(Registrieren)

Berliner Morgenpost: Noch einmal bewegt Jackson Millionen

Geschrieben am 07-07-2009

Berlin (ots) - Noch einmal ist Zahltag in Neverland. Am Tode
Michael Jacksons verdienen die Würstchen- und Devotionalienverkäufer
vor den Toren des künstlichen Paradieses in Santa Barbara; die
Plattenfirma Sony Music - die zuletzt den Kontakt zu dem schwierigen
Vertragspartner abgebrochen hatte - macht unverhofft Reibach mit den
alten CDs (und mit Downloads obendrein), und sogar der im Testament
nicht berücksichtigte Vater Joseph hofft mit einer flugs gegründeten
Plattenfirma auf ein fettes Geschäft: "Wir haben viele tolle
Künstler", versichert der böse alte Marketender.
Der Tragödientod der größten Diva der Welt funktioniert beinahe so,
als hätte niemand "Krise" gerufen. Der lebende Michael Jackson war
selbst in den Abschwung geraten; sein letztes Album erschien im Jahr
2001 und war eine kommerzielle Enttäuschung (eine künstlerische
sowieso). Immerhin erlebte er noch den Ansturm auf die 700000
Karten für die avisierten Konzerte in London. Doch erst die mehr oder
weniger schöne Leiche erlöst die Musikindustrie nun aus ihrem
Scheintod: Jackson verkauft auf allen Vertriebswegen, in allen
Formaten und Konfigurationen - eine von "Bild"-Lesern zu Jackos
50.Geburtstag zusammengewünschte CD-Compilation führt die
deutschen Verkaufscharts an, für die schlichte Original-CD von "Bad"
aus dem Jahr 1987 muss man heute schon mal 150 Euro zahlen. Für die
malade Musikindustrie müsste es darum gehen, einen, zwei, viele
Jacksons zu erschaffen. Aber sie hat nur noch Madonna. Und die
möglichen Nachfolger senden aus ihren Übungskellern direkt ins
Internet. Noch fangen die Plattenfirmen die Talente ab, wenn sie eine
Million Mal angeklickt wurden. Aber das wird nicht so bleiben. So ist
dieses kitschige Menschheitsdrama auch der letzte Vorhang für die Old
Economy.
Als Eintritt für die Trauerfeier in Los Angeles sollte zunächst ein
Obolus von 25 Dollar erhoben werden - schließlich wurden
11000 Tickets einfach verlost. Wiederum wollten etwa
700000 Menschen dabei sein, so sehr, dass sie auch mit einem
Platz in der Meute vor der Halle einverstanden waren, wo sie
allenfalls Jackson-Doubles und Fans wie sich selbst beobachten
konnten. Es war wie der Blick in einen Spiegel, der sich in einem
anderen spiegelt: Twitter und YouTube und das gute alte Fernsehen
ermöglichten in Jetztzeit den Zugang zu einem Medienspektakel ohne
Beispiel - der Moonwalk übertraf sogar die Mondlandung. 1967 hatten
die Beatles zur ersten weltweiten Satellitenübertragung noch "All You
Need Is Love" gesungen. Hinter den Kulissen in Los Angeles wurde
vermutlich über die Verwertungsrechte an der zunächst zollfreien
Veranstaltung verhandelt - es ist anzunehmen, dass die Familie
Jackson eine kleine Schutzgebühr erheben wird, wenn auch von dem
Requiem eine "Special Edition" auf DVD erscheinen soll.
Der tote Jackson sei viel mehr wert als der lebende, frohlockte ein
naturgemäß hartherziger Geschäftsmann der Plattenfirma am Tag nach
Jacksons Tod. Das ist natürlich reiner Zynismus - und doch nichts als
die Wahrheit. Michael Jackson hatte daran niemals einen Zweifel.

