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2015 jede zweite Universitätsklinik in privater Hand

Geschrieben am 07.12.2006 - [Nächster Artikel]

München (ots) - 34 Universitätskliniken gibt es in Deutschland,
nur jede dritte schreibt schwarze Zahlen. Neue Rahmenbedingungen, wie
die flächendeckende Einführung der Fallpauschalen (DRG), die neuen
Tarifabschlüsse für den ärztlichen Dienst, die Folgen der
Gesundheitsreform und die Mehrwertsteuererhöhung, die sich auf
outgesourcte Dienstleistungen niederschlägt, erhöhen den ökonomischen
Druck zusätzlich. Universitätskliniken sind von diesen Gesetzen und
Reformen besonders stark betroffen, denn anders als normale
Krankenhäuser, deren gesellschaftlicher Auftrag sich auf die
Krankenversorgung beschränkt, stehen Hochschulkliniken in einem
permanenten Spannungsverhältnis zwischen effektiver und profitabler
Versorgung und erfolgreicher Forschung und Lehre.

Eine gemeinsame Studie der Münchner Unternehmensberatung Dr.
Wieselhuber & Partner (W&P) und dem Institut für Gesundheitsökonomie
der Universität der Bundeswehr prognostiziert, dass
Universitätskliniken ohne grundlegende Rationalisierungs- und
Modernisierungsmaßnahmen keine wirtschaftlichen Überlebenschancen
haben. Die Studie, die unter dem Titel "Hochschulmedizin 2015 -
Perspektiven von Krankenversorgung, Forschung und Lehre in
Deutschland, Österreich und der Schweiz" erschienen ist, gibt
erstmals eine umfassende Einschätzung zukünftiger Entwicklungen in
der Universitätsmedizin im deutschsprachigen Raum aus Sicht
unterschiedlicher Akteure.

"Während umfassende Restrukturierungen in deutschen
Universitätskliniken immer drängender werden", so Privatdozent Dr.
Dirk Richter, Projektleiter bei W&P, Hochschullehrer an der
Universität Greifswald und Initiator der Studie, "zieht sich die
öffentliche Hand immer stärker aus der Finanzierung von
Hochschulkliniken zurück." Prominentes Beispiel ist das Bundesland
Hessen, das die beiden kostenintensiven Kliniken Gießen und Marburg
miteinander verschmolzen und an einen privaten Investor verkauft hat.
Da private Krankenhausträger bessere Chancen auf Kreditfinanzierungen
über Banken oder für Finanzierungen über den Kapitalmarkt haben,
gehen die befragten Studienteilnehmer davon aus, dass im Jahre 2015
nur noch die Hälfte der universitären Krankenversorger in
ausschließlich öffentlicher Trägerschaft erfolgen wird.

Auch im Bereich der eigentlichen Hochleistungsmedizin sehen die
Studienteilnehmer deutliche Veränderungen. So ist die überwiegende
Mehrzahl der Befragten der Meinung, dass 2015 deutlich weniger
Hochschulkliniken als heute das volle Spektrum der
Hochleistungsmedizin abdecken. "Effizienz und Spezialisierung" lautet
das Überlebenskonzept, so W&P-Berater Richter. In Zukunft werden sich
deshalb einzelne Kliniken und Institute flächendeckend zu organ- bzw.
krankheitsbezogenen Zentren zusammenschließen und dem Markt ein
abgestimmtes Leistungsspektrum anbieten. Neben der Optimierung der
internen Krankenhausabläufe wird nach Ansicht der Studienteilnehmer
die Verzahnung vom ambulanten und stationären Sektor das
Gesundheitswesen der Zukunft prägen.

Zur klinischen Forschung und ihrer zukünftigen Trägerschaft
befragt, kommen die Studienteilnehmer zu einer etwas anderen
Einschätzung. Alle Befragten gehen davon aus, dass
Universitätsklinika und Fakultäten künftig weniger auf die
öffentliche Förderung der Forschung setzen werden und dass damit auch
eine deutliche Einschränkung der Freiheit der Forschung einhergehen
wird. Aufgrund steigender Bedeutung der Drittmittel in der
Finanzierung werden Geldgeber 2015 erheblichen Einfluss auf die
Inhalte der Forschung nehmen, was zu einem echten Geschäftsfeld
"Auftragsforschung" in enger Kooperation mit der Pharma- und
Medizinprodukte-Industrie führen wird. "Inwieweit Forschung und Lehre
aber in dem oftmals kritisierten Modell unterschiedlicher
Trägerschaften von Krankenversorgung einerseits und Forschung
andererseits auf Dauer Schaden nehmen, lässt sich erst langfristig
wirklich fundiert beurteilen", resümiert Privatdozent Dr. Dirk
Richter.

Im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen in der Hochschulmedizin
stimmt die Tatsache, dass sich die Beteiligten aus Klinikum, Fakultät
aber auch die Aufsichtsräte aus den Ministerien weitgehend einig
sind, welche Veränderungen notwendig sind, um die Hochschulmedizin
"fit" für die Zukunft zu machen. Entscheidend wird es daher sein,
inwieweit es dem Management vor Ort gelingt, ihre Ideen auch
gemeinsam mit der Politik umzusetzen.

Originaltext: Dr. Wieselhuber & Partner GmbH
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=14017
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_14017.rss2

Pressekontakt:
Melanie Kellner M.A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Wieselhuber & Partner GmbH
Unternehmensberatung
Königinstraße 33
80539 München

Tel.: 089-28 623-139
Fax: 089-28 623-153
E-Mail: kellner@wieselhuber.de
 
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