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Rentenmarkt: Erneuter Richtungswechsel?

Geschrieben am 19.09.2006 - [Nächster Artikel]

Mainz (ots) - Zur Jahresmitte noch deuteten die Indizien in der
Summe auf ein Auslaufen der zuvor rund 15 Jahre währenden Phase
sinkender Langfristrenditen hin. Technisch gesehen erfolgte ein Bruch
dieser langen Trends. Seitdem jedoch hat sich erneut eine Veränderung
in der Einschätzung vollzogen. Auf Basis nachlassender
Inflationssorgen und der Überzeugung, dass wichtige Pole der
Weltwirtschaft geschwächt seien, entwickelte sich beidseits des
Atlantiks eine Abwärtsbewegung bei den Renditen, die inzwischen als
Bestandstest für den Trendbruch gewertet werden kann. Ein Symptom der
jüngsten Renditeabschläge sind flache Zinsstrukturkurven, die USA
verzeichnen bereits seit Jahresbeginn eine Inversion, während in
Euroland das Bild noch durch die erst später eingeleiteten
Zinsstraffungen geprägt ist.

Betreffend die künftige Richtung wichtiger renditebestimmender
Faktoren ist die Unsicherheit aktuell nochmals deutlich höher als
sonst üblich. Mitverantwortlich dafür ist die jüngste Konsolidierung
bei Öl und Rohstoffen. Hohe Preise wurden bisher trotz bangem Blick
auf die Inflationseffekte primär konjunkturdämpfend interpretiert.
Die nun eingetretene Korrektur (Ölpreis knapp 20 Prozent unter dem
Hoch) könnte zwar als Vorbote von konjunktureller Schwäche angesehen
werden, doch geringere Aufwendungen der Haushalte für Energie und
Benzin dürften auch eine festigende Wirkung auf die Weltwirtschaft
ausüben. Angesichts zunehmender Auslastung der
gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten in den USA wie auch
hierzulande bleibt damit trotz rückläufiger Teuerungsraten das Risiko
einer weiteren Straffung der Geldpolitik bestehen, zumal die EZB das
derzeitige Leitzinsniveau noch immer als konjunkturstimulierend
einstuft. So spiegelt das Geldmengen- und Kreditwachstum im Euroraum
denn auch nach wie vor eine reichliche Ausstattung mit Liquidität
wider, obwohl sich das Wachstum der Geldmenge M3 im Juli leicht von
+8,5 auf +7,8 Prozent ermäßigte. Auf der anderen Seite gewinnen
einige Aspekte an Gewicht, die eher für perspektivisch sinkende
Renditen sprechen. Dazu zählt zum einen, dass in jüngster Zeit die
gesamtwirtschaftlichen Schätzungen für Deutschland und den Euroraum
für 2006 und 2007 bereits nach oben angepasst wurden. Der Zenit bei
den Erwartungen könnte damit erreicht sein. Überschritten scheint
zunächst auch der Hochpunkt der Teuerungsraten. Zwar zum Teil
gestützt auf Basiseffekte bewegt sich die Teuerung in Deutschland im
August mit +1,7 Prozent aber immerhin auf dem niedrigstem Stand seit
Mai 2005.

Per saldo drängt sich derzeit noch keine wesentliche Verlängerung
des durchschnittlichen Anlagehorizontes auf. Eine mögliche
Gegenbewegung beim Ölpreis, noch nicht gebannte Aufwärtsrisiken für
die Kernraten der Teuerung und ambivalente Notenbanken könnten auf
dem ermäßigten Renditeniveau langer Laufzeiten Anlass zu
Gewinnmitnahmen bieten. Kurze bis mittlere Laufzeiten bleiben daher
zunächst erste Wahl.


Originaltext: LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=7018
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_7018.rss2


Ihr Ansprechpartner bei der
LRP Landesbank Rheinland-Pfalz:
Bereich: Research
Dr. Stefan Steib
Tel.: 06131 / 13 5503
Fax: 06131 / 13 3143
E-Mail: stefan.steib@LRP.de

Pressekontakt:
Jürgen Pitzer
Pressesprecher
LRP Landesbank Rheinland-Pfalz
Große Bleiche 54-56
55098 Mainz

Tel.: 06131 / 13 28 16
Fax:: 06131 / 13 25 60
E-Mail: presse@LRP.de
Mobil: 0171 / 36 98 345
 
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