Originaltext: Berliner Morgenpost
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/53614
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_53614.rss2

Pressekontakt:
Berliner Morgenpost

Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

213076

weitere Artikel:
  • Westfalenpost: Die Gunst der Stunde Hagen (ots) - Enzyklika kommt genau zur rechten Zeit Von Andreas Thiemann Die erste Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI. beinhaltet eine ausgesprochen präzise Analyse des weltwirtschaftlichen Ist-Zustandes mit einem ebenso genauen Augenmerk auf jene Faktoren, die in die dramatische Finanzkrise geführt haben. Unter der maßgeblichen Mitwirkung seines engen Vertrauten, dem in Kirchhundem geborenen Kurienkardinal Paul Josef Cordes, ist Benedikt mit seinem Schreiben "Liebe in Wahrheit" - man darf es vielleicht etwas despektierlich so sagen mehr...

  • WAZ: Tanz um den goldenen Sarg. Kommentar von Ulrich Schilling-Strack Essen (ots) - Nein, an solch einem billigen Tamtam könne sie sich auf keinen Fall beteiligen, erklärte Liz Taylor und sagte ihre Teilnahme an der Trauerfeier für Michael Jackson ab. Die Souvenir-T-Shirts, die knatternden Hubschrauber der Paparazzi, dieser geschmacklose Tanz um den goldenen Sarg - all das habe der verblichene Freund nicht gewollt. Ihre Empörung übergab Elizabeth Taylor nicht ihrem Tagebuch, sondern dem Internet-Dienst Twitter. Der trompetete die Botschaft natürlich postwendend in alle Himmelsrichtungen und trieb damit mehr...

  • Neue OZ: Kommentar zu Ausstellungen Osnabrück (ots) - Einfach nur zynisch Mit der richtigen Verpackung wird alles präsentabel. Auch Prora, die Ferienfestung der Nationalsozialisten? Die Künstler, die sich ausgerechnet diesen Rügener Riegel als größte Galeriewand der Welt ausgesucht haben, landen sicher einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Doch das Ausstellungsprojekt ist dennoch ein Desaster. Dieses gebaute Zeugnis des Größenwahns eignet sich nicht für bunte Bemäntelungen. Wer nun dennoch Bilder und Fotos vor diese Fronten mit ihrem Schießschartencharme hängt, mehr...

  • stern: Schwere Vorwürfe gegen Betreiber der Zirkusshow "Afrika!Afrika!" - Initiator André Heller distanziert sich von Projekt Hamburg (ots) - Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen das Management der Zirkusshow "Afrika! Afrika!". Hinter den Kulissen soll es regelmäßig zu Unstimmigkeiten über Gagen und Versorgung der Artisten gekommen sein. Initiator André Heller distanziert sich inzwischen von der Show. Weder Produzent und Tourneeveranstalter Matthias Hoffmann noch einige Künstler seien in der Lage, "mit der Ausnahmesituation eines internationalen Megaerfolges behutsam, klug und liebevoll umzugehen", sagte Heller in der neuen, am Donnerstag erscheinenden mehr...

  • Märkische Oderzeitung: Kommentarauszug zu Kartellabsprachen zwischen E.on und Gaz de France: Frankfurt/Oder (ots) - Wer die Leitung hat, hat das Geschäft. So etwas nennt man auch natürliches Monopol. Und das blieb viele Jahrzehnte unangetastet. Aus dieser für Energiekonzerne besonders glücklichen Zeit stammte die von der EU jetzt abgestrafte Absprache zwischen deutschem und französischem Gasriesen. Motto: Gemeinsam bauen, gemeinsam abkassieren. Indem man sich keine Konkurrenz macht. Der Deal galt auch noch, als in der EU längst die Liberalisierung beschlossen worden war, die Leitungen für Konkurrenten zugänglich machen und damit mehr...

Mehr zu dem Thema Alles rund um die Kultur

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

Pinocchio erreicht Gold in Deutschland mit Top-3-Hit "Klick Klack" - "Mein Album!" erscheint am heutigen Tag - Neue Single "Pinocchio in Moskau (Kalinka)" folgt am 17. März

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht