Ulm (ots) - Morgen ist Silvester. Doch eigentlich müssten sich die Kämmerer in Stadt und Land immer noch vorkommen wie an Weihnachten. Denn der überraschend starke Konjunkturaufschwung beschert ihnen im Schnitt viel höhere Steuereinnahmen, als sie noch zu Jahresbeginn zu hoffen wagten. Die Empfänger der unerwarteten Wohltaten zeigen derweil, dass sie lernfähig sind: Sie jammern weiter über fehlende Mittel und steigende Lasten - nur jetzt auf höherem Niveau. Das hat durchaus seine Berechtigung. Denn die Klagehaltung verbessert die eigene Verhandlungsposition: als Bittsteller und gegenüber Bittstellern. Das ist dringend erforderlich. Die Kassen der öffentlichen Hand sind weitgehend leer geräumt; die Belastungen jedoch vielfach geblieben. Die Damen und Herren Wächter über die Finanzlöcher müssen deshalb ihre Sparsamkeit beibehalten - so groß die Verlockungen auch sein mögen, die Spendierhosen wieder anziehen zu wollen. Allen sollte noch in guter Erinnerung sein, wie dramatisch sich die zurückliegende Konjunkturschwäche auf die öffentliche Kassenlage ausgewirkt hat. Die nächste wird kommen - und ohne Vorsorge noch verheerendere Folgen haben. Deshalb: jetzt runter mit den Schulden und sparen. In konjunkturell guten Zeiten spart es sich leichter; auch deshalb, weil sich die Zurückhaltung der öffentlichen Hand nicht übermäßig wachstumshemmend auswirkt.