(Registrieren)

WAZ: Konjunkturpakete und Steuern - Brutalstmöglicher Pragmatismus - Leitartikel von Stefan Schulte

Geschrieben am 03-02-2009

Essen (ots) - Manchmal schreiben wir Zahlen aus, um Größe zu
zeigen. 1,5 Billionen Schulden machen so einfach mehr her: 1500 000
000 000 Euro. Doch wirklich vorstellen kann sich solche Summen
niemand, da nützen alle Nullen nichts. Bürgern, Journalisten, selbst
Politikern wird schwindelig bei den Summen, mit denen sie dieser Tage
hantieren. Und immer, wenn unvorstellbar große Zahlen unterwegs sind,
stellt sich jeder die Frage: Und ich? Das ist beim Konjunkturpaket
nicht anders als beim geknackten Jackpot oder der Forbes-Liste.

Der Politik fliegt diese Frage gerade aus allen Richtungen um die
Ohren, gekleidet in Worte wie ". . . wenn der Staat 500 Milliarden
für die Banken übrig hat, wird er ja wohl auch . . ." Die
Lobbyverbände stehen Schlange. Und uns Bürgern sind die Entlastungen
viel zu niedrig. Nun sehen wir, was von dem vielen Geld in unserer
Stadt ankommt. Das ist schon deutlich näher und wird wohlwollend zur
Kenntnis genommen. Mehr aber auch nicht. In den Umfragen spüren SPD
und Union von dem Lob jedenfalls nichts. Es sind die Liberalen, die
derzeit punkten. Ganz ohne Krisenkonzept, aber mit der immergrünen
Forderung, die Steuern zu senken. Die Leute fragen "Und ich?" Die FDP
antwortet. Wirtschaftskompetenz schreibt der Bürger denen zu, die am
meisten bieten. Und weil das so gut ankommt, macht es die Kanzlerin
gleich nach.

Als hätten wir keine epochale Krise zu meistern, sondern Unsummen
aufgetan, die nur noch unters Volk gebracht werden wollen. Als hätten
nicht selbst Liberale gerade erst den starken Staat wiederentdeckt.
Und als würden wir nicht schon nächstes Jahr wieder gegen den
europäischen Stabilitätspakt verstoßen ob der neuen Schulden.

Deshalb zur Erinnerung: Wir alle zahlen - früher oder später -
diese Summen, mit denen Banken und von Banken im Stich gelassene
Firmen gerettet werden sollen. Das sind keine Gefälligkeiten für
Manager, sondern Versuche, unsere Wirtschaft am Laufen zu halten.
Niemand weiß, ob das klappt. Aber seit der Lehman-Pleite wissen wir,
was geschieht, wenn man nichts tut.

Vieles aus dem Konjunkturpaket ist angreifbar, die Investitionen
in die Städte nicht. Doch auch hier droht die "Und ich?"-Frage. Jeder
will etwas von den Millionen haben. Deshalb müssen die Planer
brutalstmöglichen Pragmatismus zeigen. Wenn das Ziel lautet, die
regionale Baukonjunktur so schnell wie möglich anzukurbeln, müssen
möglichst viele, kleine Aufträge vergeben werden. Und nicht für neue
Stadien oder andere Prestigeobjekte.

Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/55903
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_55903.rss2

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-2727
zentralredaktion@waz.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

184393

weitere Artikel:
  • Z-TEC Istanbul (1. bis 4. Oktober 2009) Bielefeld/Hannover (ots) - - Z-TEC Istanbul - Maschinenmesse für die Holzbe- und -verarbeitung vom 1. bis 4. Oktober 2009 in Istanbul - Deutsche Messe AG und Survey gehen Messekooperation ein Die Deutsche Messe AG, Hannover, und die Survey Marketing + Consulting GmbH & Co. KG, Bielefeld, richten gemeinsam vom 1. bis 4. Oktober 2009 die Z-TEC Istanbul im Istanbul Expo Center aus und setzen damit konsequent ihre Wachstumsstrategie in prosperierende Märkte fort. "Wir freuen uns, in Survey einen kompetenten Partner gefunden mehr...

  • Allgemeine Zeitung Mainz: Neu rechnen - zur Altersvorsorge Mainz (ots) - Langsam werden die ersten Langzeitwirkungen der Finanzkrise für die privaten Verbraucher sichtbar, denn das Altersvorsorgekonzept vieler Bürger wird durch das Fehlverhalten der Banken in Frage gestellt. Die Verzinsung von Rentenversicherungen wird zurückgehen. Fondssparer können nur hoffen, dass sich die Märkte rechtzeitig vor Rentenbeginn wieder erholen und die Sparpläne am Ende mehr abwerfen, als der Sparer hineingesteckt hat. Dramatisch ist die Entwicklung noch nicht. Bei sehr langfristigen Anlagen hat es in der Vergangenheit mehr...

  • Allgemeine Zeitung Mainz: Worten müssen Taten folgen - zum Flughafen Hahn Mainz (ots) - Der Handel ist perfekt: Rheinland-Pfalz übernimmt von der Fraport AG alle 65 Prozent am Flughafen Hahn und wird so größter Gesellschafter. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering hatte keine Alternative. Fraport wollte den defizitären Regionalflughafen unbedingt loswerden und Hahn-Großkunde Ryanair keine schlechteren Konditionen hinnehmen. Da seien zwei ICE mit großem Tempo aufeinander zugerast, meinte ein Abgeordneter in Mainz. Besser kann man die Situation kaum beschreiben. Dennoch: Die eine gute Nachricht mehr...

  • Westfalenpost: Zwanglos Hagen (ots) - Agrar-Marketing vor Neuorientierung Von Sven Nölting Landwirte dürfen künftig nicht mehr zwangsweise zur Finanzierung staatlich organisierten Marketings zur Kasse gebeten werden. Das ist nachvollziehbar und richtig. Denn die deutsche Agrarwirtschaft leidet nicht mehr an Wettbewerbsnachteilen. Und seit die Europa-Richter der CMA die explizite Werbung für deutsche Produkte verboten haben, zweifeln nicht wenige Bauern zu Recht an ihrem Nutzen aus den nun unverbindlichen Slogans. In der Tat dürfte vielen besser damit gedient mehr...

  • Kölner Stadt-Anzeiger: Sparkassen melden Vorbehalte gegen Aufspaltung der WestLB an Köln (ots) - Die Sparkassen stehen einer Aufspaltung der WestLB in eine Fusions- und eine Konsolidierungsbank skeptisch gegenüber. "Da gibt es noch sehr viele Dinge, die genau geprüft werden müssen", sagte der Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes, Michael Breuer, dem "Kölner Stadt-Anzeiger"(Mittwoch-Ausgabe). "Die Neustrukturierung der Landesbanken ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es darf keine zusätzlichen neuen Belastungen für die Kommunen und Sparkassen geben", betonte der ehemalige Europaminister in der mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Wirtschaftsnews

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

DBV löst Berechtigungsscheine von knapp 344 Mio. EUR ein

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht