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Gladbeck - Dokument einer Geiselnahme - Ein Film von Michael Gramberg

Geschrieben am 21-07-2008

Köln (ots) - WDR Fernsehen, 13. August 2008 - 23.15 bis 00.45 Uhr

Die 90-minütige WDR-Dokumentation wurde nach Absprache mit der
Mutter von Silke Bischoff realisiert. Sie leidet noch heute wie am
ersten Tag unter dem tragischen Tod ihrer Tochter. Zunächst wollte
sie, dass der Name und die Aufnahmen ihrer Tochter nie mehr
veröffentlicht werden dürfen. Doch es gelang dem WDR, sie davon zu
überzeugen, die bedrückende Geschichte der Geiselnahme, die Silke das
Leben kostete, noch ein letztes Mal zu dokumentieren. Das Geschehen
noch einmal zu beleuchten und zu hinterfragen, damit sich so etwas
nie wiederholt.

16. August 1988: Die Gangster Hans-Jürgen Rösner und Dieter
Degowski haben in Gladbeck eine Bank überfallen, zwei Geiseln
genommen, 300 000 Mark Lösegeld und einen Fluchtwagen gefordert. Sie
geben von der Bank aus per Telefon Hörfunkinterviews und drohen, die
Geiseln zu erschießen. Draußen stehen Fernsehteams und berichteten
live. Ein Verbrechen wird am Bildschirm verfolgt, während es
geschieht. Drei Tage lang wird die Republik das Drama wie gebannt
verfolgen, den Geiselnehmern und ihren Opfern von Gladbeck über
Bremen und die Niederlande nach Köln auf den Fersen sein. Reality TV.
Eine Grenzüberschreitung, die es noch nie gegeben hat.

Die Polizei ist ratlos, agiert chaotisch. Sie lässt Reporter,
Fotografen und Kameraleute gewähren und schafft es selbst nicht, mit
den Geiselnehmern Kontakt zu halten. Die Polizei schaut zu, wie die
Geiselnehmer eine Show abziehen, die Knarre im Schoß, sich wichtig
tun. Wie sie Fernsehinterviews geben und dabei behaupten, ihr eigenes
Leben sei ihnen "scheißegal" und wenn sie andere Menschen mit in den
Tod rissen, könne man da eben nichts machen. Als die Polizei merkt,
dass die Journalisten schließlich überall im Wege sind, ist es zu
spät.

In Bremen sorgen die Kidnapper für Panik, kapern einen mit 30
Personen besetzten Bus. Sie wollen die Geiseln austauschen, gegen
einen Kripobeamten. Die Polizei lehnt ab. Nach einer abenteuerlichen
Flucht in die Niederlande stehen sie schließlich mit einem neuen
Fluchtwagen und noch zwei Geiseln in der Kölner Innenstadt und
prahlen gegenüber den Journalisten, sie hätten einen Jungen
"umgelegt". Es war der fünfzehnjährige Emanuele, der seine kleine
Schwester schützen wollte. Dann versuchen sie, über die Autobahn zu
entkommen. Und als das Sondereinsatzkommando der Polizei den
Fluchtwagen auf der Autobahn rammt, stirbt die achtzehnjährige Silke
Bischof. Die Obduktion ergibt, dass die junge Frau durch eine Kugel
aus Rösners Pistole getroffen wurde.

Am Ende herrscht Ratlosigkeit, Trauer und Wut. Die Polizei hat
kläglich versagt. Und die Medien? Die Kripo behauptet, die
Journalisten hätten die Polizei bei ihrer Arbeit behindert. Doch
warum hat sie die Medien nicht zurückgepfiffen?

Nach 20 Jahren zeigt das WDR Fernsehen diese beeindruckende
Dokumentation, die viele noch nicht gesendete Aufnahmen enthält.
Dies, weil direkt nach dem tödlichen Ausgang eine selbstkritische
Diskussion in den Rundfunkanstalten und Verlagshäusern darüber
entbrannte, wie weit man in Bild und Ton gehen darf, wenn über ein
Verbrechen informiert werden soll. Die Fülle des dokumentarischen
Materials belegt auch, wie hilflos die Polizei in Bremen und Köln
war. Wie sehr sie sich vor ihrer Verantwortung gegenüber den Geiseln
gedrückt hat.Am Ende hatte das Geiseldrama und Silkes Tod die
Republik verändert, wachgerüttelt.

Redaktion: Gudrun Wolter, WDR

Originaltext: WDR Westdeutscher Rundfunk
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/7899
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_7899.rss2

Pressekontakt:
Annette Metzinger, WDR-Pressestelle, Telefon 0221/220 2770, -4605
annette.metzinger@wdr.de
Besuchen sie auch die WDR Presselounge www.wdr.presse.de


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