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Gewässerschutz in der Chemie - eine Daueraufgabe / VCI: Branche hat ihren Beitrag zur Rheinsanierung geleistet / 4,6 Milliarden Euro investiert / Schadstoffeintrag drastisch reduziert

Geschrieben am 24.10.2006 - [Nächster Artikel]

Frankfurt (ots) - Rund 4,6 Milliarden Euro hat die deutsche Chemie
in den letzten 20 Jahren in den (additiven) Gewässerschutz
investiert. Darunter fallen zum Beispiel der Bau von Kläranlagen, die
Umstellung von Produktionsverfahren oder das Vorantreiben der
Technik, um Wasser mehrfach zu nutzen. Die laufenden Kosten für die
Gewässerschutzeinrichtungen summierten sich im selben Zeitraum auf
ein Vielfaches: über 24 Milliarden Euro. Auf diese Bilanz weist der
Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt hin.

Fast ein Viertel der Investitionen - über eine Milliarde Euro -
entfiel dabei allein auf ein Sicherheitsprogramm, das man in der
deutschen chemischen Industrie ab 1987 als Konsequenz aus einem
schweren Brandunglück in der Schweiz in Angriff nahm: In der Nacht
zum 1. November 1986 geriet im Baseler Industriegebiet
"Schweizerhalle" ein Lagerraum in Brand. Bei den Rettungsarbeiten der
Werkfeuerwehr wurden dort gelagerte Chemikalien, Biozide und
Pflanzenschutzmittel mit mehreren tausend Kubikmeter Löschwasser über
das Kanalsystem in den Rhein gespült, was zu schweren biologischen
Schäden im Fluss führte. In Reaktion auf den Lagerbrand und seine
Folgen verabschiedete der VCI Anfang Dezember 1986 einen
Maßnahmenkatalog für seine Mitgliedsfirmen und erstellte bis Januar
1987 eine Checkliste für die Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen in
den Unternehmen. Der Maßnahmenkatalog berücksichtigte auch die
Erfahrungen aus weiteren Betriebsstörungen in Chemiebetrieben am
Rhein, die sich kurz nach dem Lagerbrand ereigneten.

Schwerpunkte dieses Maßnahmenpaketes waren

- der Bau von speziellen Rückhaltevorrichtungen für Abwasser und
verunreinigtes Löschwasser für Notfälle;

- erhöhte vorbeugende Brandschutzmaßnahmen für
Pflanzenschutzmittellager und Hinweise auf Maßnahmen, die im Falle
eines Brandes zu ergreifen sind. Die Anforderungen wurden bei
Neubauten sofort uneingeschränkt angewendet und bei bestehenden
Lagern im Wesentlichen bis 1989 angepasst;

- die Umsetzung eines neuen Sicherheitskonzeptes zur Überwachung
der Kühlwasserströme bei einer Betriebsstörung, die zum Eintrag von
Chemikalien ins Kühlwasser führt. Elemente dieses Konzeptes sind zum
Beispiel das Umschalten des Kühlwasserabflusses auf spezielle
Auffangeinrichtungen oder auf eine geeignet Kläranlage oder das
Abschalten des betroffenen Anlagenteils der Produktion. (Anmerkung:
Rund 80 Prozent des von der Chemie verwendeten Wassers - 2005
insgesamt rund 3,3 Milliarden Kubikmeter - werden in der Produktion
als Kühlmittel verwendet. Das Kühlwasser kommt dabei normalerweise
nicht mit den chemischen Substanzen der Syntheseprozesse in Kontakt
und gelangt unverändert in die Flüsse zurück.)

"Die verschiedenen Sicherheitskonzepte zum Gewässerschutz, die
seinerzeit im VCI in Reaktion auf den Lagerbrand in Basel erarbeitet
und allen Mitgliedsunternehmen zur Anwendung empfohlen wurden, sind
inzwischen Standard in der Branche", betont Dr. Gerd Romanowski, der
für Umweltpolitik zuständige Geschäftsführer im VCI. "Eine Reihe
dieser Maßnahmen haben später Eingang in unsere Umweltgesetze oder
technischen Normen gefunden und haben sogar europaweit zu mehr
Umweltschutz beigetragen."

Wie erfolgreich die deutschen Chemieunternehmen am Rhein und
seinen Nebenflüssen im Gewässerschutz agiert haben, zeigt ein Blick
auf die aktuelle Bilanz eines Abkommens des VCI mit der Rotterdamer
Hafenbehörde. Es umfasst nach Angaben des Chemieverbandes inzwischen
20 Jahre. Demnach hat sich die Schwermetallfracht der Einleitungen
der Chemie in den Rhein von 1986 bis 2005 in einer Bandbreite von 70
bis maximal 93 Prozent vermindert. Die Belastung mit
halogen-organischen Verbindungen (AOX-Wert) ist im gleichen Zeitraum
um 90 Prozent zurückgegangen. Weitere Fortschritte sind aufgrund des
starken Rückgangs in den letzten beiden Jahrzehnten heute nur noch in
sehr kleinen Schritten möglich. Das gilt besonders für die Gruppe der
Schwermetalle, deren Konzentration im Abwasserstrom sich heute im
Bereich der Hintergrundbelastung bewegt oder sogar in der Nähe der
analytischen Bestimmungsgrenze angekommen ist.

Die Gemeinde Rotterdam und der VCI betraten mit ihrem Vertrag
seinerzeit umweltpolitisches Neuland: Im August 1991 einigten sich
die beiden Parteien in Frankfurt schriftlich darauf, dass die
deutschen Chemieunternehmen die Einleitung bestimmter Stoffe in den
Rhein reduzieren und darüber Rechenschaft ablegen, um so zu einer
Entlastung des Hafenschlicks von Rotterdam beizutragen. Im Gegenzug
verzichtet der Rotterdamer Hafen auf mögliche Schadensersatzansprüche
gegen die betroffenen Mitgliedsfirmen des Chemieverbandes. Diese
Vereinbarung wurde im November 1995 und nochmals im Jahr 2000 mit
jeweils neuen Zielen fortgeschrieben.

Rotterdam erkennt heute die Leistung der betroffenen
Mitgliedsunternehmen des VCI über die Jahrzehnte unumwunden an: "Da
ihr Anteil inzwischen auf einem sehr niedrigen Niveau liegt, wäre es
nicht angemessen, von der deutschen Chemie noch stärkere
Einleitungsreduzierungen zu verlangen", bestätigt Peter Struijs,
Sprecher des Rotterdamer Hafenbetriebs.


Originaltext: Verband der Chemischen Industrie e.V.
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=12523
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_12523.rss2

Pressekontakt:

Manfred Ritz
VCI-Pressestelle
Telefon: 069 2556-1550
E-Mail: ritz@vci.de
 
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