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Standortfaktoren von Familienunternehmen im OECD-Vergleich: Deutschland ist Spitze in Infrastruktur und Finanzierung - Schlusslicht bei Regulierungsdichte

Geschrieben am 11-06-2008

Stuttgart (ots) - Im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hat
das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) eine
internationale Benchmark-Studie zu Standortfaktoren von
Familienunternehmen erstellt. Prof. Dr. Brun-Hagen Hennerkes,
Initiator und Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, erklärt
Anspruch und Ziel der Studie: "Unser Länderindex ist für
Familienunternehmen wichtig, weil auch diese im Zeitalter der
Globalisierung internationale Standortstrategien verfolgen und mit
globalen Wettbewerbern konkurrieren. Darüber hinaus bildet die
Benchmark-Studie als Index die politischen und wirtschaftlichen
Entwicklungen ab und ist somit ein objektives Messinstrument für die
Wirkung der deutschen Wirtschaftspolitik."

Platz 12: Deutschland im unteren Mittelfeld

Das ZEW hat fünf Standortfaktoren in 18 OECD-Staaten vergleichend
analysiert. Die nun vorgelegte Aktualisierung des Länderindex aus dem
Jahr 2006 geht dabei über eine reine Fortschreibung hinaus. Zu den
Indizes Steuern, Arbeitskosten, Regulierung und Finanzierung wurde
auch der Bereich der öffentlichen Infrastruktur aufgenommen. Aus
diesen fünf Indizes baut sich ein Gesamtindex auf, an dessen Spitze
Großbritannien, Dänemark und die Schweiz stehen. Deutschland nimmt
einen relativ schlechten 12. Platz ein, und hat sich im Vergleich zum
Jahr 2006 nicht verbessert (Abb. Gesamtindex). "Ohne den Einbezug der
Infrastruktur wäre Deutschland auf Rang 16 abgerutscht, weil die
Reformbemühungen anderer Staaten mit größerem Erfolg vorangekommen
sind", so Dr. Friedrich Heinemann, ZEW-Studienleiter des Länderindex.

Prof. Dr. Brun-Hagen Hennerkes kommentiert das erschreckend
schlechte Abschneiden von Deutschland als Standort für
Familienunternehmen mit einem Appell an die Politik: "Die gute
Konjunkturlage der letzten beiden Jahre sowie die optimistischen
Wachstumsprognosen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die
strukturellen Rahmenbedingungen für den Standort Deutschland dringend
verbessert werden müssen. Der Länderindex zeigt: Die Welt steht nicht
still, viele andere Länder haben erkannt, dass sie etwas für
Familienunternehmen tun müssen."

Problem Nummer 1: Zu viel Regulierungsdichte

Für das schlechte Abschneiden Deutschlands im Gesamtvergleich ist
aus Sicht des ZEW vor allem die hohe Regulierungsdichte
verantwortlich. Hier ist Deutschland fast Schlusslicht innerhalb der
18 OECD-Staaten, nur Italien schneidet noch schlechter ab.

In diesen Subindex sind die Faktoren Arbeitsmarkt, Tarifrecht,
Doing Business, betriebliche Mitbestimmung sowie die Regulierung des
Produktmarktes eingeflossen. "Nirgendwo sonst werden Einstellungen
und Kündigungen von Arbeitnehmern durch Bestimmungen und Vorschriften
so stark beeinflusst wie in Deutschland. Und auch die Tendenz zu
Flächentarifverträgen ist nur noch in Österreich stärker ausgeprägt",
referiert Heinemann. Das gehe auf Kosten der Flexibilität, die gerade
für Familienunternehmen besonders wichtig ist, um wettbewerbsfähig zu
bleiben und dynamisch zu wachsen. Die geringste Regulierungsdichte
des Arbeitsmarktes hat in diesem Vergleich die Schweiz, gefolgt von
Dänemark und den USA. "Vor diesem Hintergrund ist aus unserer Sicht
die Diskussion zum Mindestlohn vollkommen kontraproduktiv, bedeutete
dies doch einen weiteren Regulierungsschub!", gibt Hennerkes zu
bedenken.

Hochsteuerland Deutschland

Das ZEW hat in den Index Steuern verschiedene Subindizes
einbezogen wie die Steuerbelastung bei nationaler und
grenzüberschreitender Geschäftstätigkeit, die Komplexität des
Steuersystems sowie die Erbschaftsteuer, die vor allem für
Familienunternehmen von größter Bedeutung ist. Deutschland nimmt im
Index Steuern mit Platz 12 den gleichen, relativ schlechten Platz ein
wie im Gesamtranking.

