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Südwest Presse: Kommentar zum Nobelpreis
Geschrieben am 12.10.2006 - [Nächster Artikel] |
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Ulm (ots) - US-Amerikaner haben gerade die naturwissenschaftlichen Nobelpreise sämtlich abgeräumt, da mussten jetzt nicht auch noch John Updike oder Philip Roth in der Sparte Literatur triumphieren - auch wenn sie es verdient hätten. Nein, die Schwedische Akademie hat den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk ausgezeichnet, und nach so mancher fragwürdigen Wahl in den vergangenen Jahren hat die literarische Welt mal wieder ungeteilt applaudiert. Trotzdem ist der Literatur-Nobelpreis für den 54-Jährigen aus Istanbul ein politisches Zeichen. Als Pamuk im vergangenen Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, wurde er für ein Werk gerühmt, "in dem Europa und die muslimische Türkei zusammenfinden". Die Nobelpreis-Jury hat das jetzt auch aus Pamuks Romanen herausgelesen und bewundert ihn dafür, "neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen" gefunden zu haben. Aufklärerische Stimmen solch politisch denkender Schriftsteller sind nötig und hoffentlich gewichtig in einer Zeit, wo Orient und Okzident schnell einen Konfrontationskurs fahren. Freut sich die Türkei über ihren ersten Literatur-Nobelpreisträger? Es ist noch nicht lange her, dass sie Pamuk vor Gericht stellte, weil er den Völkermord an den Armeniern anklagte. Andererseits tritt Pamuk für die Rechte seiner Landsleute im Westen an, fordert vehement den Beitritt der Türkei zur EU. Auch der meinungsfreiheitliche Umgang mit Pamuk ist dafür ein Prüfstein.
Originaltext: Südwest Presse Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=59110 Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_59110.rss2
Rückfragen bitte an: Südwest Presse Lothar Tolks Telefon: 0731/156218
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