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Westdeutsche Zeitung: Der Arbeitsplatz-Killer = von Martin Vogler

Geschrieben am 01.09.2006 - [Nächster Artikel]

Düsseldorf (ots) - Zyniker können die Aufregung um die Einführung
des Mindestlohns kaum verstehen: Wir haben ja längst einen, sagen
sie, nämlich in Höhe der Leistungen von Hartz IV. Denn für weniger
Geld wird keiner bereit sein, zu arbeiten. Außerdem lebt die
Bauwirtschaft seit zehn Jahren mit einem, zwischendurch noch etwas
modifizierten, Mindestlohn. Was ist also so schlimm an diesem
Instrument, dass es die Wirtschaft fast komplett verteufelt und in
der Politik sogar weit über konservative und liberale Kreise hinaus
Widerstand beziehungsweise zumindest Skepsis wächst?

Die Antwort lautet schlicht: Mindestlohn und freie Marktwirtschaft
sind ein Widerspruch. So wie sich idealerweise Preise für Waren nach
Angebot und Nachfrage bilden, kann es auch für Arbeitsleistungen
geschehen. Nur wenn das nicht funktioniert, etwa bei einer klaren
Monopolstellung eines Arbeitgebers, kann es Ausnahmen geben. Klar ist
auch, dass nicht jeder individuell mit seinem Boss einen Vertrag
schließt. Verbände auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite tun dies
oft stellvertretend. Und wenn das nicht reicht, gibt es
Sonderregelungen für einzelne Gruppen.

Klingt wie aus dem Lehrbuch - und funktioniert trotzdem zumeist.
Wegen der Fälle, bei denen es hakt, gleich nach dem Mindestlohn mit
all seinen Tücken zu rufen, ist gefährlich. Denn er bliebe nicht ohne
Folgen: Mit illegaler Beschäftigung würde er umgangen, der
Rationalisierungsdruck stiege und Firmen würden ins Ausland ziehen.
All dies kostet Arbeitsplätze. Auch die Einführung selbst wäre nicht
so banal, wie sie sich Franz Müntefering vorstellt. Er setzt darauf,
Mindestlöhne dank bundesweit einheitlicher Tarifstrukturen zu
ermitteln, die dann der Staat nur noch für verbindlich erklärt. In
Zeiten allgemeiner Tarifflucht kann das nicht klappen.

Originaltext: Westdeutsche Zeitung
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=62556
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_62556.rss2

Rückfragen bitte an:
Westdeutsche Zeitung
Martin Vogler
Telefon: 0211/ 8382-2526
martin.vogler@westdeutsche-zeitung.de
 
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