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LVZ: Leipziger Volkszeitung zu Schumacher/Formel 1
Geschrieben am 22.10.2006 - [Nächster Artikel] |
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Leipzig (ots) - Ecken und Kanten Von Winfried Wächter Spannung pur oder gähnende Langeweile. An der Formel 1 schieden sich schon immer die Geister. Wie auch an ihrem erfolgreichsten Fahrer aller Zeiten:Michael Schumacher wurde von vielen regelrecht verehrt, von anderen wiederum nahezu gehasst oder mit Missachtung gestraft. Wobei Letzteres angesichts der Erfolgsserie des siebenmaligen Weltmeister fast unmöglich war. Jedermanns Liebling ist Schumacher tatsächlich nie gewesen und wollte es auch nicht sein. Schon gar nicht für die Konkurrenten. Sein Verhalten auf der Piste war oft rücksichtslos, er nahm im Rennen keinerlei Rücksicht auf (wenige) Freunde und Verwandte und auch nicht auf sich selbst. Entsprechend zwiespältig fällt das Urteil seiner Weggefährten und der Öffentlichkeit über ihn aus. Dem Wortspiel Schummel-Schumi entsprach er oft. Einen technischen Defekt als Begründung für seine Streckenblockade in diesem Jahr in Monaco, als er im Qualifying die Nachfolgenden aufhielt, nahmen ihm zum Beispiel auch treuste Fans nicht ab. Für den Sieg war ihrem Idol jedes Mittel recht - für Schumachers Kritiker immer wieder Wasser auf ihre Mühlen und seine Anhänger ein Dämpfer. Schumacher wollte stets den Triumph, zu oft um jeden Preis. Mit dieser Einstellung führte er Ferrari wieder in die absolute Weltspitze - auch gegen die deutschen Rivalen. Seiner Popularität hierzulande tat dies keinen Abbruch. In Deutschland werden nun mal wie fast überall auf der Welt vor allem Titelträger geliebt, auch wenn sie ihre Steuern nicht zu Hause zahlen. Im Autoland war Schumacher mit seiner Zuverlässigkeit für die Qualitätsmarke "Made in Germany" der beste Repräsentant. Unabhängig davon, dass ihm ausgerechnet in den letzten Wochen die viel gerühmte Qualität seines Boliden im Stich ließ. Erst streikte in Japan der Motor, womit der achte Titel nur noch theoretisch möglich war. Das Wochenende in Brasilien stand für ihn ebenfalls unter keinem guten Stern. Ein Ausnahmefahrer wie er wollte das Finale mit Sicherheit unter anderen Voraussetzungen bestreiten. Doch das ändert nichts mehr an seiner großartigen Bilanz. Schumacher war über ein Jahrzehnt das Aushängeschild des deutschen Sports, des Motorsports sowieso. Dabei hatte er sich nie in die Öffentlichkeit gedrängt, sie eher gemieden. Der Familienvater blieb außerhalb der Strecke frei von Skandalen, was in einer Sportart, in der auf einen Schlag Millionen verdient und Versuchungen schon an der Strecke warten, nicht selbstverständlich ist. So wenig gradlinig seine Linie mitunter auf der Piste war, so sehr war auf ihn Verlass, wenn es um soziales Engagement ging. Der Formel 1-Pilot half bei vielen Projekten. Sein Sport wird ohne ihn sicher nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Doch ein Fahrer wie er, ausgestattet mit vielen Ecken und Kanten, ist schwer zu ersetzen. An Typen wie ihm scheiden sich die Geister, über den Rücktritt hinaus.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=6351 Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_6351.rss2
Rückfragen bitte an: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558
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