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Börsen-Zeitung: Rette sich, wer kann! Kommentar zum Rettungspaket von Bernd Wittkowski

Geschrieben am 15-10-2008

Frankfurt (ots) - Das Rettungspaket ist geschnürt, fast schon
beschlossen und soll von Montag an zur Verfügung stehen. Schlingernde
deutsche Banken und Versicherer müssten nur noch beherzt zugreifen,
um sich selbst und damit den Finanzmarkt zu stabilisieren. Bleibt nur
ein Problem: Keiner will gerettet werden. Vielmehr scheint sich das
Finanzgewerbe verschworen zu haben, die angebotene Hilfe unter keinen
Umständen anzunehmen: Rette sich, wer kann - vor diesem
Rettungspaket!

Nicht einmal die LBBW, die der WestLB-geschädigte
NRW-Finanzminister Helmut Linssen öffentlich bezichtigte, sie wolle
"offensichtlich als Erste" den Finanzmarktstabilisierungsfonds
nutzen, will etwas davon wissen. Der CDU-Mann muss entweder eine
ausgeprägte rheinische Frohnatur sein oder ein politischer
Geisterfahrer. Schließlich könnten solche Äußerungen eines
hochrangigen Amtsträgers, ob nun witzig oder ernst gemeint, relevant
sein für Ratings und Refinanzierungskosten einer auf diese Weise im
doppelten Wortsinn in Misskredit gebrachten Bank.

Denn das mag ja gerade der Clou am Multimilliardenpaket der
Regierung sein: Wer Hilfe beansprucht, riskiert nicht nur den damit
verbundenen Imageschaden, sondern vor allem tiefe Eingriffe etwa in
die Geschäftsstrategie, die Dividendenpolitik oder - da geht es dann
für Vorstände und Aufsichtsräte auch persönlich um viel Geld und
Ansehen - in die Vergütung der Organe. Zudem muss das jeweilige
Institut die Kosten der abgerufenen Stützungsmaßnahmen tragen und
mittelbar weitere wirtschaftliche Nachteile wie beispielsweise über
das Rating in Kauf nehmen. Wer diesen hohen Preis zu zahlen bereit
ist, dem muss es wirklich schlecht gehen. Dann doch lieber: Rette
sich, wer kann - und zwar selbst!

Banken und Versicherer sollten sich allerdings nicht zu sicher
sein, dass sie darüber frei werden entscheiden dürfen. Es könnte
nämlich auch die britische Methode angewendet werden: Die
Finanzaufsicht verlangt eine höhere Mindestkernkapitalquote (z.B. 9%)
und oktroyiert damit den Instituten eine bessere Kapitalausstattung;
etliche deutsche Branchengrößen liegen heute teils deutlich unter 8%.
Da der Markt frische Mittel kaum hergibt, könnte manches Haus
letztlich gezwungen sein, sich aus dem Stabilisierungsfonds zu
bedienen - und sich dafür die staatlichen Daumenschrauben anlegen zu
lassen. Aber solange es irgend geht, wird man in diesem Fall gerne
der Konkurrenz den Vortritt lassen.

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0


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