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Börsen-Zeitung: Den Erfolg sichern, Kommentar von Reinhard Kuls zu Arbeitskosten und Wettbewerbsfähigkeit

Geschrieben am 01.09.2006 - [Nächster Artikel]

Frankfurt (ots) - So langsam wächst in Europa zusammen, was
zusammengehört - und alle profitieren davon. Im wirtschaftlichen
Sektor zeigt sich das unter anderem an der Entwicklung der
Arbeitskosten. Deren jährliche Zuwachsraten sind in der Eurozone -
und sehr ähnlich auch in der EU der 25 - seit sechs Jahren
rückläufig. Lagen sie Anfang des Jahrtausends bei 4 bis 5%, sind sie
inzwischen gerade mal halb so groß.

Notwendig ist der Erfolg bei den Arbeitskosten, weil mit den sich
kräftig entwickelnden Schwellenländern, nicht zuletzt China, den
europäischen Exporteuren auf immer mehr Märkten Konkurrenz erwächst.
Bemerkenswert ist der Erfolg, weil er möglich war, obwohl eine Reihe
von Mitgliedsländern der EU-25 wie auch der Eurozone sich in einem
quasi natürlichen Aufholprozess befinden, was den Wohlstand und die
Löhne anbelangt.

Geringere Kosten nutzen dabei aber nicht nur den Exportfirmen
Europas. Denn die von ihnen ausgehenden und nach innen gerichteten
Investitionsimpulse regen die gesamte Volkswirtschaft des alten
Kontintents an.

Einen ganz gehörigen Teil zu der flacheren Wachstumskurve der
europäischen Arbeitskosten hat die größte europäische
Volkswirtschaft, Deutschland, beigetragen. Und sie tut das immer
noch. Erkauft wurde dies durch Lohnzurückhaltung, aber auch die
Sozialbeiträge der Arbeitgeber sind zuletzt kaum mehr gestiegen.

Im Prinzip ist diese Entwicklung positiv, das Prosperieren der
deutschen Exporteure legt Zeugnis dafür ab. Der Erfolg hat jedoch
seinen Preis. Denn die Lohnzurückhaltung, so richtig sie im Kontext
der globalen Konkurrenzsituation auch ist, bremst doch zunehmend den
Konsum der Privathaushalte in Deutschland und damit einen sich selbst
tragenden Aufschwung. Dieser wäre aber unter Beschäftigungsaspekten
und zur Entlastung der Sozialkassen wünschenswert, und er ist ohnehin
längstens überfällig. Nun aber daraus Argumente für deutlich höhere,
über der Produktivitätszunahme liegende Lohnaufschläge zu zimmern,
wäre gefährlich, denn dies würde die ganzen Wettbewerbserfolge der
deutschen Volkswirtschaft wieder zunichte machen. Der Kaufanreiz für
die Privaten muss letztlich aus einer Senkung der Lohnnebenkosten
kommen. Dies schafft ebenfalls größere verfügbare Einkommen, ohne
aber die vorteilhaftere Stellung der deutschen Unternehmen zu
gefährden.

(Börsen-Zeitung, 2.9.2006)

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=30377
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Rückfragen bitte an:
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