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Nebenwirkung bei der Behandlung von Rheuma: warum es zu lebensgefährlichen Infektionen kommen kann

Geschrieben am 01.12.2006 - [Nächster Artikel]

Bonn (ots) - Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-Alpha)-Blocker kommen
sehr erfolgreich bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis zum
Einsatz. Die Medikation erhöht aber auch das Risiko, an einer
schweren Infektion, zum Beispiel mit Listeriose-Erregern, zu
erkranken. Forscher des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) haben
jetzt herausgefunden, wie diese gefährliche Nebenwirkung entsteht.
Sie entdeckten, dass TNF-Alpha essenziell für die Bildung von
Granulomen und damit für die körpereigene Immunantwort auf eine
Infektion mit Listeriose-Erregern ist.

Mit der Einkapselung von Krankheitserregern durch Bildung von
Abszessen und Granulomen schützt die angeborene Immunabwehr den
Körper. Granulome sind knotenartige Gewebeneubildungen, die
hauptsächlich aus Fresszellen (Makrophagen) und dendritischen Zellen
des Immunsystems bestehen. Die Funktion der Fresszellen bei der
Bekämpfung der Bakterien ist bereits bekannt: Sie schließen die
Bakterien in ihr Zellinneres ein und isolieren die Krankheitserreger
so vom gesunden Gewebe. Wissenschaftler der Universitäten Köln,
Gießen und Konstanz haben jetzt herausgefunden, dass auch die
dendritischen Zellen eine sehr wichtige Aufgabe haben: Sie bilden
eine Ringwand um die Fresszellen und grenzen sie auf diese Weise von
einer anderen Klasse von Immunzellen, den T-Zellen, ab. "Nach einer
Infektion mit Listeriose-Erregern produzieren die dendritischen
Zellen das Enzym Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO)", erklärt der Leiter
der Studie, Professor Joachim L. Schultze von der Universität Köln.
"IDO spaltet daraufhin den Eiweißbaustein Tryptophan. Der verstärkte
Abbau des Tryptophans stoppt wiederum das Wachstum der Bakterien, die
das Tryptophan als Nährstoff benötigen oder für die - wie im Fall der
Listerien - dessen Abbauprodukte giftig sind." Die
Tryptophan-Abbauprodukte haben aber auch noch eine zweite Funktion:
Sie hemmen die körpereigenen T-Zellen. Diese Hemmung der T-Zellen ist
sehr wichtig, denn T-Zellen erkennen und vernichten infizierte
Zellen. Ohne eine Hemmung durch die dendritischen Zellen würden die
T-Zellen auch das Granulom vernichten, die darin eingekapselten
Erreger im Körper freisetzen und so die Infektion verschlimmern.

Die NGFN-Forscher zeigten, dass die dendritischen Zellen nur dann
das Enzym IDO vermehrt bilden, wenn auch der Signalstoff TNF-Alpha
vorhanden ist. Unterdrücken spezifische Blocker nun TNF-Alpha, kann
eine Infektion mit Listeriose-Erregern lebensbedrohliche Ausmaße
annehmen: Da die T-Zellen nicht gehemmt werden, zerstören diese die
schützenden Granulome und die freigesetzten Krankheitserreger
überschwemmen den Körper. TNF-Alpha-Blocker werden zum Beispiel in
der Therapie der rheumatoiden Arthritis eingesetzt, da TNF? hier
entscheidend zu den für diese Krankheit typischen chronischen
Gelenkentzündungen beiträgt. Die Forscher empfehlen deshalb,
begleitend zur Therapie mit TNF-Alpha-Hemmern gegebenenfalls
Antibiotika zu verabreichen, um eine Ausbreitung dieser
Krankheitserreger im Körper zu verhindern.

Die Ergebnisse dieser Arbeiten wurden in der aktuellen Ausgabe der
Fachzeitschrift "The Journal of Clinical Investigation"
veröffentlicht. Weitere Informationen im Internet unter: www.ngfn.de
oder www.sipage.ngfn.de.

Originaltext: Nationales Genomforschungsnetz NGFN
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=54087
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_54087.rss2

Pressekontakt:
Prof. Dr. Joachim L. Schultze
Molekulare Tumorbiologie und
Tumorimmunologie
Klinik I für Innere Medizin
Universitätsklinikum Köln
Tel.: 0221 478-3410
Fax: 0221 478-86095
E-Mail: Joachim.Schultze@uk-koeln.de

Projektmanagement NGFN
Projektträger im DLR
Tel.: 0228 3821-331
Fax: 0228 3821-332
E-Mail: pm-ngfn@dlr.de
Internet: www.ngfn.de
 
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