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Leipzig (ots) - Von Guido Schäfer Gott sei Dank wurde dieser K(r)ampf nicht außerhalb der Landesgrenzen gezeigt. Das Ausland würde sich doch sehr wundern über diese seltsamen Deutschen, die das größte Ereignis seit der Mondlandung ankündigen und dann abgrundtief Peinliches über den Äther schicken. Ein übersichtlich begabter Boxer aus Pennsylvania führt einen tapsigen ostdeutschen Tanzbären vor, der in dieser Verfassung nicht mal eine Keilerei in einer Dresdner oder Leipziger Kneipe für sich entscheiden würde. Ja, Axel Schulz hatte Nehmerqualitäten, die beschränkten sich allerdings auf die Börse. Wer würde sich nicht für ein paar Millionen Euro zwei, drei temperierte Schwinger auf die Glocke geben lassen? Als Schulz 1999 aufhörte, war er schon kein Fighter mehr, hatte das berühmte Auge des Tigers, den Biss verloren. Sieben Jahre Saus und Braus später sollte aus dem Gummibärchen ein anderer geworden sein. Ein Knockouter, einer mit stabiler Psyche und eisenhartem Kinn. Utopia grüßt. Eines hat er mitgebracht: Mut. Zur Lücke. Mut zur Blamage. Die "Nacht der Antworten" lässt viele Fragen. Etwa: Was hat der weiche Riese mit seinem betagten und kirre von WM-Titeln flötenden US-Coach Rick Conti das Jahr über so getrieben? Haben sich die beiden im Sand von Florida gewälzt, Schampus gezischt und über die Ende November stattfindende Verarsche gefeixt? Seriöses Training kann's jedenfalls nicht gewesen sein, was überm großen Teich abging. Schulz pumpte schon beim Besteigen des Rings wie ein Maikäfer, hatte die Dynamik eines nassen Sacks, war nach ein paar Minuten stehend K.o. - ohne auch nur einmal richtig getroffen worden zu sein. Tat beim Zusehen weh. Schulz, dessen Beliebtheit sich nie aus Triumphen, sondern der ihm anhaftenden Tragik des liebenswerten ewigen Losers speiste, kassierte erstmals die Quittung von den Fans. Die hatten für 23 Minuten und 38 Sekunden Kirmesboxen 100 bis 500 Euro abgedrückt. Der Don Quichotte des Boxsports bekam ein Pfeifkonzert und die Empfehlung, er möge sich wieder auf das besinnen, was er kann: Kochsendungen und Partys schmücken. Um den Privatier Schulz muss man sich nicht sorgen. Der Mann hatte schon vor Halle ausgesorgt. Ein Stück weit gibt das Ganze auch etwas von der Glaubwürdigkeit des verruchten Boxens zurück. Gott sei Dank hat Brian Minto, der gegen einen Klitschko den Gong zur zweiten Runde nicht erleben würde, gewonnen. Gut, dass diese von RTLmit viel heißer Luft aufgepumpte Farce keine Fortsetzung findet. Es sei denn, Minto war gedopt und es käme analog zum Botha-Kampf 1995 zu einem Rematch. Gott hilf! Im März kehrt Henry Maske nach zehnjähriger Pause zurück. Das Publikum ist sensibilisiert, lässt sich nicht nochmal am güldenen Nasenring durch den Ring führen. Auch wenn die Sehnsucht nach Helden wie Becker, Hannawald oder Schumi noch so groß ist. 11,53 Millionen Zuschauer guckten Axel - und mit ihm in die Röhre. Nur 2,63 Millionen lockte Sat.1 mit "Die Comedy-Falle" an. Dabei waren das zwei artverwandte Formate ...
Originaltext: Leipziger Volkszeitung Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=6351 Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_6351.rss2
Pressekontakt: Rückfragen bitte an: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558
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