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Wie aus Fäkalien blühende Landschaften werden

Geschrieben am 15-03-2010

Leipzig (ots) - DBU fördert Projekt der Universität Leipzig -
Herstellung von Terra Preta aus Klärschlamm

Ihre Kultur ist längst verschwunden. Ihre Methode, fruchtbare
Schwarzerdeböden herzustellen, wird nach Tausenden von Jahren wieder
entdeckt: Fäkalien, Holzkohle und Küchenabfälle sind die Zutaten, mit
denen indigene Völker aus dem Amazonasgebiet ihre Terra Preta
(schwarze Erde) entwickelten. Eine Technik, die sich die Wissenschaft
hierzulande jetzt zu Eigen macht: Die Universität Leipzig untersucht
in einem Forschungsprojekt, wie sie aus fäkalen Abfällen von
Tierkliniken die nährstoffreichen schwarzen Böden gewinnen kann. "Wir
machen uns ein altbewährtes Verfahren zu Nutze, um mit Keimen,
Antibiotika und Holspänen versetztes Material umweltschonend zu
entsorgen und in ein ertragreiches Produkt zu wandeln", erklärt Prof.
Dr. Monika Krüger vom Institut für Bakteriologie und Mykologie. Die
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert mit knapp 45.000 Euro.

"Das Konzept soll auch auf andere Entsorgungssysteme übertragen
werden, um etwa Klärschlamm besser verwerten zu können", sagt
DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde. 200 bis 300 Liter
Klärschlamm fallen laut Bildungs- und Demonstrationszentrum für
dezentrale Abwasserbehandlung (BDZ) im Jahr durchschnittlich pro
Einwohner in deutschen Kleinkläranlagen an. Das Material ist durch
Rückstände von Medikamenten und möglichen Infektionserregern
belastet. Klärschlamm als Dünger zu nutzen, unterliegt strengen
Vorschriften und ist nicht unumstritten. Der darin enthaltene
Kohlenstoff und die Nährstoffe müssen deshalb oft energie- und
kostenintensiv beseitigt werden.

Für das Institut für Bakteriologie und Mykologie der Universität
Leipzig gehen damit wichtige Wertstoffe verloren. Es will am Beispiel
der fäkalen Abfälle aus den Kliniken der veterinärmedizinischen
Fakultät untersuchen, wie Fäkalschlämme aus dezentralen
Kleinkläranlagen umweltschonend von ihren Schadstoffen befreit und
gleichzeitig produktiv genutzt werden können. "Dadurch lassen sich
regionale Stoffkreiskreisläufe wieder besser schließen", betont
Krüger.

Das Ziel: die Herstellung von Terra Preta - dem Boden, der schon
vor Jahrtausenden von Jahren das sonst weniger ertragreiche
Amazonasgebiet fruchtbar machte. Aufgrund ihres hohen Gehalts an
organischem Kohlenstoff ist die Terra Preta sehr fruchtbar, kann
große Menge an Wasser speichern und regeneriert sich zudem sehr
schnell. Pflanzen gedeihen auf ihr besonders gut. "Die Landwirtschaft
erzielt so höhere Erträge und bessere Einkommen. Unfruchtbares Land
kann wieder fruchtbar gemacht werden. Bei schrumpfenden Anbauflächen
und wachsender Weltbevölkerung ist das für die
Nahrungsmittelproduktion der Zukunft weltweit von Bedeutung", so
Krüger. "Das Projekt steigert so die Ressourceneffizienz und stärkt
sowohl Klimaschutz als auch Ernährungssicherung", betont
DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde.

Das Institut für Bakteriologie und Mykologie verfolgt einen
mehrstufigen Umwandlungsprozess: "Zunächst lagern wir die
Fäkalienabfälle der Tierklinik zusammen mit Holzkohle und
Grünabfällen ohne die Zufuhr von Sauerstoff in geschlossenen
Behältnissen für drei Wochen ein", erklärt Krüger. "Während dieses
Gärprozesses entstehen Säuren und andere antimikrobielle Substanzen."
Gesundheitsgefährdende Stoffe ließen sich so auf ein unwirksames Maß
verringern und Infektionsketten unterbrechen. Danach würden
Bodenlebewesen helfen, das Material in fruchtbare Erde umzuwandeln.
Das gereifte Substrat wird auf den Versuchsflächen des Lehr- und
Versuchsgut der Veterinärmedizinischen Fakultät getestet. "Im Mai
wollen wir beginnen, dort Mais zu legen. Im Herbst wollen wir ernten
und die Versuchsergebnisse auswerten", freut sich die Professorin.

Nach Abschluss des Forschungsprojekts sollt geprüft werden, wie
auch aus menschlichen Exkrementen sowie in der Landwirtschaft
anfallendem Dung Nährstoffe zurück gewonnen werden können. Das BDZ
aus Leipzig hat bereits Interesse bekundet. Es plant, nach
erfolgreichem Verlauf des Vorhabens ein Zentrum zur Anwendung der
Terra Preta-Technologie einzurichten. "Abfälle und Abwässer sind
wichtige Wertstoffe, die wir mit dem Verfahren wieder in den
Wirtschaftskreislauf integrieren können", erklärt Wolf-Michael
Hirschfeld, Vorstandsvorsitzender des BDZ. "Somit entsteht ein
zukunftsfähiges, kosteneffizientes System, das einen Beitrag zur
Flexibilisierung der Ver- und Entsorgungstechnik leistet." Für
Brickwedde ließen sich die Ergebnisse auch über das Projekt hinaus
auf belastete Böden und Standorte übertragen: "Mit Hilfe dieser
umweltschonenden Art, gefährliche Verunreinigungen zu beseitigen,
können etwa industrielle Konversionsflächen für den Naturschutz
aufgewertet werden."

Originaltext: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6908
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6908.rss2

Pressekontakt:
Ansprechpartner
Franz-Georg Elpers
- Pressesprecher -
Stephanie Kaßing
Anneliese Grabara

Kontakt DBU:
An der Bornau 2
49090 Osnabrück
Telefon: 0541|9633521
Telefax: 0541|9633198
presse@dbu.de
www.dbu.de

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt:
Prof. Dr. Monika Krüger
Institut für Bakteriologie und Mykologie der Veterinärmedizinischen
Fakultuät, Universität Leipzig
Telefon: 0341/9738180
Telefax: 0341/9738199
E-Mail: mkrueger@vetmed.uni-leipzig.de


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