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Mehr als 64 000 Strafgefangene in deutschen Gefängnissen

Geschrieben am 11.12.2006 - [Nächster Artikel]


Wiesbaden (ots) - Insgesamt 64 512 Personen verbüßten zum 31.
März 2006 eine Freiheits- beziehungsweise Jugendstrafe in einer
deutschen Justizvollzugsanstalt oder befanden sich in
Sicherungsverwahrung. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt,
erreichte damit die Gesamtzahl der verurteilten Gefangenen einen
neuen Höchststand im vereinten Deutschland. Umgerechnet auf jeweils
100 000 Personen der strafmündigen Bevölkerung (ab 14 Jahren) saßen
zum 31. März 2006 rund 90 Strafgefangene und Sicherungsverwahrte in
den Anstalten ein, ein Jahr zuvor waren es 89, weitere zehn Jahre
zuvor 67 Männer und Frauen gewesen.

In welchem Ausmaß die gestiegenen Gefangenenzahlen etwa durch
Verhängung längerer Strafen oder seltener praktizierter Aussetzung
der (Rest-) Strafen zur Bewährung oder durch vermehrten Antritt von
Ersatzfreiheitsstrafen mit beeinflusst wurden, kann von der
Statistik nicht erschöpfend beantwortet werden.

Die Gefangenenzahl ist in längerer zeitlicher Perspektive durch Zu-
und Abnahmen gekennzeichnet. Gemessen an der strafmündigen
Bevölkerung gab es im früheren Bundesgebiet bis Ende der 1960er
Jahre und wiederum Mitte der 1980er Jahre höhere Gefangenenzahlen
(1965: 107, 1975: 70, 1985: 92). Dabei waren und sind die
Gefangenenraten in Deutschland im europäischen und insbesondere im
internationalen Vergleich unterdurchschnittlich.

In den deutschen Strafanstalten befinden sich ganz überwiegend
Männer; zum 31. März 2006 waren es 61 200 Männer und 3 300 Frauen
(5%). Von den Einsitzenden hatten 50 500 Personen die deutsche
Staatsangehörigkeit; der Ausländeranteil lag bei 22%. Rund 40% der
Gefängnisinsassen (25 900 Personen) waren unter 30 Jahre, 11% (7
000 Personen) über 50 Jahre alt.

Für vier von zehn Strafgefangenen (42% beziehungsweise 27 200
Personen) betrug die voraussichtliche Dauer ihrer Freiheits- oder
Jugendstrafe nicht mehr als ein Jahr; 1 900 Strafgefangene (3%)
verbüßten demgegenüber zum März 2006 eine lebenslange
Freiheitsstrafe. Außerdem befanden sich 375 Personen in der
sogenannten Sicherungsverwahrung, die bei gefährlichen
Wiederholungstätern im Anschluss an eine Gefängnisstrafe verhängt
werden kann.

Insgesamt 10 600 Gefangene (16%) verbüßten ihre Strafe zum 31. März
2006 im offenen Vollzug, mit dem die Reintegration von Straftätern
in die Gesellschaft gefördert werden soll. Dabei wird der offene
Vollzug in den letzten Jahren zunehmend seltener praktiziert; seit
1999 (21%) sank der Anteil der Inhaftierten im offenen Vollzug an
allen Strafgefangenen kontinuierlich.

Ende März 2006 saßen 13 900 Personen (21%) wegen eines
Diebstahlsdelikts, 9 600 (15%) wegen eines Drogendelikts und 8 100
(13%) wegen eines Raubdeliktes in einer Strafanstalt ein. Dabei
zeigen sich zwischen Erwachsenen- und Jugendstrafvollzug
Unterschiede in der Deliktstruktur. Bezogen auf die insgesamt in
die jeweilige Vollzugsart Eingewiesenen saßen die Gefangenen mit
Jugendstrafe anteilsmäßig deutlich häufiger wegen Raub-,
Körperverletzungs- und Diebstahlsdelikten ein als die Gefangenen
mit Freiheitsstrafe nach Erwachsenenstrafrecht. Dagegen spielen
Betrugs-, Drogen- und Straßenverkehrsdelikte für den
Jugendstrafvollzug eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.



Weitere Auskünfte gibt:
Stefan Brings
Telefon: (0611) 75-4114,
E-Mail: rechtspflegestatistik@destatis.de

ots-Originaltext
Statistisches Bundesamt
Rückfragen an obigen Ansprechpartner oder an:
Statistisches Bundesamt
Pressestelle
Telefon: (0611) 75-3444
Email: presse@destatis.de
 
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