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Grenzenloser EU-Arbeitsmarkt ist noch Vision

Geschrieben am 11.12.2006 - [Nächster Artikel]

Frankfurt am Main (ots) -


Ernüchternde Bilanz zum "Europäischen Jahr der Mobilität der
Arbeitnehmer"/ PwC-Studie: Nur jeder 20. Arbeitnehmer bewirbt sich
außerhalb seines Heimatlandes / Unternehmen unterschätzen
individuelle Wechselhindernisse

Der europäische Binnenmarkt für Güter, Dienstleistungen und
Kapital ist weitgehend Realität, der grenzenlose Arbeitsmarkt
hingegen ist noch eine Vision. Im Jahr 2006, das von der Europäischen
Union (EU) zum "Europäischen Jahr der Mobilität der Arbeitnehmer"
ausgerufen wurde, stammte nur jede 20. Bewerbung bei europäischen
Unternehmen von einem ausländischen Arbeitnehmer. Dies ist eines der
Ergebnisse der Studie "Managing Mobility Matters 2006" von
PricewaterhouseCoopers (PwC), die heute auf der
Abschlussveranstaltung des europaweiten Aktionsjahres im
französischen Lille vorgestellt wurde. "Verantwortlich für diese
enttäuschende Bilanz sind nicht nur bürokratische Hürden, sondern
auch die zurückhaltende Einstellung der Arbeitnehmer und
Arbeitgeber", kommentiert Louis de Vries, PwC-Partner und Leiter des
Bereichs Human Resources Services, die Kernergebnisse der Studie. Von
Land zu Land unterschiedliche Steuer- und Sozialsysteme sowie
Probleme bei der Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen erschweren
Arbeitnehmern den Wechsel ins Ausland. Gleichzeitig schrecken viele
Beschäftigte wegen mangelnder Sprachkenntnisse und der Angst vor dem
privaten Neuanfang vor einer Auslandsbewerbung zurück, und
schließlich werben die Unternehmen weniger intensiv als noch vor fünf
Jahren um ausländische Fach- und Führungskräfte. "Doch spricht
Einiges dafür, dass sich die Schere zwischen Nachfrage und Angebot
bei flexiblen Arbeitskräften in den kommenden Jahren öffnet und die
Karrierechancen international mobiler Bewerber deutlich wachsen",
sagt de Vries.

Die PwC-Studie basiert auf der Befragung von 445 europäischen
Unternehmen aus 13 EU-Mitgliedstaaten und der Schweiz. Die
Untersuchung wurde von der EU-Kommission gefördert.

Deutsche Unternehmen beklagen Sprachbarrieren

Die Möglichkeit der Integration ausländischer Arbeitnehmer wird in
den befragten Ländern unterschiedlich eingeschätzt. So sind irische
Unternehmen ausländischen Arbeitnehmern gegenüber sehr positiv
eingestellt. Über 80 Prozent der befragten irischen Unternehmen geben
an, dass ausländische Arbeitnehmer sich sehr leicht eingliedern
ließen, über 40 Prozent glauben, dass ausländische Arbeitnehmer
härter arbeiten als inländische. Im Gegensatz dazu steht die
Einschätzung deutscher Unternehmen. Nur gut 10 Prozent geben an, dass
ausländische Arbeitnehmer sich ohne Eingewöhnungszeit sofort
eingliedern, ebenso wenige glauben, dass sie härter arbeiten würden
als inländische Arbeitnehmer. Sprachbarrieren werden dabei als
besonders problematisch betrachtet. Bei den befragten deutschen
Unternehmen gaben knapp 90 Prozent an, dass diese ein Hindernis für
die Zusammenarbeit seien. Kritischer (94 Prozent) schätzen nur
schwedische Unternehmen die sprachlichen Hindernisse ein.

Schwache Konjunktur - geringe Mobilität

Nach statistischen Daten der EU arbeiteten 2005 lediglich zwei
Prozent aller Beschäftigten außerhalb ihres Geburtslandes. Dabei
beeinflusst die wirtschaftliche Lage im Heimatland die Bereitschaft
der Arbeitnehmer zum Ortswechsel offenbar kaum. So haben 15 Prozent
aller Iren und gut 11 Prozent aller Dänen schon einmal im Ausland
gelebt, aber nur 8 Prozent der Deutschen. Gleichzeitig sind die
Arbeitslosenquoten in Dänemark und Irland weit niedriger und die
Wachstumsraten in den vergangenen Jahren deutlich höher ausgefallen
als hier zu Lande.

