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Börsen-Zeitung: Machtspiel, Kommentar zum Konflikt um das Sarrazin-Interview von Bernd Wittkowski

Geschrieben am 12-10-2009

Frankfurt (ots) - Bundesbankpräsident Axel Weber treibt das
Machtspiel auf die Spitze. Das aufmüpfige Vorstandsmitglied Thilo
Sarrazin soll zur Räson gebracht werden, indem ihm ein Teil seiner
Zuständigkeiten entzogen wird. Allmählich müssen alle Beteiligten
aufpassen, den Bogen nicht zu überspannen. Der Reputationsschaden für
die Währungsbehörde, den Weber als Folge von Sarrazins
Kopftuchmädchen-Interview konstatierte, droht nämlich nicht allein
durch das Interview selbst von Tag zu Tag größer zu werden. Am Ende
könnte er zum Teil auch denen angelastet werden, die den Konflikt auf
immer neue Eskalationsstufen heben, während Sarrazin schweigt - und
vielleicht genießt, was er angerichtet hat. Der Rückhalt für den
früheren Berliner Finanzsenator in der Öffentlichkeit und in
maßgeblichen Teilen der Wirtschaft nimmt jedenfalls offenbar zu, je
länger und intensiver nicht nur an den Stammtischen über
Integrationsfähigkeit und -bereitschaft von Türken und Arabern oder
die volkswirtschaftliche Bedeutung des Obst- und Gemüsehandels
diskutiert wird.

Sarrazin hat ein Interview gegeben, dessen fünf eng bedruckte
Seiten die allermeisten, die darüber reden, vermutlich gar nicht in
Gänze kennen. Die meisten, die den kompletten Text im Zusammenhang
gelesen haben, dürften darin indes - soweit Sarrazin ihnen nicht
ohnehin aus dem Herzen spricht - weit weniger Anstößiges finden, als
es die öffentliche Debatte suggeriert. Volksverhetzung? Geistige Nähe
zu den Nazis? Man lasse doch bitte die Kirche im Dorf. Es ist ja
niemand gezwungen, sich Sarrazins Meinung zu eigen zu machen. Aber
das Grundgesetz schützt auch die Meinungsfreiheit von Provokateuren.

Was nach Recht und Gesetz erlaubt ist, mag gleichwohl gegen die
guten Sitten, den Komment oder den Stil eines Hauses verstoßen.
Insoweit hätte der Bundesbanker Sarrazin das Interview besser nicht
gegeben. Das sieht er wohl auch selbst ein, zumindest hat er sich für
seine Äußerungen entschuldigt. Damit sollte es dann aber auch gut
sein. Wenn Weber Argumente hat, die Sarrazins Entlassung durch den
Bundespräsidenten wegen gravierender Verfehlungen rechtfertigen,
sollte er nicht zögern, sie an kompetenter Stelle vorzutragen. Wenn
nicht, ist es an der Zeit, den Vorgang ad acta zu legen. Andernfalls
könnte der Verdacht aufkommen, hier solle ein unbequemes
Vorstandsmitglied weggemobbt werden. Etwas mehr Souveränität wäre
angebracht - auf beiden Seiten.

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Weitere Informationen: www.boersen-zeitung.de
Telefon: 069--2732-0


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