Erbschaftsteuer bleibt Achillesferse für Deutschlands
Familienunternehmen

Die Unternehmenssteuerreform habe, so Heinemann, zwar moderate
Verbesserungen gebracht, hiervon profitierten aber in erster Linie
die Kapitalgesellschaften. Familienunternehmen in der Rechtsform der
Personengesellschaft hingegen leiden unter der Mehrbelastung, die mit
den steuerbedingten Entnahmen durch die Anteilseigner verbunden sind.
Hinzu kommt, dass bei Personengesellschaften die Wirkung der Reform
je nach Einkommenssituation der Unternehmer durch die Erhöhung des
Spitzensteuersatzes im Rahmen der Reichensteuer konterkariert wird.
"Vor allem auf dem Gebiet der Erbschaftsteuer - hier befindet sich
Deutschland weit hinten auf Platz 14 - sehen wir noch
Handlungsbedarf", so Hennerkes. "Die derzeit angestrebte Reform
verspricht wenig Gutes, wenn ich an die 15-jährige Auflage denke, an
die die Entlastung der Betriebe künftig geknüpft werden soll. Diese
vom deutschen Gesetzgeber vorgesehenen 'Wohlverhaltenspflichten' sind
weit härter als alle bisher diskutierten Varianten und die im
internationalen Vergleich üblichen Modelle. Das raubt den deutschen
Familienunternehmen ihre Fähigkeit, schnell auf Marktveränderungen zu
reagieren - ein Vorteil, der sie vor Konzernen auszeichnet.

Kommt das Gesetz in unveränderter Form, wird Deutschland weiter
abrutschen. In Luxemburg, Schweden, Österreich sowie in der
slowakischen und tschechischen Republik bleiben Erben steuerfrei,
andere Länder wie Großbritannien, Belgien oder Irland haben deutliche
Erleichterungen für Familienunternehmen geschaffen und begegnen damit
der Gefahr der Abwanderung."

Arbeit ist in Deutschland zu teuer, mittelmäßig effektiv
und in die Qualifizierung wird noch zu wenig investiert

Trotz der Lohnkostenzurückhaltung der letzten beiden Jahre
schneidet Deutschland auch bei der vergleichenden Analyse von
Arbeitskosten und Produktivität schlecht ab (Rang 16). Hierfür sind
vor allem die überdurchschnittlich hohen Personalzusatzkosten
verantwortlich. Im direkten Vergleich ist Deutschland mit 41,50 Euro
pro Stunde teurer als die durchschnittliche Arbeitsproduktivität
aller 18 betrachteten Länder, die bei einem Wert von 38 Euro/Std.
liegt.

Gute Noten für Infrastruktur und Finanzierung - Kein Polster zum
Ausruhen

Gut schneidet der Standort Deutschland im Bereich der Finanzierung
(Rang 5) und sehr gut im Index Infrastruktur (Rang 4) ab. "Das
stabile rechtlich-institutionelle Umfeld und die hohe Qualität der
unternehmensnahen Infrastruktur gilt es weiter zu stärken, denn hier
liegen die positiven Effekte für den Gesamtindex", mahnt Heinemann
und verweist auf die rasante dynamische Entwicklung von benachbarten
Ländern wie beispielsweise die Slowakische Republik. "Noch punktet
Deutschland in der Infrastruktur und im Bereich Finanzierung, ist
aber bei den Dimensionen Regulierung, Steuern und Arbeit schon
deutlich im Hintertreffen."

Aufholbedarf für den Standort Deutschland

"Im direkten Vergleich mit der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2006
können wir die Benachteiligungen von Familienunternehmen
wissenschaftlich bele-gen und die deutsche Wirtschaftpolitik an den
Maßnahmen anderer Länder messen", fasst Hennerkes zusammen. "Der
Länderindex zeigt, dass die politischen Rahmenbedingungen in
Deutschland weiter verbessert werden müssen, damit
Familienunternehmen international mithalten können.

Download des Länderindex und Grafiken: www.familienunternehmen.de

Originaltext: Stiftung Familienunternehmen
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/61687
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_61687.rss2

Pressekontakt:
Stiftung Familienunternehmen
heidbreder@familienunternehmen.de
Tel.: 089/ 201 86 610


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