Auf das Suchverhalten der Unternehmen hingegen hat die
wirtschaftliche Entwicklung einen deutlichen Einfluss. So sahen bei
der Vorgängerstudie im Boomjahr 2001 über 30 Prozent der Unternehmen
die Suche nach qualifiziertem Personal als wichtige Aufgabe an, bei
der aktuellen Befragung jedoch nur noch 17 Prozent. Entsprechend
bemühten sich 2001 gut 20 Prozent aller Befragten um ausländische
beziehungsweise mobil einsetzbare Arbeitskräfte, 2006 gaben dies nur
13 Prozent der Unternehmen an.

Doch ist die Rekrutierung mobiler Mitarbeiter auch unabhängig von
der Wirtschaftslage für viele Unternehmen von Bedeutung. So setzen 38
Prozent der Befragten auf eine international einsetzbare Belegschaft,
um die Internationalisierung des Unternehmens voran zu treiben (2001:
42 Prozent), und 33 Prozent hoffen auf einen besseren Kundenservice
(2001: 21 Prozent).

Arbeitgeber unterschätzen private Motive

Die Anwerbung ausländischer Fach- und Führungskräfte ist aus Sicht
der Unternehmen in den vergangenen Jahren einfacher geworden. So
berichteten 2001 noch mehr als 50 Prozent der befragten Arbeitgeber
über Schwierigkeiten auf dem internationalen Arbeitsmarkt, 2006 nur
noch 42 Prozent. Die betroffenen Unternehmer mussten sich bei der
Bewerbersuche vor allem mit Sprachbarrieren (20 Prozent) und
Visa-Problemen (17 Prozent) auseinander setzen, während lediglich 4
Prozent ihre Schwierigkeiten bei der Gewinnung ausländischer
Fachkräfte auf familiäre Gründe bei den Bewerbern zurückführten.

Der Vergleich mit Arbeitnehmerbefragungen legt nahe, dass
Unternehmen die privaten Motive und Verpflichtungen der Bewerber
unterschätzen. So war in der Befragung die Angst vor dem Verlust
sozialer Bindungen für über 40 Prozent der wichtigste Hinderungsgrund
für einen Ortswechsel. Sprachschwierigkeiten folgten mit großem
Abstand auf dem zweiten Rang (19 Prozent der Befragten).

Gute Perspektiven für mobile Arbeitnehmer

Ungeachtet der bislang schleppenden Entwicklung des einheitlichen
europäischen Arbeitsmarktes sind fast 70 Prozent der befragten
Unternehmen davon überzeugt, dass die Mobilitätsanforderungen an ihre
Beschäftigten in den kommenden Jahren steigen werden. Da gleichzeitig
nur 55 Prozent glauben, dass künftig mehr Arbeitnehmer als bislang im
Ausland arbeiten wollen, dürften mobile Bewerber künftig deutliche
Wettbewerbsvorteile auf dem Arbeitsmarkt haben. "Gesamtwirtschaftlich
betrachtet ist die geringe Mobilität auf dem europäischen
Arbeitsmarkt jedoch ein Problem. Unternehmen und Regierungen müssen
noch bestehende Hürden auf dem Weg zum einheitlichen europäischen
Arbeitsmarkt beseitigen, vor allem aber Arbeitnehmer zu mehr
Mobilität ermutigen", so de Vries. Dazu gehöre nicht zuletzt eine
bessere Informationspolitik: "Noch immer ist ein großer Teil der
Erwerbstätigen in der EU irrtümlich davon überzeugt, dass der Wechsel
zu einem Arbeitgeber im Ausland ein extrem schwieriger Prozess ist.
Viele denken daher gar nicht erst über diese Möglichkeit nach".

Die Studie "Managing Mobility Matters 2006" finden Sie als
kostenlosen Download unter:
http://www.pwc.com/Extweb/pwcpublications.nsf/docid/5CF66D8DAC8C7640
852572350083A659

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Louis de Vries
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Leiter des Bereichs Human Resources Services
Tel. 089 - 5790 6305
louis.devries@de.pwc.com

Redaktionshinweis: Die PricewaterhouseCoopers AG
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist in Deutschland mit 8.100
Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von rund 1,2 Milliarden Euro
eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften.
An 28 Standorten arbeiten Experten für nationale und internationale
Mandanten jeder Größe. PwC bietet Dienstleistungen an in den
Bereichen Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen
(Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie in den Bereichen
Transaktions-, Prozess- und Krisenberatung (Advisory).

Originaltext: PwC PriceWaterhouseCoopers
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=8664
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_8664.rss2

Pressekontakt:
Claudia Mende
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Corporate Communications / Presse
Tel. 069 - 9585 3179
claudia.mende@de.pwc.com
 
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