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Psychologie wird in der Wirtschaft zu häufig vernachlässigt

Geschrieben am 17-09-2009

Frankfurt (ots) - Verband zur Förderung der Wirtschaftspsychologie
fordert angesichts der Wirtschaftskrise ein Umdenken

Finanzkrise, Börsencrashs, gescheiterte Megafusionen und auch das
ganz normale Wirtschaftsleben belegen: psychologische Faktoren
spielen in der Wirtschaft eine wichtige und oft auch entscheidende
Rolle. Im praktischen wirtschaftlichen Handeln wird deren Bedeutung
jedoch häufig noch vernachlässigt. Darauf weist der Verband zur
Förderung der Wirtschaftspsychologie e.V. (WiPs) in einer aktuellen
Stellungnahme zur Finanz- und Wirtschaftskrise hin.

Erkenntnisse bleiben ohne Konsequenzen

Bereits der einstige Wirtschaftsminister Ludwig Erhard erkannte:
"50 Prozent der Wirtschaft sind Psychologie". Börsenaltmeister André
Kostolany sah mit Blick auf die Aktienmärkte sogar 90 Prozent des
wirtschaftlichen Geschehens als Psychologie an. Und nicht umsonst
erhielten mit Herbert Simon (1978) und Daniel Kahnemann (2002) zwei
Psychologen den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Letztere
forderten eine Abkehr vom Modell des rein vernunftgesteuerten "homo
oeconomicus" der klassischen Wirtschaftstheorie und machten das
konkrete, nicht selten irrational erscheinende Handeln von Subjekten
in wirtschaftlichen Kontexten einer psychologischen Erklärung und
Vorhersage zugänglich.

Umso bedenklicher erscheint die Tatsache, dass Unternehmen,
Wirtschaftsverbände und Wirtschaftspolitik bis heute nur selten auf
die Kompetenzen professioneller Wirtschaftspsychologen zurückgreifen.

"Ungeachtet der gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten gerne
bemühten Rede von der Bedeutung psychologischer Faktoren werden
entsprechend ausgebildete Fachkräfte im realen Wirtschaftsleben immer
noch viel zu selten eingesetzt", sagt die Präsidentin des Verbandes
zur Förderung der Wirtschaftspsychologie Sabine Siegl. "Wichtige
Potenziale zur Krisenbewältigung und für den ökonomischen Erfolg
werden so leichtfertig verspielt".

Generelle Unkenntnis und Barrieren zwischen Fachdisziplinen als
Ursache

Verantwortlich für die hohe Diskrepanz zwischen der allgemein
erkannten Bedeutung der Wirtschaftspsychologie und deren mangelnder
praktischer Umsetzung ist nach Auffassung des Verbandes eine immer
noch vorhandene Unkenntnis darüber, was Wirtschaftspsychologen in
verschiedenen Anwendungsfeldern konkret leisten können. Hierzu zählen
etwa die Folgeabschätzung unternehmerischer oder finanz- und
steuerpolitischer Entscheidungen, das Personalmanagement und die
Organisationsentwicklung sowie die Bereiche Konsumforschung,
Marktforschung, Anlegerverhalten, Wirtschaftskommunikation oder
Wirtschaftsethik.

Beispielsweise hätten sich die fatalen Folgen des nicht
verhinderten Großbankenkonkurses von Lehmann Brothers für die
internationale Finanzwelt, die nachhaltigen Auswirkungen der
Einführung des Euro auf die inländische Binnenkonjunktur oder die
massiven Imageprobleme von Unternehmen nach der Verkündung
umfangreicher Stellenstreichungen trotz Milliardengewinnen, mit
wirtschaftspsychologischer Expertise besser vorhersehen und managen
lassen.

Gleichzeitig müssten aber auch Verständigungsprobleme zwischen
Wirtschaft und Psychologie, sowie weiteren im wirtschaftlichen
Kontext relevanter Professionen, zugunsten einer stärkeren
interdisziplinären Zusammenarbeit überwunden werden.

Darüber hinaus fordert der Verband der Wirtschaftspsychologen die
entsprechenden Fachinstitute der Universitäten auf, sich zukünftig
noch stärker in der angewandten Wirtschaftsforschung zu engagieren
und aktiver in die öffentliche Diskussion von Wirtschaftsthemen
einzubringen.

Fazit: Ungeachtet der müßigen Frage nach dem genauen prozentualen
Einfluss psychologischer Faktoren bleibt die Wirtschaftspsychologie
für die erfolgreiche Steuerung von Wirtschaftsprozessen
unentbehrlich. Die Nutzung des Potenzials hinkt in Deutschland jedoch
weit hinter ihren Möglichkeiten zurück; angelsächsische Länder zeigen
sich hier bereits weiter. Dies, so der Verband zur Förderung der
Wirtschaftspsychologie, müsse sich dringend ändern - zum Wohle und
wirtschaftlichen Vorteil aller.

Über WiPs

Der Verband zur Förderung der Wirtschaftspsychologie e.V. wurde
1998 gegründet. Zentrales Ziel ist die Förderung der angewandten
Wirtschaftspsychologie auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse
und deren Verbreitung in der Wirtschaft und in der Öffentlichkeit.

Weitere Informationen unter: www.wirtschaftspsychologie-ev.de

Kontakt:

Verband zur Förderung der Wirtschaftspsychologie e.V.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Frau Petra Kalendruschat
Tel.: 0 59 62-873 642
E-Mail: info@wips-ev.de
www.wips-ev.de

Originaltext: Verband zur Förderung der Wirtschaftspsychologie e.V. (WiPs)
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/76943
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_76943.rss2

Pressekontakt:
Kommunikations- und Pressebüro
Ansgar Metz
Haselbergstr. 19
50931 Köln
Tel.: +49 177 295 3800
E-Mail: ansgar.metz@email.de


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