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Siemens-Aufsichtsrat Hawreliuk: Korruptionsskandal kostete tausende Arbeitsplätze / ZDF-Dokumentation "Der Fall Siemens " mit erstem Fernsehinterview des ehemaligen Siemens-Managers Siekaczek

Geschrieben am 24-09-2008

Mainz (ots) - Der Schmiergeldskandal bei Siemens hat nach
Einschätzung von Aufsichtsrat und IG-Metall-Funktionär Heinz
Hawreliuk tausende Arbeitsplätze gekostet. Durch Korruptionszahlungen
sei die wirtschaftliche Misere im ehemaligen
Siemens-Telekommunikationsbereich "verschleiert, vertuscht und unter
den Teppich gekehrt" worden, sagt Hawreliuk in der ZDF-Dokumentation
"Der Fall Siemens: Der Konzern und die Korruption", die am Mittwoch,
1. Oktober 2008, 0.35 Uhr ausgestrahlt wird. "Bei Siemens sind
Arbeitsplätze verloren gegangen, weil die Schwächen des Bereichs von
Korruptionszahlungen überdeckt worden sind, die zu künstlich
zugeführten Aufträgen geführt haben." Die Bestechungspraktiken seien
mitverantwortlich für die BenQ-Krise und den Niedergang der
Siemens-Telekomsparte, so Hawreliuk weiter.

Bisher galten ausschließlich Managementfehler als Ursache für das
Aus der Siemens-Telekommunikation. Das Handygeschäft ging 2006 an den
taiwanesischen Konzern BenQ und endete ein Jahr darauf in einem
Insolvenzdesaster. Mehr als 3.000 Beschäftigte in Deutschland
verloren ihren Job. Im größten Schmiergeld-Skandal der deutschen
Wirtschaftsgeschichte geht es insgesamt um 1,3 Milliarden Euro an
dubiosen Zahlungen.

In seinem ersten und bisher einzigen Fernsehinterview berichtet
der ehemalige Siemens-Manager Reinhard Siekaczek, wie das
Schmiergeldsystem funktioniert hat. Siekaczek hat das Netz der
Schwarzen Kassen mit Wissen seiner Vorgesetzen aufgebaut: "Bei
Siemens war es flächendeckend in fast allen Bereichen üblich,
Schmiergeld zu bezahlen." Das sei im Konzern bekannt gewesen - wohl
auch im Vorstand. "Die Zentralvorstände kamen fast alle aus dem
eigenen Haus und waren in ihrer Karriere mit dem Thema beschäftigt",
sagt Siekaczek im ZDF. Um Aufträge zu ergattern, fuhren
Siemens-Manager mit Koffern voller Bargeld ins Ausland und schleusten
Millionenbeträge über Tarnfirmen und Scheinkonten um die ganze Welt.

Bestechungsgeld hat Siemens aber offenbar auch im eigenen Konzern
eingesetzt. 50 Millionen Euro sollen an die Betriebsräteorganisation
AUB geflossen sein. Mit der heimlichen Finanzierung wollte der
Konzern ein arbeitgeberfreundliches Gegengewicht zur IG Metall
schaffen. Um unbequeme Gewerkschafter unter Druck zu setzten, nutzte
Siemens auch andere Methoden: Der Konzern ließ 2003 Heribert Fieber,
den damaligen Betriebsratsvorsitzenden der
Siemens-Telekommunikationssparte, überwachen. Erstmals äußert sich
der von Siemens beauftragte Detektiv vor der Kamera. Fieber erhebt in
der Dokumentation schwere Vorwürfe gegen Siemens: "Es ging darum, wie
ich als Betriebsrat durch Zufallsfunde so belastet werden kann, dass
man mich hätte aus dem Amt jagen können. Das war eine
Rufmord-Kampagne."

Besonders hohe Wellen schlägt der Fall Siemens in Griechenland. In
Athen soll der Konzern Politiker und Parteien bestochen haben, um bei
lukrativen Geschäften zum Zuge zu kommen - zum Beispiel beim
griechischen Telefonkonzern OTE. Ein ehemaliger hochrangiger
OTE-Manager schildert in der Dokumentation, wie Siemens bestochen
hat, um Aufträge zu überhöhten Preisen abrechnen zu können. Als der
OTE-Manager das System aufdecken wollte, wurde er gefeuert.

Um die Korruptionsaffäre aufzuklären, durchkämmen derzeit hunderte
amerikanische Anwälte im Auftrag von Siemens die Geschäfte. Denn in
den USA droht dem Konzern die größte Gefahr. "Wir werden es hier mit
einer Bestrafung zu tun haben, die neue Rekorde setzen könnte. Im
schlimmsten Fall muss Siemens mehrere Milliarden zahlen", sagt der
amerikanische Korruptionsexperte Michael Hershman. Außerdem könne
Siemens von amerikanischen Staatsaufträgen ausgeschlossen werden. Das
wäre verheerend für den Konzern, der ein Großteil seiner Geschäfte in
den USA macht. Dann stünden auch Arbeitsplätze an deutschen
Siemens-Standorten auf dem Spiel, fürchtet Aufsichtsrat Hawreliuk.

Die Siemens-Führung unter dem neuen Vorstandschef Peter Löscher
versucht die Firma nun aus dem Schmiergeldsumpf zu ziehen - durch
radikale Anti-Korruptionsmaßnahmen und Schadenersatzforderungen an
frühere Top-Manager wie Heinrich von Pierer. Der Fall Siemens hat
Auswirkungen auf die gesamte deutsche Wirtschaft. Viele Konzerne
rüsten sich gegen Korruption. Doch wie nachhaltig sind diese
Bemühungen? Können die Unternehmen ohne Bestechung in korrupten
Regionen der Welt überhaupt noch Geschäfte machen?

"Der Fall Siemens: Der Konzern und Korruption", ein Film von
Michael Haselrieder und Karl Hinterleitner am Mittwoch, 1. Oktober
2008, 0.35 Uhr im ZDF.

Originaltext: ZDF
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/7840
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_7840.rss2

Pressekontakt:
ZDF-Pressestelle
Telefon: 06131 / 70 - 2120
Telefon: 06131 / 70 - 2121



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