hochschulen 2005 erstmals wieder leicht gestiegen, der der Wirtschaft
dagegen leicht gesunken. Die Bruttoinlandsaufwendungen für FuE, die
Summe der internen FuE-Aufwendungen aller Sektoren, belief sich im
Jahr 2005 auf 55,18 Mrd. Euro (2004 = 54,98 Mrd. Euro). Davon führte
die Wirtschaft 69,3 Prozent, Staat und Hochschulen 30,7 Prozent
durch. 2004 hatte das Verhältnis bei 69,8 Prozent zu 30,2 Prozent
gelegen.

Internationaler Vergleich

Der Anteil der Bruttoinlandsaufwendungen für FuE am BIP sank von
2,49 Prozent (2004) auf 2,46 Prozent (2005) und ist damit vom
Lissabon-Ziel von EU und Bundesregierung, den Anteil bis zum Jahr
2010 auf drei Prozent zu steigern, wieder weiter entfernt.
Deutschland liegt damit zwar in Europa vor Frankreich und
Großbritannien, weltweit aber hinter Israel, Schweden, Finnland,
Japan, Korea, Schweiz, USA und Taiwan erst an neunter Stelle. (siehe
Infografik "Investitionen") Vergleich: Das EU-Mittel lag 2005 bei
1,87 Prozent (= EU-15).

Personal

Im Jahr 2005 waren rund 302.200 Personen in Unternehmen und
Institutionen für Gemeinschaftsforschung (gemessen im
Vollzeitäquivalent) in FuE tätig. Damit ist die Grenze von 300.000
erneut genommen worden; im Jahre 2004 waren noch rund 298.500
Personen mit FuE in der Wirtschaft betraut; dies ist eine Zunahme von
gut 1,2 Prozent. 54, 5 Prozent des FuE-Personals sind Akademiker,
18,5 Prozent des FuE-Personals ist weiblichen Geschlechts.

KMU im Vergleich zu Großunternehmen

Die Entwicklung der FuE-Aktivitäten wird vor allem durch die
Großunternehmen geprägt (über 500 Beschäftige). Auf diese Unternehmen
entfielen 2005 88 Prozent der FuE-Aufwendungen, rund 12 Prozent auf
die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Beim FuE-Personal - dies
gemessen in Vollzeitäquivalent - entfallen etwa 81 Prozent auf die
Großunternehmen, auf die KMU rund 19 Prozent. Daraus ist zu folgern,
dass FuE in mittelständischen Unternehmen personalintensiver erfolgt;
bei den Großunternehmen tendenziell kapitalintensiver.

Branchen

Die forschungsaktiven Unternehmen konzentrieren sich auch 2005,
2006 und 2007 wieder auf diese Branchen (in Prozent):

2005 2006 (Plan) 2007 (Plan)
Kraftfahrzeugbau 32,3 31,2 31,3
Elektrotechnik 18,9 19,2 19,1
Chemische Industrie 17,9 18,2 17,7
Maschinenbau 8,7 8,7 8,8
Zusammen 78,4 77,3 76,9

Jeder dritte Forschungs-Euro wird also im Wirtschaftssektor für
den Kraftfahrzeugbau ausgegeben, auf den 1/3 der FuE-Aufwendungen des
Wirtschaftsektors Deutschlands entfallen. Jeder vierte Forscher in
den Unternehmen ist im oder für den Automobilbau tätig.

Originaltext: Stifterverband für die Dt. Wissenschaft
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=18931
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_18931.rss2

Pressekontakt:

Michael Sonnabend
Pressesprecher im Stifterverband
Telefon: 02 01/84 01-1 81
Mobil: 0173/9710818
E-Mail: michael.sonnabend@stifterverband.de
 
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